Defizite

Wenn Förderungen zur Armutsfalle werden

10. Jänner 2012, 18:47

Trotz hoher Ausgaben für Familienpolitik gibt es zahlreiche Defizite im System

Wien - Österreich rühmt sich zwar seines ausgebauten Systems der Familienförderung, die Effekte des Milliardenregens werden aber keineswegs einheitlich positiv gesehen. Die Geburtenrate zählt zu den niedrigsten Europas und stagniert auf tiefem Niveau. Das Zusammenspiel der verschiedenen Förderinstrumente mit dem Steuer- und Abgabensystem sowie anderen Subventionen ist delikat.

Franz Prettenthaler und Cornelia Sterner vom Grazer Joanneum Research haben die Ausflüsse der Familienpolitik erst in der Steiermark, dann in Wien analysiert und kürzlich zusammengefasst. Das Ergebnis: "Mehrkindfamilien sind sowohl gegenüber Einkindfamilien als auch gegenüber Familien ohne Kindern benachteiligt." Die finanziellen Lasten des Nachwuchses insbesondere bei mehreren Kindern werden im heimischen System nur im unteren Einkommensbereich vom Staat ausgeglichen, heißt es in der Studie.

Dazu liefern Prettenthaler und Sterner aufschlussreiche Detailbetrachtungen: Die Kinderzahl ist im untersten Einkommensviertel der Haushalte am höchsten, wobei der Höchstwert mit 1,78 Kindern im dritten und vierten Hundertstel erreicht wird. Im zweituntersten Viertel bleibt die Geburtenrate niedrig, steigt kurz nach dem Median etwas, um dann bis auf den Tiefstwert von 1,52 Kindern zu sinken, der im 91. Hundertstel erreicht wird. Erst bei den absoluten Topverdienern steigt die Fertilität wieder über die Marke von 1,7 Kindern.

Zudem erneuern die Autoren ihren Vorwurf, dass Armutsfallen im System eingebaut seien. Konkret wird damit der Umstand angesprochen, dass eine Steigerung der Bruttolöhne nach Abgaben und Transfers zu einer Verringerung des verfügbaren Einkommens führen kann. In Wien wäre das beispielsweise der Fall, wenn ein Haushalt mit zwei älteren Kindern seinen Bruttoverdienst von 1800 Euro im Monat um 50 Euro aufbessert. Unter dem Strich blieben dann steht mehr 150 Euro weniger in der Haushaltskasse, weil die Sozialversicherungspflicht bei einem Partner einsetzt und die Studienbeihilfe für ein Kind massiv gekürzt wird. In anderen Konstellationen verhindern die Streichung der Wohnbeihilfe, der Befreiung von der Rezeptgebühr oder die Umkehrung der Negativsteuer in eine Steuerpflicht einen Profit aus einer Lohnerhöhung. (as, DER STANDARD; Printausgabe, 11.1.2012)

jfather@vaterverbot.at
00
11.5.2012, 22:58
Parlamentarische Bürgerinitiative zur Reform des Familienrechts

Gefordert wird:
- Automatischen gemeinsamen Obsorge unabhängig vom Familienstatus.
- Doppelresidenz als vorrangiges Betreuungsmodell, wodurch beiden Elternteilen gleichermaßen die Möglichkeit gegeben
wird ihre Kinder zu betreuen und Kinder trotz Trennung beide Elternteile vollwertig erhalten bleiben.
Die Einführung gleichberechtigte Elternrechte.
- Durchsetzung von Umgangsregelungsbeschlüssen mit spürbaren Sanktionen für die umgangsrechtsverweigernde Person,
- Eine Neugestaltung des Unterhaltsrechts
- Eine kindgerechte Übergabe / Übernahme-Regelung durch gleichmäßige Belastung beider Elternteile.

Unterstützungen können eingebracht werden unter:

http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/... Zustimmung

Harry Y.
 
00
12.1.2012, 01:16
Diesen Artikel verstehe ich größtenteils nicht, mir fehlt der Zusammenhang zwischen

dem 2. Absatz und dem 3. ???

P.S.: Der letzte Satz gilt natürlich nicht nur für Familien.

Xiongerl
10
26.2.2012, 12:03
Weil stufenweises, tabellarisches System,

sowohl bei den Steuern als auch bei den Förderungen. Je mehr man Brutto verdient, umso weniger bleibt relativ Netto übrig. Das betrifft vor allem jene, die solche Stufen nur marginal überschreiten. Die Sprünge müssen ordentlich sein, damit man Netto profitiert. Erst über 90.000 € jährlich zahlt sich mehr zu verdienen wieder wirklich aus. Das System ist im unteren Einkommensbereich der Grund, warum sozial Schwache wenig Anreiz haben zu arbeiten, oder das Bundesland zu verlassen. Die kalte Progression bringt zusätzlich dem Staat viel Geld. In den 70ern waren Tabellenwerke mit Stufen sinnvoll, heute würde eine logarithmische Formel für die Lohnberechnung reichen - und das wäre das AUS für die kalte Progression. Das mag Fekter sicher nicht.

17+4
00
11.1.2012, 10:50
stimmt alles nicht mehr zusammen,

wissen wir, und niemand ändert es, da damit keine politischen Meriten zu gewinnen sind.

Ist wohl eine Frage der Qualität der Politiker

Bertel Mann
01
11.1.2012, 10:09
"Die finanziellen Lasten des Nachwuchses insbesondere bei mehreren Kindern werden im heimischen System nur im unteren Einkommensbereich vom Staat ausgeglichen, heißt es in der Studie."

Dazu wären Zahlen ja interessant. Aber was im nächsten Abasatz steht, hat mit dieser Behauptung nichts zu tun.

Harry Y.
 
00
12.1.2012, 01:18

Jetzt bin ich aber erleichtert *seufz*

hcl3
12
11.1.2012, 11:17
Prettenthaler und Sterner studie

sofern keine sperre von den autoren beantragt wurde erhalten sie einsicht in eine kopie bei der nationalbibliothek oder direkt beim Grazer Joanneum Research
detailzahlen müssten bereits über die stat. austria (für bürger zumeist gratis)abfragbar sein
falls sie an der stat. austria homepage wegen des enormen datenumfangs scheitern - die mitarbeiterInnen sind stets auch bemüht telefonisch das "daten finden" zu unterstützen

Rob Edge
00
11.1.2012, 09:51
Jetzt haben sich das Leute konkret angeschaut,....

also wäre es jetzt eine gute Zeit basierend auf deren Ergebnissen das system zu reformieren. Aber dazu wir es natürlich nicht kommen, weil das wäre ja fast schon Anlaßgesetzgebung. Und auf Experten hören die am Ende nicht einmal ein Parteibuch haben geht ja schon garnicht. Wo würden wir den da hinkommen? (Antwort: Voran!!!)

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