Förderungen für Familien

Ein familiärer Geldsegen ohne Maß und Ziel

10. Jänner 2012, 18:47
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    foto: corbis

    Das Klischee der "heilen" Familie ist zerbröselt - doch Österreichs Familienförderung fällt immer noch sehr traditionell aus.

Stolze 9,4 Milliarden Euro gab der Staat im Vorjahr für Familien aus - Doch einen Überblick über den Wildwuchs an Leistungen hat niemand - Kritiker attestieren der Familienförderung hohe Kosten, aber begrenzte Wirkung

Wien - Die genaue Zahl kennt niemand. Das Ministerium winkt ebenso ab wie die Expertenschaft. Am nächsten kommt noch der Rechnungshof: Allein im Bund und den drei ausgewählten Ländern Kärnten, Oberösterreich und Salzburg zählten die Prüfer 117 Familienleistungen. Grob hochgerechnet auf ganz Österreich existieren wohl weit mehr als 200 einschlägige Fördervarianten.

Das läppert sich: Rund 9,4 Milliarden Euro schüttete der Staat 2010 laut Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) für die Familien aus, das ist ein Plus von 19,3 Prozent seit 2006. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt stiegen die Ausgaben damit von drei auf 3,3 Prozent. Der Zuwachs ergibt sich aus dem Ausbau der Kinderbetreuung, dem höheren Kinderabsetzbetrag sowie aus Kosten für Jugendwohlfahrt, die aus wachsenden Sozialproblemen resultieren.

Der Löwenanteil entfällt mit 8,2 Milliarden auf den Bund, wo sich nicht weniger als sieben Ressorts mit eigenen Förderungen konkurrieren. Noch viel mehr Spielarten gibt es aber in den Ländern. Schon Kärnten, Oberösterreich und Salzburg kommen zusammen auf 70 Leistungen - von Babygeldern über Urlaubszuschüsse bis zum Zubrot für Mehrlingsgeburten.

Aber kommt das viele Geld auch bei jenen an, die es wirklich brauchen? Mangels "gesamthafter Abstimmung" hegt der Rechnungshof begründete Zweifel und stellt - wie es im Fachjargon heißt - "Überlappungen", "Parallelitäten" und "Zielkonflikte" fest. So knüpften sich etwa an den Sachverhalt "Schwangerschaft und Geburt" allein im Bund zehn verschiedene Leistungen.

Die öffentliche Hand, bekritteln die Rechnungsprüfer, habe als Finanzier keine Einsicht, wie viel eine einzelne Familie in Summe bezieht. Auch das Familienministerium selbst hätte da gerne besseren Durchblick und bastelt deshalb gerade an einer Datenbank, die sämtliche Leistungen von Bund und Ländern auflisten soll.

Margit Schratzenstaller kommt am Wort "Dschungel" nicht vorbei, wenn sie über die Familienpolitik spricht. "Licht ins Dickicht" fordert die Wifo-Expertin, Leistungen müssten zusammengelegt und koordiniert werden. Dies sei nicht nur notwendig, um die Verwaltungskosten zu senken und den Bürgern die Chance zum Durchblick zu geben - vor allem, wenn sie von einem Bundesland ins andere ziehen. Erst in der Gesamtschau lasse sich beurteilen, ob die Familienförderung auch die propagierten Ziele erreiche.

Schratzenstaller bezweifelt das. Fast alle Politiker reden etwa davon, dass die Nation mehr Kinder brauche. Doch trotz der hohen Familienförderung liegt die Geburtenrate pro Frau mit 1,44 deutlich unter dem EU-Schnitt. Österreich gebe zu viel Geld für die falschen Zwecke aus, glaubt Schratzenstaller - und zwar für monetäre Goodies statt für Kinderbetreuung. "Es ist nicht einzusehen, dass die Länder da auch noch eigene Leistungen anbieten", sagt sie. Die dort einzusparenden Summen sollten in die Kinderbetreuung fließen.

In die gleiche Richtung wollen Arbeiterkammer und Industriellenvereinigung: Zusammenlegung oder Abschaffung von Geldleistungen, dafür Förderung von Kinderbetreuung. Auf Gegenliebe stößt das Konzept allerdings nur in einer Regierungspartei - die ÖVP ist strikt dagegen. (Gerald John, DER STANDARD; Printausgabe, 11.1.2012)

Kommentar posten
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Vintageologist
 
03
20.1.2012, 17:34
Es wäre sinnvoll, Förderungen an die Bildung der Eltern zu koppeln...

Denn derzeit ist es so, dass Bildungsferne und Dumme (In- sowie Ausländer) die Kinderförderungen als Kapital ansehen und sich deswegen Maßlos fortpflanzen, während gebildete Familien deutlich weniger Förderungen erhalten und somit Kinder eher als finanzielle Last ansehen. Leistung wird in Österreich also wie immer bestraft. Das Ergebnis zeigt die Geburtenstatistik. Kinder in erster Linie von der Unterschicht. Österreich verdummt.

xy
00

so einfach geht das auch wieder nicht. intelligenz wird nur im sehr beschränkten maße vererbt. dummen menschen zeugen nicht automatisch dumme kinder. dass das umfeld in dem kinder aufwachsen in dem zusammenhang ein großer faktor ist stimmt, aber das würde eher dafür sprechen kinder mehr direkt zu fördern und in der ausbildung gute möglichkeiten zu geben um den negativen umfeldeffekt zu relativieren.

Chocoholic
01
18.1.2012, 20:59
Also da kann mir jetzt niemand mehr sagen, kinderfamilien zahlen mehr als kinderlose.

9,4 Millarden Euro an Familien....

Oder halten da viiiiele vorher noch die Hand auf?

Alwis
 
00
3 Mrd € jährlich von kinderreich zu kinderlos

- wandern übrigens von kinderreichen Familien zu den Kinderlosen - per Saldo!

Man muß nämlich die gewaltigen Zahlungen über den Generationenvertrag berücksichtigen, also die Pensionen, die ja überwiegend von den Kindern der kinderreichen Familien bezahlt werden (müssen).

Wer das genau wissen will, kann die Studie hier herunterladen:
http://www.ffv.at/index.php?id=3848

rollschuhrolli
11
17.1.2012, 02:38
Vielleicht ist es an der Zeit,

dass Kinderlose höhere Steuern entrichten.

Alwis
 
00
Das ist ja schon der Fall - indirekt zumindest.

Nämlich indem alle Steuern zahlen müssen und die Eltern einen Teil davon über Familienbeihilfe, Kinderabsetzbetrag, Mehrkindzuschlag usw. zurückbekommen.
Allerdings ist diese Umschichtung zu den Familien offensichtlich zu niedrig, wie auch eine Studie beweist:

3 Mrd. Euro wandern jährlich per Saldo von Kinderreich zu Kinderlos!
Die Hauptleistungsträger in diesem Staat sind also die kinderreichen Familien!

Wer das genauer wissen will, kann die Studie beim FFV herunterladen.

Balkonbepflanzer
01
18.1.2012, 21:40

Und wer sagt, dass man freiwillig kinderlos ist? Hört sich nämlich immer so an, wenn man nach höheren Steuern bei kinderlosen schreit.

david crutton
22
16.1.2012, 13:42
my2cents

Sämtliche Förderungen einstellen, im Gegenzug Familiensteuersplitting einführen! DAS wär´s!

XP
10
16.1.2012, 09:14

was ist denn so schwer daran Haushaltsobergrenzen für Familienbeihilfe und Kindergeld einzuführen ?

Vintageologist
 
11
20.1.2012, 17:36

Unterschichten sollten überhaupt kein Kindergeld bekommen.

Unnötige Leute, die keinerlei Leistung für die Gemeinschaft erbringen, sollten nicht auch noch bei der unkontrollierten Fortpflanzung und Weitergabe ihrer degenerierten Gene unterstützt werden.

Es sollte eigentlich so sein, dass die Kinderbeihilfe sich daran orientiert, wie viel die Leute bereits an Steuern eingezahlt haben. Menschen, die viel bezahlt haben, sollten viel Unterstützung bekommen. Solche, die nichts geleistet haben, sollten auch nichts bekommen.

isai
00
28.2.2012, 21:46
"Unnötige Leute, die keinerlei Leistung für die Gemeinschaft erbringen, ... unkontrollierte Fortpflanzung ... degenerierte Gene ..."

Dieser Tonus klingt sehr nach einer Zeit, die wir schon mal hatten - so ungefähr vor 70 Jahren ...
vielleicht sollten Sie zuerstmal denken, bevor sie schreiben ... Ihr Urteil über die Unterschicht ist nicht nur hart sondern erntbehrt jeglicher sozialen Grundlage.

Alwis
 
11
16.1.2012, 23:28
Mittelstand ohne Familienbeihilfe?

- darauf läuft es hinaus.
Dann wird nur der kinderlose Teil des Mittelstands etwas von seiner Leistungsbereitschaft und -fähigkeit haben. Mit Kindern wird der Mittelstand dann z.T. sogar schlechter dastehen als die unterste Einkommensschicht.

In Wirklichkeit sind Familienleistungen zum Teil Steuerrückerstattungen und zum Teil Anerkennung der Leistungen, die kinderreiche Familien für die Gesellschaft erbringen.

Naseweiss1
01
15.1.2012, 20:46
Wird Zeit, dass die Familienförderung mit Gutscheinen ausgezahlt werden!

Erste Länder mit einen solchen System verzeichen Erfolge.
Die Förderung kommen den endlich auch den Kindern zugute.
Die Kinder-/Familienförderung ist zweckgebundener.
Und wenn es alle machen, brauch sich keiner schämen!

Spucks
01
16.1.2012, 08:56
"Erste Länder mit einen solchen System verzeichen Erfolge."

Welche Länder?
Gutscheine wofür?

Vintageologist
 
11
20.1.2012, 17:37

Nahrung, Kinderkleidung, Schulmaterial.

Ein weiterer Vorteil: Man kann solche Gutscheine nicht heim in die Türkei schicken.

Spucks
10
23.1.2012, 09:41

WELCHE Länder?

Und warum sollte ich mir vom Staat vorschreiben lassen, welche Nahrung mein Kind zu sich nimmt und welche Kleidung es trägt?

Naseweiss1
01
15.1.2012, 20:42
Wann kommt auch hier die Transparenzdatenbank!

Ich will endlich wissen, wer meine Steuergelder erhält und wieviel?

Alwis
 
42
14.1.2012, 20:34
AK und IV gemeinsam gegen die Kinder

Zitiere:
"In die gleiche Richtung wollen Arbeiterkammer und Industriellenvereinigung: Zusammenlegung oder Abschaffung von Geldleistungen, dafür Förderung von Kinderbetreuung. "

Wieder einmal das alte Lied:

Kinder im Zangenangriff von Linken und Industrie
http://www.wolfmayr.org/familie/v... p=784#p784

Und unsere Regierung gehorcht diesen Institutionen ohnehin schon allzu sehr:

SP-VP-Regierung unterwegs zur Verstaatlichung der Kinder
http://www.wolfmayr.org/familie/v... f=18&t=745

atomkraft neindanke
55
12.1.2012, 16:31
Wer keine Kinder hat, soll im Alter weniger bekommen: Während die einen auf viel verzichten, profitieren die anderen, die ihren Teil des Generationenvertrags nicht erfüllt haben!

Familienbeihilfe ist keine Förderung, sondern soll die Tatsache ausgleichen, dass in Ö steuerl weitgehend unberücksichtigt bleibt, ob ein arbeitender Mensch auch Kinder erzieht u für ihren Unterhalt aufkommt. Durchschnittl Ausbildungsdauer liegt ohne Kindergarten bei 12 bis 18 Jahren beginnend mit dem 6. Lebensjahr.

dazu kommt noch der persönl. Aufwand+ Einsatz, dh sollte dies bei der Pension auch dementsprechend berücksichtigt werden, in Frankreich macht man das, obwohl fast alle franz Frauen voll arbeiten + die Kinder den ganzen Tag in der Schule sind (ab dem 2. Lebensjahr).

in Wahrheit leben in Ö viele im Alter an der Armutsgrenze! die double income no kids Pärchen profitieren davon, dass andere Kinder großgezogen haben.

isai
00
28.2.2012, 21:53
Sie haben nicht ganz unrecht, jedoch gibt es auch Pärchen, deren Kinderwunsch nicht geklappt hat - sollen die bestraft werden?

Alwis
 
00
14.1.2012, 20:29
Danke atomkraftneindanke

Die angeblich zu hohen Förderungen für Familien sind in Wirklichkeit Steuerrückerstattungen und Teilentgelte für die Leistungen der Familien - vor allem der kinderreichen - im Rahmen des Generationenvertrags.

So werden z.B. 6 Kinder einer Familie hohe Beiträge in die staatliche Pensionsversicherung einzahlen. Profitieren werden davon in überhöhtem Ausmaß z.B. Kinderlose.
Ein Skandal sondergleichen ist, dass die Mutter dieser 6 Kinder selber ziemlich leer ausgehen wird.

Mehr dazu hier:
3 Mrd € jährlich von kinderreich zu kinderlos
http://www.wolfmayr.org/familie/v... f=30&t=727

oder hier:
Mutter mit 11 Kindern schenkte dem Staat 671.000 Euro
http://schreibfreiheit.eu/2010/01/3... 71-000-eur

Spucks
00
15.1.2012, 17:33
"Mutter mit 11 Kindern schenkte dem Staat 671.000 Euro"

Wenn man eine Leistung nicht erhält, weil man keinen Anspruch darauf hat, man nicht straffällig wird und Stuern zahlt, dann schenkt man dem Staat also Geld. Interessante Interpretation.

Hums
12
15.1.2012, 09:07

Hoffentlich haben die 6 Kinder dann auch einen Arbeitsplatz bzw ein ausreichendes Einkommen, um einzuzahlen. Besser wäre, jeder würde für sich selbst vorsorgen, dann braucht man sich dieses veraltete Generationsvertrags-Geschwafel nicht ständig anzuhören. Und ein, das ist nicht asozial.

Alwis
 
00
16.1.2012, 23:25
jeder für sich selbst vorsorgen

- und das Geld der Finanzindustrie anvertrauen.
Na, dann viel Glück bei den nächsten Finanzkrisen!
Und guten Appetit bei der Klostersuppe, wenn die Börsen crashen und die private Vorsorge sich in der Finanzblase aufgelöst hat.....

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