Berliner Schlosspark Theater

Dieter Hallervorden weist Rassismus-Vorwürfe zurück

10. Jänner 2012, 13:27

Berliner Inszenierung von "Ich bin nicht Rappaport" umstritten - Weißer Schauspieler Joachim Bliese als Schwarzer geschminkt

Berlin - Dieter Hallervorden hat Rassismus-Vorwürfe gegen die an seinem Berliner Schlosspark Theater gezeigte Inszenierung "Ich bin nicht Rappaport" zurückgewiesen. "In meiner Gedankenwelt ist absolut kein Platz für Rassismus", heißt es in einer persönlichen Erklärung des Schauspielers und Theaterleiters. An keiner Stelle und zu keinem Zeitpunkt machen sich nach den Worten von Hallervorden der Autor, der Regisseur und Hauptdarsteller Joachim Bliese über schwarze MitbürgerInnen lustig. Auf der Facebook-Seite des Theaters werfen InternetnutzerInnen Hallervorden vor, dass der weiße Schauspieler Bliese in der Inszenierung als Schwarzer geschminkt ist. Sie fühlen sich dadurch an die rassistische Schauspieltradition des "Blackface" in den USA im 19. Jahrhundert erinnert, als sich weiße SchauspielerInnen das Gesicht schwarz anmalten.

"Denken wir die Vorwürfe zu Ende: Darf Hallervorden einen Juden spielen, obwohl er kein Jude ist?", fragt Hallervorden in seiner Erklärung. "Darf Sigmar Gabriel sich für Maßnahmen gegen den Hunger in der Welt einsetzen, obwohl er über Leibesfülle verfügt??", heißt es weiter. ""Rappaport" ist seit etwa 25 Jahren auf dem Spielplan deutscher Bühnen und x-mal wurde die Rolle des schwarzen Midge von einem Weißen gespielt", erklärte Hallervorden. "Wir haben nicht etwa mutwillig nach einem Weißen für die Rolle des 80-jährigen Midge gesucht, sondern wir haben vom schauspielerischen Standpunkt aus nach der bestmöglichen Lösung gefahndet. Ein Schwarzer stand seinerzeit nach unseren Recherchen nicht zur Verfügung."

Hallervorden riet seinen KritikerInnen: "Leute, lest das Stück - dann werdet ihr erkennen, dass es glücklicherweise gar keinen Raum für Rassismus bietet! Macht euch erst mal kundig, bevor die Sicherungen durchbrennen, nur weil ihr auf einem Plakat einen Weißen seht, der schwarz geschminkt ist!" Dennoch nehme er "schweren Herzens" zur Kenntnis, dass sich, ohne dass dies je Absicht des Theaters gewesen sei, Menschen verletzt fühlen. "Wir werden auf deren Gefühle Rücksicht nehmen, indem wir uns Gedanken über eine andere Form der Werbung machen." (APA)

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10 Postings
Dr.Richard Kimble
00
11.1.2012, 12:45

"Palim, Palim!"

Wickinger
14
10.1.2012, 21:09

Gut, dass die Facebook-Nutzer und innen noch nie in der Aida waren. Oder Schenks Rosenkavalier gesehen haben. Und wie oft wird Othello mit einem dunkelhäutigen Schauspieler besetzt?!

IchbinIch5
76
10.1.2012, 21:26

Das Problem ist - in Othello geht es genau um diesen Rassismus. Gute Inszenierungen, von Zadek bis Tabori, zeigen das, auch mit den Mitteln des Blackface bei Wildgruber und Voss als Othello. Bei Hallervorden geht es wohl nicht um ein Reflektieren dieses Rassismus, sondern um ein hochnotpeinliches "Anschmieren" ohne Gedanken. Natürlich kann man fordern, das soll alles ganz normal sein, ist doch egal, wer sich im Theater wie schminkt! Aber wir leben eben nicht in der "besten aller Welten". Dinge haben Geschichte - und Blackface hat auch eine Geschichte der Entmündigung, Diffamierung und Lächerlichmachung. Wer das nicht anerkennen will, sollte sich dann nicht in ein komplexes Werk wie "Othello" verirren, dann schon besser zu Hallervorden ...

Darth Gy
03
11.1.2012, 13:38

hm, in dem stück ist eine rolle eine person mit afrikansichen wurzeln - somit also "schwarz".
nun hat man einen "weißen" schauspieler mittels "anmalen" (um es bewusst so zu nennen) in einen "schwarzen" verwandelt. die andere hauptperson gehört dem jüdischen glauben an - ist nun da nicht auch eine politisch korrekte diskussion notwendig?
irgendwie hat hier die rassismusfrage keine berechtigung, es geht um ein theaterstück, dass es die blackface-tradition gab steht ausser frage aber hier mit der rassisimus-keule zu arbeiten ist doch etwas übertrieben.

IchbinIch5
51
11.1.2012, 15:47

Hier geht es nicht um politische Korrektheit. Wie gesagt: Zadek und Tabori haben, jeweils beim "Othello", auch mit Blackface gearbeitet. Also: Grundsätzlich kann man das schon machen, klar. Aber: Bei Hallervorden ist diese Ebene gar nicht mitgedacht. Außerdem wird dann auch noch groß auf Plakaten damit geworben - und dass das nicht einfach hingenommen wird, sollte jedem klar sein, der die Blackface-Tradition kennt. Und der Rassismus-Vorwurf wurde auch durch die Antwort Hallervordens bestärkt: Wir haben eh überlegt, aber es gibt eben keine guten schwarzen Schauspieler! (Was schlichtweg Unsinn ist). Er wollte einen Weißen in der Rolle, man hat ihn angemalt, nicht nachgedacht und dann pampig reagiert - und das ist wohl Rassismus aus Dummheit.

. Diogenes
34
10.1.2012, 17:12
Und wer prangert endlich

die vielen kleinen RassistInnen an, die am 6.Jänner
als SternsingerInnen durch die Strassen laufen und sich über schwarze MitbürgerInnen lustig machen?

Kabine Zapfinger
24
10.1.2012, 15:11
Hm, da wird also ein Schauspieler

dafür kritisiert, dass er geschminkt wird.
Und dass er nicht genau derjenige ist, den er spielt.
Als nächstes wird wahrscheinlich ein Schauspieler dafür kritisiert, dass er niemanden ermordet hat, aber es dennoch wagt, einen Mörder zu spielen.

IchbinIch5
76
10.1.2012, 18:49

Wenn sie auch nur den Hauch einer Ahnung der Blackface-Geschichte hätten, könnten sie das wohl nicht so unbedarft sagen. Schwarze waren lange Zeit auf den Bühnen verboten, wenn dann doch einer auftreten sollte, schminkte man Weiße schwarz - meist zum Zweck der Lächerlichmachung, der Diffamierung. Natürlich kann man auch heute noch einen Schauspieler schwarz schminken, Zadek in seinem "Othello" ats vorgemacht - aber man muss um die Geschichte und Problematik dieses Stilmittels wissen. Aber bei Hallervorden ist das alles nicht gegeben - es ist zwar kein Rassismus aus Hass, sehr wohl aber Rassismus aus Dummheit, und das macht es nicht besser!

Sssnake
12
11.1.2012, 11:47

"Aber bei Hallervorden ist das alles nicht gegeben - es ist zwar kein Rassismus aus Hass, sehr wohl aber Rassismus aus Dummheit, und das macht es nicht besser!"

Woher weiß er das alles so genau?

IchbinIch5
51
11.1.2012, 13:18

Über die Sache an sich kann man ja diskuttieren, aber Hallervorden hat - leider oder Gott sei Dank - einen unendlich peinlichen und, wie ich finde, dummen Text zu seiner eigenen Verteidigung veröffentlicht, der alle Bedenken zerstreut. Hier hat wirklich jemand nicht den hauch einer Ahnung, in welche Tradition er sich mit seinem "Anschmieren" stellt. Daher weiß ich das ... man braucht nur lesen.

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