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An dem kleinen Grenzposten zwischen Malawi und Mosambik läuft der Grenzverkehr folgendermaßen ab: Der malawische wie auch der mosambiksche Grenzpolizist fertigen einen Zettel aus der bestätigt, dass die Person XY Staatsbürger des Landes ist und stempelt diesen ab. Auf der gegenüberliegenden Seite wird der Zettel ebenso abgestempelt, fertig. Kein Ausweis, kein Papier, einfach nur sagen: "Ich will rüber".
So einfach ist es natürlich für mich nicht! Ich muss den normalen Weg nehmen, Passkontrolle hier, Carnet de Passage abstempeln lassen, Auto Begutachtung etc. Das ganze Prozedere wird zweimal durchgeführt - und das dauert eben seine Zeit.
Neue Straßen bekommt das Land
Auch das Besorgen einer Versicherung für mein Auto für die Zeit meines Aufenthaltes erweist sich als nicht ganz einfach, da der "Versicherungsbeamte" kein Wechselgeld hat. Als ich ihm dann Dollar anbiete, da ich noch kein Geld in Landeswährung (Neuer Metical) habe, wird mir erklärt, dass ich die Dollar erst in lokale Währung wechseln müsse, er dürfe es sonst nicht annehmen. Endlich eingereist, finde ich zu meinem großen Erstaunen bald eine Tankstelle und einen Bankomaten. Beides keine Normalität in Malawi.
Nachdem ich den Versicherungsbeamten mit lokaler Währung bezahlt habe, geht es wieder auf einer Sand- und Schotterstraße mit großen Löchern und tiefen Wasserpfützen in Richtung Küste. Auch diese Straße wird es in absehbarer Zeit nicht mehr so geben, wie sie jetzt vorhanden ist. Die Regierung Mosambiks und die Europäische Union bauen gemeinsam einen Highway. Gott sei Dank baut hier die EU und nicht die Chinesen. Ich erinnere mich an die schlechte Qualität der Straßen im Nordosten Afrikas, die von den Chinesen gebaut wurden und nach fünf Jahren schon so kaputt sind, dass sie kaum befahrbar sind.
In Quelimane verbringe ich eine Nacht in einem privaten B&B. Zuerst hatte ich in einem Hotel übernachten wollen. Nachdem der Concierge mir aber die Zimmer gezeigt hatte, frug ich ihn nach einem sicheren Parkplatz. Da er leider keinen hat, bot er mir an ein paar Minuten zu warten, damit ich in einem privaten Haus unterkommen könnte - mit sicherem Parkplatz. In der früh dann die unangenehme Überraschung: Sie wollten mehr Geld als ausgemacht. Ich halte aber gut dagegen und zahle nicht mehr - ich berappe ja eh schon den Touri-Preis.
Hingebungsvoll durch den Fluss
Am schönen National Park von Gorongosa vorbei, über den weltberühmten Zambezi Fluss, auf einer nicht wirklich guten Straße voll von Löchern und Hindernissen jeglicher Art, komme ich abends in Vilanculos an. Einem Ort voll von Rucksacktouristen und einigen wenigen südafrikanischen Touristen, direkt am traumhaften Strand mit türkisem, sauberstem Wasser. Am liebsten will ich auch hier bleiben, treffe interessante Leute, wie zum Beispiel den 29jährigen Rick aus den USA, der hier Volontär ist. Er hat drei Jahre in Malawi an der Grenze zu Sambia in einem Ort gewohnt, der nur in der Trockenzeit mit dem Auto erreichbar ist. Wenn Regenzeit war, musste er mit dem Fahrrad drei Stunden zu einem Fluss fahren, dort den Fluss schwimmende durchqueren, das Rad und seine Tasche vor sich hertreibend. Vom Fluss waren es dann nochmals vier Stunden mit dem Rad. Und all das für jede Art von Einkauf; meine Herren, das ist Hingabe!
Nach dem er schon vier Mal Malaria hatte, stopft er sich - sobald er erste Anzeichen einer Infektion spürt - mit Medikamenten voll, legt sich ins Bett, fiebert zwei Tage und ist dann wieder gesund. Krass und irgendwie extrem mutig.
Ruhepause am Praia do Pomene
Ich plane zwar bis nach Tofo zu fahren, biege jedoch auf der schönen Strecke entlang der Küste nach Praia do Pomene ab. Dort ist es fast so schön wie in der Karibik, nur weißer, weicher, feinster Sand. Türkises Wasser, tolle Wellen, kaum Touristen die Lärm machen könnten, vollkommene Einsamkeit. Die Ruhe tut gut, da ich, seit dem ich aus Malawi ausgereist bin, nicht nur eine verletzte Zehe am linken Fuß habe, sondern mir auch wieder eine Magenverstimmung mitgenommen habe.
Morgens kommen die Einheimischen am Strand entlang und verkaufen Mangos, Bananen, Ananas, Papaya und frisches Brot. Ein Traum von einem Ort. Er lädt zum Bleiben ein.
Nach zwei weiteren Nächten der Ruhe geht es dann Richtung Tofo, dem Eldorado für Touristen aus Maputo. Es ist ein kleiner Ort, bekannt für seine tollen Tauchmöglichkeiten und für die Partys die dort in den Jugendherbergen, am Strand oder vereinzelt in den Clubs stattfinden.
Begegnungen in Tofo
Auch hier treffe ich interessante neue Leute. Zum Einen einen Niederländer, der seit acht Jahren durch Südafrika reist, sich vor fünf Jahren in Johannesburg niedergelassen hat und von der "Grün"-Welle der Regierung und den großen Konzernen profitiert, die Gebäude - neue wie alte - energieeffizienter machen müssen.
Zum Anderen zwei Österreicherinnen, beide studieren in Pretoria. Sie erzählen mir von den supernetten und freundlichen Südafrikanern, die sie kennen gelernt hatten. Es geht aber auch anders: Eine ihrer Erzählungen geht mir sehr nahe. Die beiden waren eingeladen, mit drei Familien einen Tag lang verschiedene Strände in der Umgebung zu erkunden. Zur großen Überraschung der jungen Frauen, fingen die Eltern schon mittags Champagner zu trinken an - und das während des Fahrens. Die jungen Frauen wurden aufgefordert, den auf der Straße stehenden Kindern Süßigkeiten und Schokolade hinzuwerfen. Sie erzählen mir, dass sie diese überhebliche Geste tief beunruhigt hat. Es kann doch nicht sein, dass man eine ganze Generation von Kindern zu Bittstellern erzieht. Auch mich hatte dieses Phänomen schon eingeholt: Sobald ich aus dem Auto aussteige, strömen die Kinder herbei und rufen "Sweets, Sweets". Ein schlimmer Zustand!
Im Feiertagsverkehr in Richtung Johannesburg
Mosambik ist ein wunderbares Land, kaum entdeckt vom Tourismus, ein Paradies für Taucher, für Überlandfahrer, Rucksackreisende und Menschen die kommen, um nicht mehr zu gehen. Ein Land wo ich unbedingt wieder hin muss. Zwei Tage später verlasse ich Mosambik in Richtung Johannesburg. Den Weihnachtsabend möchte ich dort bei meinem Onkel verbringen.
Die Straße von Tofo nach Maputo und dann weiter nach Johannesburg ist wohl die beste, die ich auf der ganzen Strecke von Alexandria gefahren bin. Einwandfrei fahre ich in 15 Stunden die verbleibenden 1100 Kilometer.
Die Kolonnen an Autos und die Menge an Unfällen die ich auf der Gegenüberliegenden Straßenseite beobachte, lassen mich erschaudern. Bisher hatte ich immer nur LKWs und Minibusse in Unfälle verwickelt gesehen, hier sind es jetzt Unfälle mit privaten Autos.

Zwischen dem 15. und dem 31. Dezember 2011 sind auf Südafrikas Straßen 1300 Menschen ums Leben gekommen. Viele bei Auffahrunfällen, wegen Trunkenheit am Steuer, weil sie Autobahnen und Schnellstraßen bei Nacht betrunken zu Fuß überquert hatten oder von einem betrunkenen Fahrer überfahren wurden. Oder weil der Fahrer die Kontrolle über sein schlecht gewartetes Auto verloren hatte, oder weil er an einer unübersichtlichen Kurve überholt hatte.
Letzte Fahrt: Kapstadt
Weihnachten verbringe ich - kaum zu glauben dass ich es tatsächlich geschafft habe - bei meinem Onkel in Johannesburg. Er ist, genauso wie ich, davon begeistert, dass ich es ohne (wirklich) gröbere Probleme nach Südafrika geschafft habe. Weder wurde ich bestohlen, noch gab es einen unlösbaren Schaden am Auto. Da er sieben Jahre die Welt in seinem Land Rover bereist hat - bis auf Australien war er auf allen Kontinenten unterwegs - weiß er wahrscheinlich wovon er spricht, wenn er sagt, dass ich wohl viel Glück und gutes Geschick bewiesen habe, diese Strecke so relativ unbeschadet befahren zu haben.
Nach wunderschönen Weihnachten beginne ich meine letzte Etappe; es geht an den Drakenbergen vorbei nach Kapstadt. Ich bin voll der Begeisterung. Ich habe es geschafft, der Weg ist nur noch kurz, die Fahrt begleitet von tollen Aussichten auf Rebstöcke, ich fahre durch dicht besiedelte Gegenden in Transkei, vorbei an tollen Stränden für Surfer in Jeffreys Bay und der so genannten "Wilderness" bis zum südlichsten Punkt Afrikas, dem Cape Agulhas. Dann endlich Kapstadt.
Am 30.Dezember 2011, gut geführt durch mein Garmin Montana Navigationsgerät, nach 73 Tagen komme ich gesund, glücklich und behaart in Kapstadt an! Ich habe ca. 110 Liter Wasser getrunken, mein Landy hat ca. 1827 Liter Diesel verbraucht und 15 Liter Öl getrunken, es sind zwei Kugellager in den vorderen beiden Reifen sowie die Mittelplatte und die beiden Kugellager im Getriebe verschlissen. Ich bin 16.182Km durch Afrika gefahren.
Ich bin gesund und munter, mein neues Leben kann beginnen.
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