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Roh und sehr rosa (aber nur dank Zusammenspiel aus Fidlers fotografischem Dilettantismus und sehr warmem, sehr schummrigem Licht): Meerestiere bei Da Conte in Mira.
Da Conte
Via Caltana, 133
Marano/Venetien
0039041479571
Zwei Gänge, zwei Gläser Wein, Wasser, Kaffee: 45 Euro

Gegenschuss: Rohes von der anderen Seite, freilich ebenfalls viel zu rosa geraten.

Baccala alla Vicentina mit Polenta: Gewiss gut in seiner Disziplin, aber halt doch nicht meins.
Saonara. Wär das nicht ein wunderbarer Ort, um sich nach einer guten, einer meist sehr guten Woche von Italien zu verabschieden, auch wenn einem das jetzt doch ein bisserl japanisch vorkommen kann? Antica Trattoria al Bosco im Veneto. Mit einer Schnecke hervorgehoben, auch das Weinvorkommen lobt Slow Food. Eine ehemalige Poststation klingt auch nett, ebenso eine "lange Gastronomietradition".
Sitzen, stehen, essen
Dafür spricht natürlich auch, was der Osteriaführer gleich eingangs verspricht: "Ein typisches Produkt der Gegend ist Pferdefleisch." Manche sitzen (oder stehen gar) lieber drauf, als es zu futtern. Ich stehe ja durchaus auf beide Möglichkeiten, man will ja flexibel bleiben. Obwohl die gerade in Deutschland geführte Debatte über "Schenkelbrand" - eine Tiermarkierung, kein Reiterleiden - nicht gerade appetitlich, ja eher nach Hautarzt klingt.
Allein: Ich war in diesem Moment schon ein paar hundert Kilometer unterwegs zurück aus dem Piemont (mehr dazu unten in der Übersicht), und trotz Stärkung durch zweimal Schwein, einmal Hase, rohes Rind, fette Kochwurst, Rauchwurst und ein bisschen Käse schon ein bisschen geschwächt. Ein paar hundert (Kilometer, nicht Gänge) lagen noch vor mir bis Wien. Also entschied ich mich doch für die meiner Strecke am nächsten liegende Schnecke.
Chicer als gewohnt
Da Conte in Mira/Marano, nicht weit von Venedig, nicht weit von der Autobahn. Hinter einer großen Siedlung von, so schien mir jedenfalls in der Dunkelheit, eher unaparten Vorstadthäusern. Und gegenüber einem etwas entrisch, jedenfalls recht verfallen wirkenden Fabrikskomplex, der schon ein paar Jahrzehnte leer zu stehen scheint. Aber in Italien hab ich ja schon die besten Wirtshäuser in den eigenwilligsten Umgebungen kennengelernt.
Dieses, durchaus proper, mit Gastgarten und innen ziemlich modernem Chic eingerichtet, schien mir schwer zum Osteriaführer zu passen. Egal: Wenn ich schon hier bin, wird auch gegessen und getrunken.
Gern hätt ich ja, es war ja noch spätherbstlich die Zeit, Gans probiert, aber die war in allen Varianten wohl gut gewesen, aber aus. Und wenn ich schon so nah an Vicenza bin, hab ich ohnehin keine Wahl, endlich einmal quasi an Ort und Stelle einen Baccala alla Vicentina zu erledigen. An namensgebender Ort und Stelle, die wenigsten Kabeljaue und Konsorten wurden hier wohl auch gefangen, würde ich schätzen. Aber vielleicht örtlich getrocknet, was weiß der Universaldilettant schon mit Bestimmtheit?
Brei artet aus
Glücklich freilich machte mich dieser Stockfisch freilich nicht. Breiig-fischige Schonkost, aber doch schonungslos mit der einen oder anderen versteckten Gräte, das ist halt doch nicht meins. Dieser vicentinische Baccala war gewiss kein schlechter seiner Art, aber ich arte dann unter diesen Bedingungen doch lieber aus.
Gut, dass man hier auch roh mit Gästen umgeht: Crudo di Pesce Scampi bis Tatar, ein großer Teller voller Freude für den Fidler, und beinahe so gut, wie ich sie einst mit Frau Amsberg in Campiello erleben durfte. Aus dieser Rohheit dürfte auch der wenig Osteriaführerkompatible Preis von 45 Euro für zwei Gänge und Wein resultieren. Noch immer geschenkt.
Dennoch: Das nächste Mal setz ich auf ein anderes Pferd und nehm mir die Zeit für den kleinen Umweg nach Saonara. Aber auch andere Orte haben schöne Gäule, wie wir in dieser kleinen Farm bald sehen werden. Bleiben Sie dran.
Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.
Die Italienische Speise 2011 verlief weniger zickzack, als die Berichte darüber online gehen. Hier ein kleiner Wegweiser der schon erschienenen Einträge in der gefahrenen Reihenfolge:
Sonntagsnudeln und die Nieren: La Torre und Il Centro in Katharina Schells Bildern
Dafür war bei Bruder Fiusch nahe Turin der Barolo plötzlich futsch
Der Fidler legt eine Piemont-Pause ein und empfiehlt Vertretungen Vignaiolo, Felicin schon weniger - und die Bibel der Osterien
Spontanitalien wie noch nie: Harald Fidler sucht und findet im Piemont neue Ziele
Die seltene Klarheit der Rübe: Harald Fidler nähert sich dem Piazza Duomo von unten
Der Wirt unfiltriert, nicht nur das Fleisch unangenehm frisch: Harald Fidlers eiskalter Einstieg ins Piemont - es kann nur besser werden
Trost der Gastronomie: Wo Priester grün würgen, die Leber grunzt und Hämorrhoiden fliehen - und was Jörg Wörther damit zu tun hat
Nicht mehr lange zur Langhe 2011 - Auf den letzten Metern im Piemont kam die Posse nicht um die Knolle herum
Satt wie selten: In Bozen macht Harald Fidler aus seinem Magen keine Löwengrube
Harald Fidler beißt auf Sardinien ins kleine Schwarze, in Seeanemonen und Schnecken - Nur den Muränen-Schweinsbraten verpasst er für Cordula
Abgeritten zu Lageder, abgefahren auf Gerstlsuppe und Kloazn: Fidler isst Bozen leer und vergisst Meran aus Liebe
Sezierkurs auf Piemontesisch: Harald Fidler bringt sich um die Ecke - Dort gibt es frittierte Amphibien und weich gekochte Esel
Butterweich in Rom: An den Iden des März ging's für Konstantin Hilberg auf hohem Niveau steil bergab
Nach zehn Jahren endlich Bollito misto - und das Ostu di Djun: Harald Fidler und Freunde widmen sich auch einmal Klassikern des Piemonts
Verona auf vier Hufen: Harald Fidler versucht's bodenständig und löffelweich, auch in einer Touristenfalle
Mit wässrigem Maul und Fernweh durchpflügt der Fidler die aktuelle Ausgabe des Osteriaführers - und hätte da noch ein paar Anregungen von Buttrio bis Willy, von GPS bis Teilsames, nebst wichtigen Fragen an Userin und User
Darth Wirt: Harald Fidler erkundet Verona donnernd - von seiner ausgesprochen rohen Seite also
Mit Ei, Fonduta, Kutteln, Kriechtieren und Leber klarer Piemont-Jahressieger, findet nicht nur Harald Fidler: La Torre in Cherasco
Wie die jüngste Schmeck's-Expedition ins Piemont doch noch ein gutes Ende fand
Die Kutteln als Hülle hätten in Briaglia vielleicht noch ein bisschen Feinwäsche vertragen, berichtet Harald Fidler
Hier entlamm zu Fidler: Gerollte Kaninchen, Nudeln mit Erdäpfeln und Lämmer aus Sambuco sind auch nach 3000 Höhenmetern ein bisserl schwer
Schöner schlafen geht im Piemont nicht, ohne ordentlich zu essen - Harald Fidler findet dazwischen den Weg über die Schlucht von Monteu Roero
Harald Fidler wundert sich bei Il Desco in Verona über die Ungerechtigkeit unter den Sternen - und besinnt sich der Osteria
Baccala a la vicentina muss wirklich nicht sein, obwoh von vielen als eine Art Initiationsritus für Italienfresser verschwörerisch angepriesen.
fett und fad, stinkt dazu nach Altfisch.Genau wie die Brandade .
Der Stockfisch ist die Rache der Normannen an den südlichen Mittelmeerländern - in fast jeder türkischen oder griechischen Grießlerei roch es früher nach dem einmaligen Gemisch aus Stockfisch, Waschpulver und einem Hauch Petroleum....
schon mal was von bearbeiten gehört?
das pferde fleisch ist in der gegend wirklich sensationell. hab dort das beste steak meines lebens gegessen, war vom fohlen. dazu ein rotwein, den sie dort nur gekühlt trinken, name entfallen. rohschinken vom pferd ebenfall ein hochgenuss!
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