Olympus will nach Bilanzbetrug Geld von Managern

10. Jänner 2012, 13:29

19 Manager werden verklagt, auch der aktuelle Chef Shuichi Takayama

Nach dem Milliarden-Bilanzbetrug bei Olympus verlangt der Kamera-Hersteller Schadenersatz vom aktuellen Konzernchef und 18 weiteren früheren und aktiven Managern. Besonders hoch ist die Forderung gegen den mutmaßlichen zentralen Drahtzieher, den langjährigen Firmenpatriarchen Tsuyoshi Kikukawa, mit 3,61 Mrd. Yen (36,9 Mio. Euro). Vom amtierenden Chef Shuichi Takayama verlangt Olympus in der Schadenersatzklage 500 Mio. Yen.

16,54 Mrd. Yen

Die am Dienstag veröffentlichten Forderungen summieren sich theoretisch zwar auf 16,54 Mrd. Yen. Doch Olympus schränkte ein, dass am Ende insgesamt von allen nur der bei Kikukawa genannte Betrag von 3,61 Mrd. Yen erwartet werde.

Das heutige Management solle zu einer außerordentlichen Aktionärsversammlung im März oder April zurücktreten, kündigte Olympus weiter an. Dabei solle aber die operative Führung des Unternehmens nicht gefährdet werden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Kyodo soll Takayama am Wochenende einen Rückzug bereits zum Monatsende angekündigt haben.

Bei Olympus wurden über Jahre mit Hilfe aufgeblähter Übernahmedeals nach heutigen Erkenntnissen Verluste von insgesamt 134,8 Mrd. Yen verschleiert. Die drei mutmaßlichen Architekten des Bilanzbetrugs - Kikukawa, der zuletzt Verwaltungsratschef war, sowie Vizepräsident Hisashi Mori und Buchprüfer Hideo Yamada - verloren bereits ihre Jobs.

Bilanzunregelmäßigkeiten auf der Spur

Der Bilanzbetrug war erst im Herbst aufgeflogen, nachdem der entlassene Chef Michael Woodford an die Presse ging. Woodford war den Bilanzunregelmäßigkeiten auf der Spur und wurde von der damaligen Konzernführung um Kikukawa entlassen. Woodford klagt seit vergangener Woche ebenfalls gegen Olympus. Auch die japanischen Behörden ermitteln gegen den Konzern. Kurz vor Weihnachten hatte es eine groß angelegte Razzia von Polizei und Staatsanwaltschaft gegeben.

Die Olympus-Aktie machte am Dienstag einen Sprung von fast 20 Prozent - weil am Markt die Hoffnung gestiegen ist, dass das Traditionsunternehmen letztlich an der Börse bleiben werde. Eine sofortige Verbannung hatte Olympus zwar Mitte Dezember mit der Vorlage aktualisierter Geschäftszahlen in letzter Minute abgewendet. Allerdings kann die Börse die Aktie immer noch vom Handel ausschließen, wenn sich zeigen sollte, dass der Bilanzbetrug sehr gravierend war. Die Aktie ist derzeit mit 1.263 Yen rund die Hälfte ihres Preises vor Ausbruch des Skandals wert. Zwischenzeitlich hatte sie mehr als 80 Prozent verloren. (APA/dpa)

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