Oberstaatsanwaltschaft

"Das ist schon eine Menge zum Lesen und zum Arbeiten"

Interview | 10. Jänner 2012, 18:42
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    foto: ap/zak

    "Nein, bisher gab es keinerlei Störung, nur einen zusätzlichen Aufwand, der aber aus demokratiepolitischen Gründen selbstverständlich nötig ist."

Werner Pleischl, Leiter der Oberstaatsanwaltschaft Wien, über diverse Vorwürfe der Fraktionen im U-Ausschuss, besondere Wünsche an die Justiz und die Mühen des Einscannens

Standard: Fast zweieinhalb Monate nach Konstituierung des U-Ausschusses zu den diversen Korruptionsaffären sind noch immer nicht alle Akten von der Justiz übermittelt. Was dauert daran so lang?

Pleischl: Bisher wurden an den U-Ausschuss 21 Datenträger mit mehreren Terabyte übermittelt. Das entspricht zehntausenden Seiten. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft hat damit schon alle angeforderten Akten übermittelt, die Staatsanwaltschaft Wien und die Oberstaatsanwaltschaft Wien etwa 70 Prozent. Das ist schon eine Menge zum Lesen und zum Arbeiten.

Standard: Die Grünen kritisieren, dass das bisherige Material nicht einmal mit einem Inhaltsverzeichnis versehen wurde.

Pleischl: Da wurde aber ein besonderes Inhaltsverzeichnis gewünscht. Bedauerlicherweise ist dieser Wunsch auf dem Weg zwischen Parlament, Justizministerium und Oberstaatsanwaltschaft nicht bei uns angelangt. Wir sind bereit, die Sache zu sanieren und entsprechende Excel-Daten nachzuliefern. Der Kommunikationsfehler lag aber nicht bei uns.

Standard: Die ÖVP wiederum bezeichnet es als "inakzeptabel", dass ein großer Teil der bisher eingelangten Unterlagen als "geheim" eingestuft wurde - was das Aktenstudium für die Abgeordneten erheblich erschwert.

Pleischl: Die Staatsanwaltschaft Wien hat viele sensible Daten als "geheim" eingestuft. Nach einer neuerlichen Überprüfung kann man es aber vertreten, dass diese Unterlagen auf "vertraulich" herabgestuft werden, damit sie leichter zu bearbeiten sind. Auch das ist gerade im Gange.

Standard: Fühlt sich die Justiz bei ihren Verfahren bezüglich Telekom, Buwog und Co eigentlich vom U-Ausschuss gestört?

Pleischl: Wir haben ohnehin im Vorfeld miteinander geklärt, welche Daten nicht oder noch nicht übermittelt werden können. Also würde ich sagen: Nein, bisher gab es keinerlei Störung, nur einen zusätzlichen Aufwand, der aber aus demokratiepolitischen Gründen selbstverständlich nötig ist.

Standard: Sie können also ausschließen, dass da jemand absichtlich etwas in die Länge zieht?

Pleischl: Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich will nicht jammern, aber auch für uns ist diese Situation neu: Wir mussten zuerst Scanner besorgen. Dann sind da riesige Datenmengen zu administrieren, zu brennen - und wir haben das in diesem Umfang noch nie gemacht. Ich gehe davon aus, dass sich die betreffenden Kollegen bemüht haben.

Standard: Bis wann wollen Sie also sämtliche Akten übersandt haben, die das Untersuchungsgremium vor allem für die Zeugenbefragungen benötigt?

Pleischel: Ich bin davon überzeugt, dass bis Februar alles da sein wird. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD; Printausgabe, 11.1.2012)

WERNER PLEISCHEL (61), aufgewachsen in St. Pölten, promoviert in Wien, stieg unter Justizminister Dieter Böhmdorfer (FPÖ) zum Leiter der Oberstaatsanwaltschaft Wien auf.

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18 Postings
maus 14
00
12.1.2012, 17:25

habe nicht das gefühl , dass private oder halbprivate dienstleister effizienter unterwegs sind
schließlich wurden dienstleistungen nicht nur teurer , sondern auch servicemäßig schlechter
was ist die quintessenz volkswirtschaftlich?

maus 14
01
12.1.2012, 17:04

um terabytes zu bewerten und zu analysieren
müssten eigentlich x beamte aufgenommen werden

in welchen bereichen können guten gewissens 1000 abgebaut werden?

Peter Mueller
02
11.1.2012, 16:53

Der Dialog könnte auch aus MA2412 sein...

Klappe zu, Lindwurm tot.
01
11.1.2012, 12:55

Warum diese Alten nicht schon grundsätzlich digitalisiert werden erschließt sich mir nicht wirklich...

Prof.Dr.Tyler Durden
00
11.1.2012, 14:01
Wie man liest musste ja sogar scanner vorher angeschafft werden

Wobei ich glaube dass die in der Justiz Arbeitenden die Letzten wären die sich gegen die Anschaffung von technischer Infrastruktur aussprechen würde die auf der Höhe der Zeit ist. Das kostet halt auf ganz Österreich gesehen eine ganze Menge, wobei ich glaube dass die Summen die man hier investieren müsste eine gute Investitionen wären.

J. Reichhart
12
11.1.2012, 07:52
die justiz muss den leuten, die unter verdacht stehen

doch zeit geben, ihre schreibtische zu räumen, ihre büros von belastendem material zu leeren, ihre häuser und villen aufzuräumen und sich auf ein paar cafe mit freunden zu treffen.

so viel zeit muss sein.

Ludovico Settembrini
02
11.1.2012, 05:29
ned boese sein

aber "das ist urviel zum lesen" ist genauso eine ausrede wie "der gegner war laufstaerker".

cheap thrills
01
10.1.2012, 23:44

mir geht das mädiale abfeiern der staatsanwälte ziemlich auf den keks.

nestaman
01
10.1.2012, 22:59
inhaltsverzeichnis...

Pleischl: Da wurde aber ein besonderes Inhaltsverzeichnis gewünscht.

gute nacht österreich.... ist das blödheit oder verarsche ?
so eine aussage von einem "Leiter der Oberstaatsanwaltschaft Wien, " ??!?!?!

ich weiss nicht mehr was ich besser finden würde ...

wtf ist an "inhaltsverzeichnis" nicht zu verstehen ????

Prof.Dr.Tyler Durden
00
11.1.2012, 06:44
Inhaltsverzeichnis?

Ich vermute dass nicht ein der üblichen Aktenführung bei Gericht entsprechendes Inhaltsverzeichnis (darin findet man nämlich nur eine Auflistung der Inhalte des Akts ohne Seitenangaben)gewünscht wurde, sondern ein von diesen im Gerichtsleben üblichen ein abweichendes damit man besser suchen kann. Ein normales Inhaltsverzeichnis ist ja eh in jedem Akt enthalten und wird mitgeliefert wenn man ihn scannt.

Orjares
06
10.1.2012, 21:32
21 Terabyte für zehntausende Seiten

Das ergibt zwischen 250 MB und 1000 MB pro Seite.

Mit welcher Auflösung haben die eine A4-Seite eingescannt, 22.000 x 16.000 Pixel?

Kuldip K.
 
00
11.1.2012, 14:12
Fälschungssicherheit kostet!

Hudri Wudri
00
11.1.2012, 08:39
21 Datentraeger mit mehreren TB

... hat er gesagt.
Machts auch nicht viel besser, selbst 2 TB sind wesentlich mhr als 100K-Seiten (Geschriebenes, A4).

Alpensaga_Wurzel
02
10.1.2012, 19:35
Man hat es schon geahnt...

die österreichische Justiz ist solchen Verfahren gegenüber völlig hilflos.

J. Reichhart
01
11.1.2012, 07:54
nein, im gegenteil, sie ist sehr hilfreich

den mutmaszlichen tätern nämlich, sie gibt ihnen zeit für verdunkeln und vertuschen.

was kann man mehr erwarten von einer staatstragenden, sprich politwillfährigen justiz?

moulin rouge
01
10.1.2012, 19:33
VOR LAUTER LESEN WOMOEGLICH INS SCHWITZEN KOMMEN

Fuerchtet man sich als Oberstaatsanwalt jetzt neuerdings vor der Demokratie? Wenn's dem Oberstaatsanwalt zuviel zum Lesen wird, sollte man ihm doch aus Gruenden von "demokatriepolitscher" Ueberlegung vielleicht einen Job mit weniger Aktenrelevanz ueberlassen. Vielleicht einen, wo ihn die Demokratiepolitik nicht staendig zum uebermaessigen Lesen zwingt. Im Sinne von mehr Demokratie und mehr Akten fuer den Untersuchungsausschuss frag ich den Pendler, was denn der richtige Job fuer den Oberstaatsanwalt waere? http://www.youtube.com/user/00derpendler

Dazu folgendes:
12
10.1.2012, 20:30
Internetforen haben einen großen Nachteil

Leute die nicht sinnerfassend lesen können dürfen sich trotzdem irgendwas zusammenreimen und sich dann fùrchterlich über den selbst herbeiphantasierten Inhalt einer Aussage aufregen.

Bitte lesen sie die von Ihnen zitierte Passage einfach nochmal und überlegen Sie sich, ob Sie sie richtig verstandenen haben (kleiner Tipp: Die Antwort ist NEIN).

Hudri Wudri
00
11.1.2012, 09:17
Das ist der Fluch der Demokratie ;-)

Es liegt somit an den Denkenden, die Sinn-Armen aufzuklaeren.

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