Termin geplatzt

Weiter Tauziehen um Brenner-Basistunnel

10. Jänner 2012, 16:47

Berlin/Wien/Innsbruck - Das Tauziehen um die Realisierung des Brenner-Basistunnells (BBT) geht offenbar weiter. Während der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) am Dienstag in Innsbruck die Sozialpartner auf das Großprojekt einschwor, wurde am Nachmittag bekannt, dass eine für Freitag in Rosenheim in Bayern geplante Vertragsunterzeichnung zwischen Österreich und Deutschland für den nördlichen Zulauf verschoben wurde.

Im deutschen Verkehrsministerium in Berlin hieß es, dass Wien um diese Verschiebung ersucht habe wegen der "laufenden Verhandlungen über die Budget-Einsparungen". Sobald auf österreichischer Seite Klarheit über diese Einsparungen bestehe solle der Termin nachgeholt werden, habe Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) ihrem Amtskollegen Peter Ramsauer (CSU) erklärt. Ramsauer selbst bedauere die Verschiebung "außerordentlich", wie eine Sprecherin erklärte.

Terminfrage

Im Verkehrsministerium in Wien hieß es, es gehe in erster Linie um eine Terminfrage. "Das ist eine Verschiebung, keine Absage", so eine Sprecherin von Ministerin Bures. Grundsätzlich gebe es von Bures ein mehrfaches Bekenntnis zu allen Infrastrukturprojekten, aber diese müssten natürlich auch finanziert werden. "Wir stehen unter starkem Sparzwang, und ohne Tabu werden alle Ausgaben durchgerechnet und Einsparungspotenziale ermittelt". Konkreteres werde es erst nach Abschluss der Verhandlungen geben.

Platter verwies zuvor auf 2,5 Mrd. Euro an Investitionen auf Nordtiroler Seite für den Brennerbasistunnel. Bis heute seien etwa 400 Mio. Euro - davon 50 Prozent aus Mitteln der Europäischen Union - in die Realisierung des österreichisch-italienischen Gemeinschaftsprojekts geflossen. Etwa 150 Millionen Euro entfielen bis dato auf den Abschnitt im Bundesland Tirol. Wenn man die Unterinntaltrasse als Zulaufstrecke für den Brennerbasistunnel mitberücksichtige, seien insgesamt sogar schon 2,7 Mrd. Euro verbaut worden. 20 des insgesamt 200 Kilometer umfassenden Tunnel-Systems und damit ein Zehntel des gesamten Projekts seien bereits ausgebrochen.

Für die Tiroler Grünen wird die Realisierung des BBT "immer enger". Klubobmann, LAbg. Georg Willi forderte erneut eine Alpentransitbörse zur fairen Verteilung der Gütertransporte auf die verschiedenen Alpenpässe, mehr Effizienz beim Gütertransport auf der Bahn und höhere Lkw-Mauten, um mehr Kostenwahrheit im Verkehr zu erreichen. (APA)

dermartino
22
10.1.2012, 19:53

Von allen großen Tunnels mit Sicherheit der sinnloseste, aber dafür der teuerste.

bahnfan
01
10.1.2012, 18:00
Aufwändig, aber sinnvoll ist die Unterinntaltrasse,

weil sie für Personennah- und -fern- und für den Güterverkehr ausreichend Kapazität schafft. Im italienischen Abschnitt von Franzensfeste bis Verona ist nichts Gleichwertiges zu sehen. Vor dem BBT müsste dort zuerst eine zweite Doppelspur gebaut werden. Solange nicht einmal der in Kürze fertige Gotthardbasistunnel ausreichende Zulaufstrecken hat, kann mit Sicherheit nicht mit ausreichenden Ausbauten entlang Eisack und Etsch gerechnet werden. Was aus Deutschland und Italien auf den Brenner zuläuft, kann noch lange mit der bestehenden Strecke bewältigt werden. Mit moderner Technik (automat. Kupplungen wie bei allen leistungsfähigen Bahnen der Welt u. ebenfalls verfügbare leise Güterwagen) kann man sich die Verschendung BBT wowieso ersparen!

maggo22
00
10.1.2012, 19:01

Wobei sich gerade auf einer so schnellen Strecke Güter- und Schnellzüge besonders ungut in die Quere kommen und somit die neue U - Bahn auch nur ca. 6 Güterzüge je Stunde und Richtung wird aufnehmen können. Daß man in Italien nix sieht ist völlig falsch, da wurde sehrwohl teils neutrassiert und ordentlich beschleunigt, aber der gelernte Italiener is eben vorsichtig geworden wenn er mit einem Österreicher einen Vertrag abschliesst. Wer hat denn die Strecke bis Tarvis komplett neu gebaut und aufwändigtst neu trassiert, und wer war froh gleichzeitig endlich zweigleisig zu werden? Und ein Ausbau über Wörgl hinaus kann derzeit wirklich als Schnapsidee abgetan werden, D hat ja dazu auch nix im Verkwhrswegeplan vorgesehen.

bahnfan
01
10.1.2012, 18:48
Verschwendung BBT ist natürlich gemeint.

Nahverkehr auf der Strecke im Wipptal ist recht, wenn genügend Trassen vorhanden sind. Ansonsten wäre es absurd, den Bahngüterfernverkehr damit zu behindern. Mit Schiebe- und Zwischenlokomotiven können weit schwerere Güterzüge geführt werden und mit den automatischen Kupplungen mit elektrischer Steuer- und Kommunikationsleitung sind Zugbildung, Bremsprobe und das Bremsen selbst kein Problem mehr. Diese Innovationen würden zudem den gesamten europäischen Bahngüterverkehr konkurrenzfähig machen. Offensichtlich ist das von der europäischen und nationalen Politik nicht gewollt! Die Sonntagsreden vom "Verlagern auf die Bahn" sind leeres Geschwätz. Anstatt in dringend nötigen effizienten Bahntransport wird das Geld in Tunnel gesteckt.

maggo22
02
10.1.2012, 19:16

Automatische Kupplungen, ja ein lage gehegter Traum und fast wärs auch mal Wirklichkeit geworden, aber lieber Bahnfan, auf 16000t Züge werden wir noch lange warten können...
Daß heut zu viel gebaut und zuwenig an den Betrieb gedacht wird stimmt sicher, liegt aber wohl auch an den Fachkräften in den Entscheidungsetagen, wer kommt denn dort noch aus dem Betrieb, die Bures hat irgendwas mit Zahntechnik erlernt glaub ich. Immerhin mit Kern sehe ich endlich wieder ein wenig Licht am Horizont.

bahnfan
01
10.1.2012, 21:38
Wer rechnet, versteht den Pessimismus

bezüglich der automat. Kupplung nicht. Laut einer deutschen Studie kostet die Umrüstung ca. 8000 € pro Waggon. Wenn wir von 10000 €/Wagen ausgehen, sind das für Österreich mit ca. 30000 Wagen 300 Mio. €, für ganz Europa mit ca. 500.000 Wagen sind es 5 Mrd. €, also weniger als die Koralm-B. kostet oder etwa soviel wie der angenommene österr. Anteil am BBT. Die überragend höhere Effizienz der europäischen Kupplung kann auch der Laie feststellen. Zudem ist sie mit der Schraubenkupplung kompatibel.
Megatunnels zu bauen anstatt zuerst die Fahrzeuge zu verbessern, kommt mir etwa so vor, wie wenn man zuerst Autobahnen gebaut hätte, bevor man von Vollgummibereifung auf Luftdruckreifen umgestiegen ist.

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