Umstrittene Gesetze

EU-Kommission knöpft sich Ungarn vor

11. Jänner 2012, 09:16

Die Union ärgert sich über Vertragsverletzungen - Die Finanzprobleme des Landes hält OeNB-Chef Nowotny aber für lösbar

Brüssel - Die EU-Kommission kommt am Mittwoch in Brüssel zusammen, um über die Lage in Ungarn zu beraten. Im Raum steht die Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens gegen die rechtskonservative Regierung des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban. Dabei geht es um umstrittene Gesetzesänderungen, die nach Brüsseler Auffassung EU-Recht verletzen könnten. So befürchtet die EU-Behörde, dass die Unabhängigkeit der Zentralbank eingeschränkt werden könnte.

Und auch im Tauziehen um neue Finanzhilfen für das pleitebedrohte Ungarn gibt es Bewegung. EU-Währungskommissar Olli Rehn werde Ende nächster Woche (20. Jänner) den zuständigen ungarischen Minister Tamas Fellegi treffen, kündigte Rehns Sprecher in Brüssel an.

Nowotny zuversichtlich

Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und EZB-Rat Ewald Nowotny äußerte sich unterdessen zuversichtlich, dass die Finanzprobleme Ungarns gelöst werden können. Österreich sei in dem Nachbarland natürlich stark engagiert, sowohl die Banken als auch die übrige Wirtschaft, meinte Nowotny am Dienstag in Wien. Er sehe die Entwicklung in Ungarn primär politisch bedingt und gehe davon aus, dass sich eine positive Lösung findet, sagte er vor Journalisten

Dass Österreich wie einige andere Staaten kurzlaufende Papiere mittlerweile zu negativen Zinsen an die Anleger verkaufen kann, ist für Nowotny ein Zeichen, dass Österreich als Staat erhebliches Vertrauen genießt. Österreich bekam zuletzt sein Triple-A-Rating bestätigt. Man befinde sich damit auf der Stufe der höchstqualifizierten Staaten. Diesen Status gelte es zu erhalten. Nowotny sieht eine Verpflichtung darin, dafür zu kämpfen. Dafür müsse man arbeiten. Dies sei nie für alle Zeit gesichert.

Kreditfragen

Wegen seiner wirtschaftlichen Schwierigkeiten bemüht sich Ungarn seit November vergangenen Jahres um einen neuen Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU. Unter dem Druck der Finanzprobleme will Budapest nun eine schnelle Einigung. EU und IWF wollen aber vorerst keine offiziellen Verhandlungen mit der Regierung von Premier Orban aufnehmen, solange diese nicht ihre umstrittene Politik ändert.

Keine Sanktionen im Köcher

Rehn wollte sich laut Beobachtern bereits am Mittwoch zum ungarischen Defizit-Strafverfahren äußern. Laut früheren Unterlagen der Behörde schaffte es Budapest nicht, EU-Sparvorgaben einzuhalten und das Defizit im vergangenen Jahr unter die Maastricht-Marke von drei Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken. In Brüssel werden 3,6 Prozent Defizit erwartet.

Die Kommission dürfte die Strafprozedur verschärfen; da Budapest den Euro bisher nicht eingeführt hat, drohen aber keine Geldstrafen. Auch für die Euroländer Belgien, Malta und Zypern haben die Währungswächter bisher keine Sanktionen im Köcher.

Der Sprecher sagte auch, dass bald eine neue "Troika" mit Experten der Kommission, der Europäischen Zentralbank und des IWF nach Athen zur Bücherprüfung aufbrechen werde. Einen konkreten Termin nannte er nicht. Griechenland sei verantwortlich, die Verhandlungen mit privaten Gläubigern wie Banken über eine Beteiligung an dem zweiten Hilfspaket von 100 Mrd. Euro zu führen. Dazu liege "hoffentlich bald" ein Ergebnis vor, sagte der Sprecher mit Blick auf den geplanten freiwilligen Schuldenschnitt. (red/APA)

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barney
85
11.1.2012, 11:56
Klartext

Na immerhin haben wir's jetzt Schwarz auf Weiß:
selbst mit einer Zweidrittel-Mehrheit hat man im eigenen Land nix mehr zu sagen, wenn es den EU-Eliten nicht gefällt! Nichts wie raus!!

Sandor Kocsis
22
11.1.2012, 16:12

bin froh, dass es trotz 2/3 Mehrheit ein demokratisches Regulativ existiert, dass an einen Mindeststandard an europäischen Grundwerten sichert, über die sich diese Regierung gerne hinweggesetzt hätte

Warentester
02
11.1.2012, 21:21

Ach geh bei den Grundwerten hat man eh nichts unternommen, außer ein bisserl gemault. Aber jetzt plant Orban die Notenbank unter staatliche Kontrolle zu stellen, da ist natürlich Feuer am Dach, weil das bedroht das System. Die Notenbank hat nämlich "unabhängig" (sprich unter den Kontrolle der FI-Clique) zu sein, sonst macht sie gach Politik für das Volk und nicht für die FI. Blöd nur, das wenn Orban auf stur schaltet sie nicht viel tun können, außer das Geld trotzdem zu überweisen. Weil Ungarn sonst beim Untergehen möglicherweise so viele mitreißt und einen solchen Schaden verursacht, dass man das Risiko (überhaupt in der jetzigen Lage) schlecht eingehen kann.

Und nein, ich bin kein Fan von Orban.

Sandor Kocsis
00
12.1.2012, 09:33
II.

Musste O schon einige Male großgoscherte Aussagen und selbst Gesetze wegen des EU Protestes zurückziehen, und das schadet ihm auf Dauer in seiner Wählerschaft, die den tapferen Magyaren bewundern, auch

Nein, ich bin kein Gyurcsány Fan.
Nein, ich bin kein SZDSZler und schon gar nicht MSZPler.
Nein, ich bin kein blinder Kritiker von Orbán, hatte Verständnis für seine Oppositionspolitik.
Ja, ich bin Europäer!
Ja, ich stehe zu den Prinzipien der Aufklärung!

Sandor Kocsis
00
12.1.2012, 09:29
I.

Ganz so stimmt es nicht, da die EU und alle Medienverbände laut aufgeschrien haben, als das neue Mediengesetz kam.

Der Automatismus war in H der gleiche, den Sie nun zutage legen: die EU soll die Pappn halten, denn ist selber nur ein Wirtschaftsverein, der auf seine (in H wurden da noch andere aus den unsäglichen Tiefen der menschlichen Vorurteile hervorgehoben) Interessen bedacht ist.
Desgleichen als sie bei Steuergesetzen, die RÜCKWIRKEND eingeführt wurden, protestiert hat.
Bei Passagen neuer Verfassungsgesetze wurde und wird noch protestiert, ist ja erst seit 1.1. in Kraft.

Man/frau schreit am lautesten, wenn es ums Eingemachte geht - das ist auf beiden Seite der Leitha so.

Bagolyvár
21
12.1.2012, 12:43
Von wegen „Zurückziehen“

Lesen Sie mal die Korrekturen an den Gesetzen CIV und CLXXXV von 2011 (Mediengesetze) durch, erzählen Sie uns was alles da drinnen steht und klären Sie uns auf, was die Korrekturen mit der Sicherung eines Mindeststandards an europäischen Grundwerten zu tun haben. Der Aufschrei war groß, das effektiv erreichte schaut eher nach nichts aus, das lässt sich allerdings nicht als Erfolg verkaufen und wurde uns daher verschwiegen.

Sandor Kocsis
11
12.1.2012, 15:57

Ich habe Sie des öfteren gebeten den preussischen Oberstudienratston zu ändern!

Sie können die von Ihnen zitierten gerne hier posten, wenn diese Ihnen so wichtig sind.

globetrottel
11
12.1.2012, 07:15

"Und nein, ich bin kein Fan von Orban."
Sie erweisen aber den demokratischen Bestrebungen einen Bärendienst, wenn Sie und viel andere hier sich auf das unselige EU- und Bankenbashing konzentrieren, damit zumindest Ihr Teil-Einverständnis mit dem Treiben von Orbán & Co ausdrücken, ja sich geradezu solidarisch zeigen.

Bagolyvár
22
12.1.2012, 12:25
Drücken Sie sich klar aus!

„Mit demokratischer Bestrebungen“ meinen Sie wohl das Einsetzen eines - vom Volk nicht gewählten - „Kommissärs“ wie in Griechenland und Italien.

globetrottel
00
12.1.2012, 16:28

weder meinte ich damit das Einsetzen eines Kommissärs, noch meinte ich das Einsetzen oder Aussetzen von irgendwem. Demokratische Bestrebungen sind schlicht nichts anderes als demokratische Bestrebungen - und kommen Sie mir nicht wieder mit Ihrem üblichen Argument, dass Orbán demokratisch gewählt wurde und daher alles, was immer danach getan wird, "demokratisch legitimiert" sei. Demokratie ist weit mehr als eine korrekte Wahl.

Sandor Kocsis
11
12.1.2012, 15:59

den hatte Ungarn schon in Form von Bajnai, und der war im Nachhinein gesehen nicht die schlechteste Lösung, sondern der Ministerpräsident der bisher wirthschaftlich erfolgreichsten Regierung Ungarns. Vielleicht mal die von Széchényi und Mathias Corvinus anno dazumal ausgenommen.

Janosch bacsi
01
12.1.2012, 14:18

Statthalter hat man früher gesagt.

Ibsen
00
11.1.2012, 17:55
Ist das Timing ein reiner Zufall?

http://hvg.hu/itthon/20... io_plagium

durchausbeinander
13
11.1.2012, 12:46
oder:

es gibt demokratische Mindeststandards an die sich ein Mitglied der EU zu halten hat, egal wie die Mehrheitsverhältnisse in der jeweilige regionalen Volksvertretung aussehen.

DemRepublikaner
00
11.1.2012, 12:38
Bisschen schwanger

geht eben nicht. Entweder dabei oder draussen.
Die Kernfrage ist doch "Europa der Vaterländer" oder
"Vereinigte Staaten von Europa". Diese Frage sollten die Politik einmal den Bürgern stellen. Vielen war es bei der seinerzeitigen Abstimmung nicht klar (wurden im Dunkeln gelassen), um was es eigentlich ging. Wenn VSE, dann aber durchgehende Demokratie.

Mike 23
07
11.1.2012, 12:09
Klartext ist hier vielmehr

dass man selbst mit einer 2/3 Mehrheit nichts mehr umsetzen kann, wenn das Geld fehlt und man auf andere angewiesen ist.
Michael

Sandor Kocsis
11
11.1.2012, 16:13

und das ist in diesem speziellen Fall auch gut so

barney
12
11.1.2012, 12:25
Korrektur

Es wurde Etliches umgesetzt, soll (muß) aber wieder zurückgenommen werden!

madathara
52
11.1.2012, 11:38

da kommt das böse ungarn und pfeift mal nicht nach der pfeife der weltfinanzelite und wird sofort via schoßhund EU zurückgepfiffen.

aber ich fürchte orbans nationalbankgesetzänderungen dienen primär zur festigung seiner macht und um diese zu finanzieren. genauso wie seine menschenrechtsunwürdige medien- und justizpolitik.

so unsymphatisch mir die politik prinzipiell von orban ist, so freue ich mich doch wenn einzelne staaten versuchen sich aus diesem versklavenden weltfinanzsystem auszuklinken.

Peter Hammer 06
11
11.1.2012, 13:12
Das ist "Wer ist stärker? I oder I? " .....

...Orbans Gesetzesänderung/seine Machenschaften mit dem EU-Widerstand ( der UNS alle angeht) zu vergleichen ist kindisch.
Wie soll man die schleichende Orban-Diktatur denn sonst bekämpfen als mit EU-Sanktionen?

MUNGO1
01
11.1.2012, 11:33
Nowotny ist ein Weiser!

Bereits vor ca 14 Monaten hat er erklaert;

" die Krise ist längst zu Ende und wir werden für unsere Garantienen auch noch Geld (Gewinn) von den Griechen bekommen"

Wer ihm nicht glaubt ist selber Schuld!

Smoothies? Obst gehört gebrannt
25
11.1.2012, 11:14

Bin ich der einzige, dem es sauer aufstößt, dass die EU-Kommission zum ungarischen Medienknebelgesetz und zur neuen ungarischen Verfassung den Mund nicht wirklich aufbekommen hat, aber sofort mit einem Vertragsverletzungsverfahren wachelt, wenn "die Unabhängigkeit der Zentralbank eingeschränkt werden *könnte*"?

Ich bin ein Bilderberger
00
12.1.2012, 14:12

nein nicht der einzige.
liegt jedoch auf der hand. mediengesetz und verfassung sind gegen die eigene bevölkerung, also ok.
unabhängigkeit der eigenen nationalbank ist gegen das interesse des planes also ganz böse.

Bagolyvár
00
12.1.2012, 12:58
Nein, Sie sind nicht allein.

Bei den ersteren fehlte ihnen einfach die Handhabe, ob sie beim Nationalbankgesetz was finden werden steht noch in den Sternen. Fest steht nur, dass sie sich mehr bemühen werden.

Aristarch
16
11.1.2012, 12:03
Das ergibt sich aus den Kompetenzen der EU:

Die Kommission hat sich auch zu den Mediengesetzen geäußert, soweit sie dem EU-Recht widersprochen haben. Diese sind dann teilweise angepasst worden.

Bei der Gestaltung der eigenen Verfassung haben die Mitgliedstaaten aber einen weiten Gestaltungsspielraum und sind kaum durch EU-Recht gebunden. Daher kann es hier im Allgemeinen kein Vertragsverletzungsverfahren geben. Erst wenn sehr schwerwiegende, grundsätzliche Verletzungen demokratischer Regeln vorliegen, steht nach dem EU-Vertrag ein besonderes Verfahren zur Verfügung.

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