Vorwurf undurchsichtiger Beziehungen zu umstrittenem Bauunternehmer
Rom - Ein erster Skandal erschüttert die Regierung des seit
November 2011 amtierenden italienischen Premiers Mario Monti.
Staatssekretär Carlo Malinconico ist am Dienstag zurückgetreten,
nachdem er wegen des Vorwurfs undurchsichtiger Beziehungen zu einem
umstrittenen Bauunternehmer ins Visier italienischer Medien geraten war.
Malinconico, der vor seinem Einstieg in die parteiunabhängige
Expertenregierung Montis von 2006 bis 2008 Generaldirektor in der Staatskanzlei von Premier Romano Prodi
war, soll 2007 und 2008 längere Urlaube in einem Luxushotel
in der Toskana verbracht haben, die angeblich von dem
skandalumwitterten Bauunternehmer Francesco Maria Piscicelli bezahlt
wurden.
Der Geschäftsmann Piscicelli und sein Freund Diego sollen
Politiker und hochrangige Beamte geschmiert haben, um Vorteile bei
der Vergabe öffentlicher Aufträge zu bekommen. Die Baugruppe Anemones
habe sich in den vergangenen Jahren zahlreiche Aufträge, etwa für
den G-8-Gipfel 2009 in der Erdbebenstadt L'Aquila, sichern können, sagten
die ermittelnden Staatsanwälte. Von der Finanzpolizei sichergestellte
Dokumente sollen belegen, dass die Gruppe gleichzeitig hochrangige
Beamte privat mit Immobilien bedachte. Der Skandal flog 2010 auf.
Malinconico reichte seinen Rücktritt nach einem Gespräch mit
Premier Monti ein. Dieser soll auf den Rücktritt gedrängt haben, bis Malinconico die gegen ihn erhobenen Vorwürfe geklärt
habe. Malinconico beteuerte seine Unschuld. Er trete zurück, um der
Glaubwürdigkeit und dem Ansehen der Regierung nicht zu schaden,
sagte er. (APA)