Essensreste der Reichen als Heilmittel für Hautkrankheiten
10. Jänner 2012, 17:30
Anhänger niedriger Kasten wälzen sich in Essen - Religiöse Führer wollen Ritual verbieten
Sich in den Essensresten jener zu wälzen, die im indischen Kastensystem höher angesiedelt sind, hat in Karnataka, einem Teilgebiet Indiens, Tradition. 25 religiöse Führer aus der Region fordern allerdings nun die Regierung auf, das ihrer Ansicht nach diskriminierende Ritual mit dem Namen "Made Sana" abzuschaffen.
Hunderte Menschen aus niedrigen Kasten nahmen im Dezember vergangenen Jahres an dem Ritual in den Tempeln teil und erhofften sich davon eine Heilung ihrer Hautkrankheiten. Die Zeremonie verlangt, dass sich die Gläubigen auf Bananenblättern mit Essenresten hin und her wälzen. Die Essensreste stammen von Mitgliedern der im Hinduismus höchsten Kaste, den Brahmin.
Gläubige gegen Verbot
Organisationen der unteren Kaste Dalit bezeichnen die Prozedur als "unmenschlich" und inakzeptabel. Damit würde die obere Kaste versuchen, die unteren Kasten zu unterdrücken. "Wenn dieses Ritual tatsächlich Krankheiten heilen würde, müsste die Regierung eigentlich alle Krankenhäuser und medizinischen Forschungszentren schließen", sagt Panditaradhya Shivacharya Swami. "Die Menschenwürde aller muss gewahrt werden. Ein Verbot würde ein großer Fortschritt sein", ist der Aktivist Veerabhadra Channamalla Swami überzeugt.
Die praktizierenden Gläubigen stellen sich vehement gegen ein Verbot und sind der Ansicht, dass sich die Regierung in diese Belange nicht einmischen darf. Im Dezember wurde ein Aktivist von Befürwortern des Rituals verprügelt. Auch innerhalb der Regierung von Karnataka sorgt die Debatte für Streit zwischen zwei Ministern, die der Brahmin- bzw. der Dalit-Kaste angehören.
Die Diskriminierung aufgrund der Kastenzugehörigkeit ist in Indien eigentlich gesetzlich verboten. (ted/derStandard.at, 11.1.2012)
1.) Heißt das nicht „made snana“?
2.) Es stellt ein entwürdigendes Ritual dar, sich in den Essensresten anderer zu suhlen, um eine Krankheit zu heilen, obwohl sich durch den Konsum dieses Essens eine bessere Konstitution erreichen ließe und gleichsam keine Gesundung in Aussicht steht.
3.) Sollte ich mich mehr über die „Gläubigen“ empören oder über die Arroganz der sogenannten Brahmanen in Wut geraten, die ihren Abfällen heilende Wirkung zuschreiben?
De facto ist das Kastenwesen bereits seit Jahrzehnten abgeschafft, aber nein, die lieben Inder halten die "Traditionen" hoch, und noch dazu mit einem absoluten Nonsens-Brauch.
je mehr man sich mit dem indischen Kastensystem beschäftigt, desto mehr Parallelen zur Herrenmenschenideologie der Nazi erkennt man. Die Kasten sind eigentlich verschiedene ethnische Gruppen, wo die eine die andere irgendwann in der Geschichte versklavt hat und das später mit einer schwülstigen religiösen Legende verschleiert hat. Und die Tausenden Götter kommen daher, dass jede ethnische Gruppe ihre Religion mit ihren Göttern in dieses synkretistische Feudalismuskonstrukt mitgenommen hat. Weil das ganze aber als Religion aufgebaut ist und nicht wie die Nürnberger Rassengesetze, oder das Apartheidsystem als staatliches Instrument, hält es sich viel hartnäckiger und man kann dem auch juristisch nicht wirklich beikommen.
Und wenn Sie sich dann wirklich mehr mit dem indischen Kastensystem beschäftigen,
dann fällt ihnen vielleicht auf, dass sich die Gruppen in diesem System bewegen und ihre relative Position verbessern können.
So schirch es auch ist, NS-Vergleiche sind daher unangebracht. Wenn Sie schon westliche Parallelen suchen, würde sich eher das mittelalterliche Ständesystem anbieten.
Lassen Sie mich versuchen, das (grob) zu erklären: Kaste ist ein eigentlich spanisch/portugiesisch/lateinischer Begriff. Die indischen Kategorien wären
jati und varna. Varna sind die 4 sogenannten Ur-Kasten (+die avarna, Unberührbare) aus denen tausende "moderne" Kasten (jati) hervorgegangen sind. Dabei sind Kasten nicht auf Hindus beschränkt, im Endeffekt kann jede Gruppe in das System eingeordnet werde. Zudem werden Kasten werden auch über Raum und Zeit anders gelebt.
Die 4 Varnas befinden sich in einer groben hierarchischen Beziehung untereinander, die jedoch im Detail lokal zwischen den jatis viel stärker ausdifferenziert ist. Hat eine Gruppe viel (soziales, kulturelles, ökonomisches...) Kapital errungen, kann sie versuchen durch Veränderung der Riten, des Verhaltens etc. einen Aufstieg in der Hierarchie zu erzielen (oder umgekehrt absteigen in schlechten Situationen). Platz aus. :)
Ja, das Kastenwesen ist ein Problem, man darf aber nicht vergessen, dass in vielen Teilen das Kastenwesen auch mittlerweile abgelehnt wird. ich hab in den USA in einer Ivy League studiert, und dort gab es massenweise indische StudentInnen, viele von ihnen und ihre Freunde, die nicht im Ausland studiert haben, haben ueber Kastengrenzen geheiratet. Ich habe das selbst gesehen. Die wirtschaftliche Entwicklung wird Indien weiter geistlich liberalisieren, da gibt es meiner Meinung nach keinen Zweifel.
das kastensystem ist sehr viel aelter und vor allem deswegen langlebiger. im grunde ist es die normale reaktion auf ethnische diversitaet, aehnliche strukturen werden sich immer wieder herausbilden.
und entgegen dem zeitgeist koennen sie natuerlich durchaus gerecht sein
Ausserdem hast das Kastenwesen auch nichts mit dem Hinduismus zu tun, KEINE der heiligen Schriften akzeptiert das Kastenwesen in irgendeiner Weise. Das Kastenwesen war von Anfang an ein gesellschaftliches Problem.
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Und wenn Gesetzlosigkeit überhand nimmt, befällt die Frauen der Familie Verderbnis, und wenn die Frauen verderbt sind, o Varsneya, entsteht Vermischung der Kasten.
jaja, semantisch hat ja sogar schwarz und weiß was zu bedeuten was kasten (die farbe der bekleidung) betrifft...
was mir an indien so gut gefallen hat, und bevor wir uns in einen diskurs über die hinduistische theologie begeben war der reichtum an farben und an architektonischen formen. ich habe mich damals mehr für das unesco weltkulturerbe interessiert als für kasten- und theologische fragen.
und um den theologischen diskurs auch gleich wieder zu beenden (mit einem schmunzeln auf meinen lippen)
kapitel 9 (30) Wenn er mich in aufmerksamer Hingabe verehrt, kann sogar ein Mensch von sehr üblem Wandel als rechtschaffen gelten; denn er hat sich recht entschlossen.
... all das Denken und die Vernunft auf Krishna richten... (Kap. 12, Vers 8). Wichtig ist halt nur, dabei zu erkennen, dass es dabei nicht um einen emotionalen Rausch geht, der sich in kollektiven Riten entlädt :-)...
wissen sie was mir dieser tage mehr sorgen macht und ein bissl weiter links auf der weltkarte liegt?
da gibt es einerseits die bücher amos/daniel und auf der anderen seite die koransure 82, 1-20 - ich fürchte die interpreten des korans sind da nicht zimperlich und nehmen solche texte wortwörtlich (denen fehlt die phantasie für eine etwas relaxtere auslegung), wenn sie nicht gerade selber dabei nachhelfen "den weltenrichter" in gestalt der usa herbeizurufen.
eh scho wissen;
"ich bin der tod, der zerstörer der welten"
ist zwar nicht ganz richtig übersetzt, aber egal, man sollte großzügig sein mit übersetzungen...
ich frage mich warum die menschen konflikte nicht mit schachspielen lösen können, aber das ist eine naive utopie.
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