Indien

Streit um geplanten Rushdie-Besuch

10. Jänner 2012, 12:16

Der Autor plant Teilnahme an Literaturfest in der nordwestindischen Stadt Jaipur - Einflussreiche islamische Hochschule gegen Visa-Erteilung

Neu Delhi - Für Ärger sorgt ein geplanter Besuch von Salman Rushdie in Indien. Die einflussreiche islamische Hochschule Darul-Uloom-Deoband forderte die Regierung in Neu Delhi am Dienstag dazu auf, dem indischstämmigen Briten und Verfasser des Romans "Die satanischen Verse" die Einreise zu verweigern. Kleinere politische Parteien unterstützten die Forderung. Der Vizekanzler der Darul-Uloom-Deoband, Maulana Abul Qasim Nomani, sagte, mit dem Besuch würde "Salz in die Wunden der Muslime" gerieben. Viele Muslime lehnen Rushdies Roman als blasphemisch ab.

Der Schriftsteller will ab Ende nächster Woche an einem Literaturfest in der nordwestindischen Stadt Jaipur teilnehmen. Die Nachrichtenagentur IANS berichtete, die Organisatoren des Literaturfests hielten an ihrer Einladung für Rushdie fest.

Indien verbot als erstes Land

Der Autor, der am 19. Juni 1947 als Sohn eines wohlhabenden muslimischen Geschäftsmanns in der westindischen Metropole Bombay geboren wurde, hatte in den vergangenen Jahren immer wieder an Literatur-Veranstaltungen in Indien teilgenommen. Indien war nach Erscheinen der "Satanischen Verse" im Jahr 1988 das erste Land, das das umstrittene Werk verbot.

1989 verhängte der iranische Revolutionsführer Ayatollah Khomeini ein "Todesurteil" gegen Rushdie, weil das Buch Muslime beleidige. Der Autor lebte darauf jahrelang unter extremem Polizeischutz im Londoner und New Yorker Untergrund. Rushdie ist überzeugter Atheist. Er verbrachte seine Kindheit in Indien, bis er in den 60er Jahren nach England ging.

Muslime stellen in Indien die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft. Im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Uttar Pradesh - wo 19 Prozent der Einwohner dem Islam anhängen und auch die Darul-Uloom-Deoband ihren Sitz hat - wird im kommenden Monat gewählt. (APA)

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01
11.1.2012, 00:23

da sieht man wieder mal wie unvollständig mein bücherregal ist, ich hab zwar "die bezaubernde florentinerin" aber "die satanischen verse" fehlen (noch).

indien ist echt ein ganz ein eigenes land, als ich in mumbai war kam mir das grausen wie ich die geschichte vom tower of silence hörte.
in mamallapuram, wo ich mit lokalen steinbildhauern zusammenarbeitete, hat mich dann auch eines tages eine aufgebarte leiche mitten auf der staße etwas iritiert (die blieb da ganze drei tage liegen bis alle verwandten zur verbrennung anwesend waren).
andere länder andere sitten. und indien ist so vielfältig, dass man in jeder region andere sitten hat.
so kann man z.b. in goa öffentlich portwein trinken was in anderen regionen nicht denkbar wäre.

angelvoices
01
10.1.2012, 15:42
eine gute Gelegenheit der Welt zu zeigen

ob Indien eine Demokratie ist...

Fritz Meyer
10
10.1.2012, 15:15
In Indien...

wartet die kulturelle Bombe immer noch auf ihre Entschärfung.

Schade, dass die dortige Politik lieber Grossmacht spielen möchte, bevor sie ihre sozialen Probleme in den Griff bekommen haben.

Aber die Bevölkerung überwachen und das Internet zensieren wollen's dafür schon eifrig...

byron sully
02
10.1.2012, 14:02

erschütternd, wie rushdie von verrückten noch immer bedroht wird und um sein leben fürchten muß.

Chr. Hoc.
02
10.1.2012, 13:34
Nietzsche

Ich wohne in meinem eignen Haus,
Hab Niemandem nie nichts nachgemacht
Und — lachte noch jeden Meister aus,
Der nicht sich selber ausgelacht.

Schade, dass es offenbar kaum eine (größere) Religion gibt, die wirklich über sich selbst schmunzeln kann. Wer (glaubt, dass er) im Besitz der Wahrheit ist, hätte dabei doch am Besten lachen!

Dyrn
01
10.1.2012, 21:30

großartiges, mir unbekanntes zitat. vielen dank für die lektüre.

sterngucker
 
00
10.1.2012, 13:02
Überitis, die 387.

Man streitet *um*, nicht *über* etwas.

Annata
12
10.1.2012, 12:52
Wenn diese kindisches Verhalten der Muslime nicht

andauernd Todesopfer fordern würde und den Aufbau einer offenen und fortschrittlichen Gesellschaft bei jeden Schritt torpedieren würde, könnte man ja darüber schmunzeln.

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