Astronomen erstellten bislang umfangreichste kosmische Karte über die Verteilung jenes Stoffes, dessen Natur noch völlig unbekannt ist
Washington - Eigentlich ist ihre Existenz gar nicht bewiesen, über ihre genaue Natur weiß man so gut wie gar nichts. Hinweise auf diese mysteriöse Substanz gibt es dagegen viele: Hauptsächlich macht sich Dunkle Materie durch ihren gravitativen Einfluss bemerkbar, denn nach den aktuell gültigen Theorien gibt es im Universum fünf Mal mehr Dunkle Materie als sichtbare, uns bekannte Materie. Mit dem unsichtbaren Stoff erklären Kosmologen etwa, warum sich die Sterne an den Rändern einer Galaxie viel schneller bewegen, als man das aufgrund der sichtbaren Materie erwarten würde.
Nun hat ein britisch-kanadisches Forscherteam die bislang umfangreichste Karte von der Verteilung der Dunklen Materie im All erstellt.
Für ihre Karte untersuchten die Wissenschafter, wie das Licht von Galaxien auf seinem Weg
zur Erde durch die Schwerkraft der Dunklen Materie verzerrt wird. Wie die Astronomen der Universität British Columbia und der Universität
Edinburgh am Montag berichten, analysierten sie die Daten von mehr als zehn Millionen Galaxien, die bei einer fünf Jahre dauernden Himmelsdurchmusterung des Canada-France-Hawaii Telescope mit seiner 340 Megapixel-Kamera gesammelt wurden.
Komplexes Netzwerk
Das Ergebnis ist ein
"komplexes kosmisches Netz aus dunkler Materie und Galaxien", das sich über einen über eine Milliarde Lichtjahre großen Bereich erstreckt und zum
großen Teil in einer Entfernung von rund als sechs Milliarden Lichtjahren von
der Erde befindet. Die entdeckten Muster decken sich in wesentlichen Zügen mit früheren Computersimulationen über die Verteilung von Dunkler Materie.
Die Karte sehe aus wie ein "Netzwerk gigantischer dichter und leerer
Regionen", beschreiben die Forscher ihre Ergebnisse. Das Licht sei
emittiert worden, als das Universum erst halb so alt war wie heute. "Mit der
Untersuchung des Lichts aus den Weiten des Universums können wir etwas darüber
lernen, was es auf seiner Reise zu uns mitgemacht hat", sagte Catherine Heymans
von der Universität Edinburgh. (APA, red)