Soziale Kooperation

Freiwillige Teilnahme macht Aufwand für Strafen günstiger

13. Jänner 2012, 13:07

Wiener Mathematiker zeigt, dass der Aufwand für Kontrolle und Strafe sinkt, wenn Teilnahme freiwillig ist

Wien - Sollen soziale Gemeinschaften funktionieren, dann braucht es Strukturen, die Trittbrettfahrer abstrafen und Kooperation belohnen. Selbst in weniger entwickelten Gesellschaften existieren derartige Institutionen, wie die Feldforschungen der US-Wirtschaftsnobelpreisträgerin Elinor Ostrom gezeigt haben. Der Mathematiker Karl Sigmund von der Universität Wien und Kollegen konnten nun nachweisen, dass man durch Freiwilligkeit den Aufwand für diese strafende Institution sehr gering halten und dennoch zu voller sozialer Kooperation kommen kann. Ihre Arbeit wurde nun in der Fachzeitschrift "PNAS" veröffentlicht.

Üblicherweise gibt es in jeder Gesellschaft sogenannte Trittbrettfahrer, die andere ausbeuten, indem sie Leistungen in Anspruch nehmen, ohne dafür einen Beitrag zu leisten. Ein einfaches Beispiel dafür ist das Benutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln ohne einen Fahrschein - eben "Trittbrettfahren".

Sigmund konnte bereits vor zwei Jahren in einer in "Nature" veröffentlichten Arbeit zeigen, dass sogenanntes "pool punishment", also die institutionelle Bestrafung von Trittbrettfahrern oder Schmarotzern, auch in einer Gesellschaft von Egoisten spontan entstehen kann. Dies geschieht vor allem durch soziales Lernen, also dem Kopieren erfolgreichen Verhaltens.

Kooperation günstig durchsetzen

In der nun veröffentlichten Arbeit von Sigmund und einer von Ulf Dieckmann geleiteten Arbeitsgruppe am Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien haben die Wissenschafter gezeigt, dass solche bestrafenden Institutionen "sehr viel effizienter arbeiten können, wenn die Teilnahme an dem gemeinschaftlichen Projekt freiwillig ist", so Sigmund. Es kann um den Faktor 10 bis 100 billiger sein, volle Kooperation durchzusetzen.

Es gehe dabei um die Frage des Institutionen-Designs: "Wie kann die strafende Institution mit einem möglichst geringen Aufwand Kooperation durchsetzen?" so Sigmund. Die Berechnungen der Mathematiker zeigen nun, dass "der Aufwand für die Bestrafung sehr viel geringer wird, wenn es für die Teilnehmer die Möglichkeit gibt, sich auszuklinken." Dadurch könne das System mit einem wirklich geringen Aufwand für die Strafe "über recht komplizierte Rückkoppelungsmechanismen zu vollständiger Kooperation gebracht werden".

Besteht dagegen die Pflicht, an dem Gemeinschaftsunternehmen teilzunehmen, werde nur eine sehr hohe Strafe dazu führen, dass wirklich die meisten Teilnehmer kooperieren. "Durch Freiwilligkeit kommt man aus der sozialen Falle heraus", so Sigmund. Interessanter Nebenaspekt: Will man Kooperation nicht durch Bestrafung, sondern durch Belohnungen erreichen, hat die Freiwilligkeit überhaupt keinen Einfluss. (APA, red)

LCD
00
14.1.2012, 10:25

Und was sagen die Spekulanten dazu?

Ulrich_Berger
10
13.1.2012, 17:35
Freiwillige ...

... TEILNAHME, nicht "Anteilnahme"!

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