Run auf Polizeifahrräder "ohne Gewähr"

  • Die ausrangierten Polizeifahrräder wurden um bis zu 100 Euro pro Stück versteigert. Manche Bieter hoffen, dass die Polizei-Aufkleber abschreckend auf Diebewirken.
    foto: simo

    Die ausrangierten Polizeifahrräder wurden um bis zu 100 Euro pro Stück versteigert. Manche Bieter hoffen, dass die Polizei-Aufkleber abschreckend auf Diebewirken.

Dorotheum versteigerte alte Diensträder, im Februar Polizeiautos unter dem Hammer

Wien - Die hohe Kunst des Auktionators ist es, mit nebensächlichen Bemerkungen über angebotene Exponate bei Bietern das Will-ich-unbedingt-haben-Gefühl auszulösen. Hans Müllner vom Dorotheum kann das: "Sogar mit schönen Satteltaschen" reicht aus, schon wacht das Publikum auf und wetteifert um den Zuschlag für das alte Polizeifahrrad, von dem es im Prospekt heißt: "Beschädigt, fehlen Teile, ohne Gewähr" . Was mit zehn Euro Rufpreis begonnen hat, endet mit immerhin 90 Euro.

Insgesamt 136 ausrangierte Fahrräder der Polizei kamen am Dienstagvormittag im neuen Fahrzeug-Technik-Zentrum des Dorotheums in Vösendorf unter den Hammer. Der Andrang war enorm, schon zuvor hatten viele Bieter per Internet Gebote deponiert. Auch die Versteigerungshalle war gut gefüllt, ungarische, slowakische und ukrainische Kleinlaster auf dem Parkplatz verrieten, wohin die Ware gehen sollte. Aber auch einheimische Kundschaft war auf der Schnäppchenjagd gut vertreten. Herr B. etwa, Reitlehrer aus Wien, suchte Ersatz für sein erst unlängst gestohlenes Citybike. "Das unübersehbare Polizeipickerl auf dem Rahmen wirkt vielleicht abschreckend auf Diebe" , meinte er.

Die Spanne der Erlöse reichte von 30 bis 100 Euro je Fahrrad. Gleich heimfahren auf dem ersteigerten Gerät getraute sich aber niemand. Abgesehen davon, dass viele Patschen erst geflickt werden hätten müssen, wären wohl nur wenige der früheren Diensträder durch eine mögliche Polizeikontrolle gekommen. Zu offensichtlich waren manche Mängel.

"Genau genommen waren es auch keine echten Dienstfahrräder" , heißt es im Innenministerium. Auf Mörderjagd war damit also kein Beamter. Die zur Versteigerung abgegebenen Geräte seien zum Beispiel für Postwege oder in größeren Werkstätten eingesetzt gewesen.

114 Fahrradfahnder

Echte Dienstfahrräder, also solche, mit denen Streife gefahren wird, sind in Österreich eher selten. Die Republik leistet sich derzeit nur 38 davon. 114 Polizistinnen und Polizisten haben die Zusatzausbildung als Fahrradpolizisten, die meisten davon in Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt. In der Bundeshauptstadt ist der Pedaldienst - wenn es das Wetter von Frühling bis Herbst zulässt - nur in der Innenstadt sowie in den Bezirken Margareten, Döbling, Brigittenau, Donaustadt und Floridsdorf vorgesehen. Dafür aber in eigener Radleruniform.

Alte Fahrräder sind nicht das Einzige, mit dem die Polizei frisches Geld einfahren will. Am3. Februar wird das Dorotheum im Messepark Dornbirn Polizeikraftfahrzeuge versteigern. Extra-PS wie im Dodge der Blues Brothers ("It's got a Cop-Motor") darf man sich aber nicht erwarten, heimische Fahnder sind bestenfalls mit Serienausstattung unterwegs. (Michael Simoner, DER STANDARD; Printausgabe, 11.1.2012)

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