Die Union ärgert sich über Vertragsverletzungen - Die Finanzprobleme des Landes hält OeNB-Chef Nowotny aber für lösbar
Brüssel - Die EU-Kommission kommt am Mittwoch in Brüssel zusammen, um über die Lage in Ungarn zu beraten. Im Raum steht die Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens gegen die rechtskonservative Regierung des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban. Dabei geht es um umstrittene Gesetzesänderungen, die nach Brüsseler Auffassung EU-Recht verletzen könnten. So befürchtet die EU-Behörde, dass die Unabhängigkeit der Zentralbank eingeschränkt werden könnte.
Und auch im Tauziehen um neue Finanzhilfen für das pleitebedrohte
Ungarn gibt es Bewegung. EU-Währungskommissar Olli Rehn werde Ende nächster
Woche (20. Jänner) den zuständigen ungarischen Minister Tamas Fellegi treffen,
kündigte Rehns Sprecher in Brüssel an.
Nowotny zuversichtlich
Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und
EZB-Rat Ewald Nowotny äußerte sich unterdessen zuversichtlich, dass die Finanzprobleme Ungarns gelöst
werden können. Österreich sei
in dem Nachbarland natürlich stark engagiert, sowohl die Banken als auch die übrige Wirtschaft, meinte
Nowotny am Dienstag in Wien. Er sehe die Entwicklung in Ungarn primär politisch bedingt und gehe davon aus, dass sich
eine positive Lösung findet, sagte er vor Journalisten
Dass Österreich wie einige andere Staaten
kurzlaufende Papiere mittlerweile zu negativen Zinsen an die Anleger verkaufen
kann, ist für Nowotny ein Zeichen, dass Österreich
als Staat erhebliches Vertrauen genießt. Österreich bekam zuletzt sein Triple-A-Rating bestätigt.
Man befinde sich damit auf der Stufe der höchstqualifizierten Staaten. Diesen
Status gelte es zu erhalten. Nowotny sieht eine Verpflichtung darin, dafür zu
kämpfen. Dafür müsse man arbeiten. Dies sei nie für alle Zeit gesichert.
Kreditfragen
Wegen seiner wirtschaftlichen Schwierigkeiten bemüht sich Ungarn seit
November vergangenen Jahres um einen neuen Kredit des Internationalen
Währungsfonds (IWF) und der EU. Unter dem Druck der Finanzprobleme will Budapest
nun eine schnelle Einigung. EU und IWF wollen aber vorerst keine offiziellen
Verhandlungen mit der Regierung von Premier Orban aufnehmen, solange
diese nicht ihre umstrittene Politik ändert.
Keine Sanktionen im Köcher
Rehn wollte sich laut Beobachtern bereits am Mittwoch zum ungarischen
Defizit-Strafverfahren äußern. Laut früheren Unterlagen der Behörde schaffte es
Budapest nicht, EU-Sparvorgaben einzuhalten und das Defizit im vergangenen Jahr
unter die Maastricht-Marke von drei Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken.
In Brüssel werden 3,6 Prozent Defizit erwartet.
Die Kommission dürfte die Strafprozedur verschärfen; da Budapest den Euro
bisher nicht eingeführt hat, drohen aber keine Geldstrafen. Auch für die Euroländer
Belgien, Malta und Zypern haben die Währungswächter bisher keine Sanktionen im
Köcher.
Der Sprecher sagte auch, dass bald eine neue "Troika" mit Experten der
Kommission, der Europäischen Zentralbank und des IWF nach Athen zur
Bücherprüfung aufbrechen werde. Einen konkreten Termin nannte er nicht.
Griechenland sei verantwortlich, die Verhandlungen mit privaten Gläubigern wie
Banken über eine Beteiligung an dem zweiten Hilfspaket von 100 Mrd. Euro zu
führen. Dazu liege "hoffentlich bald" ein Ergebnis vor, sagte der Sprecher mit
Blick auf den geplanten freiwilligen Schuldenschnitt. (red/APA)