Ein Stockfisch schleimt sich bei mir rein

  • Roh und sehr rosa (aber nur dank Zusammenspiel aus Fidlers fotografischem Dilettantismus und sehr warmem, sehr schummrigem Licht): Meerestiere bei Da Conte in Mira.
Da Conte Via Caltana, 133Marano/Venetien0039041479571
Zwei Gänge, zwei Gläser Wein, Wasser, Kaffee: 45 Euro
    foto: harald fidler

    Roh und sehr rosa (aber nur dank Zusammenspiel aus Fidlers fotografischem Dilettantismus und sehr warmem, sehr schummrigem Licht): Meerestiere bei Da Conte in Mira.

    Da Conte
    Via Caltana, 133
    Marano/Venetien
    0039041479571

    Zwei Gänge, zwei Gläser Wein, Wasser, Kaffee: 45 Euro

  • Gegenschuss: Rohes von der anderen Seite, freilich ebenfalls viel zu rosa geraten.
    foto: harald fidler

    Gegenschuss: Rohes von der anderen Seite, freilich ebenfalls viel zu rosa geraten.

  • Baccala alla Vicentina mit Polenta: Gewiss gut in seiner Disziplin, aber halt doch nicht meins.
    foto: harald fidler

    Baccala alla Vicentina mit Polenta: Gewiss gut in seiner Disziplin, aber halt doch nicht meins.

Harald Fidler sagt Italien in Mira fürs erste Saonara

Saonara. Wär das nicht ein wunderbarer Ort, um sich nach einer guten, einer meist sehr guten Woche von Italien zu verabschieden, auch wenn einem das jetzt doch ein bisserl japanisch vorkommen kann? Antica Trattoria al Bosco im Veneto. Mit einer Schnecke hervorgehoben, auch das Weinvorkommen lobt Slow Food. Eine ehemalige Poststation klingt auch nett, ebenso eine "lange Gastronomietradition".

Sitzen, stehen, essen

Dafür spricht natürlich auch, was der Osteriaführer gleich eingangs verspricht: "Ein typisches Produkt der Gegend ist Pferdefleisch." Manche sitzen (oder stehen gar) lieber drauf, als es zu futtern. Ich stehe ja durchaus auf beide Möglichkeiten, man will ja flexibel bleiben. Obwohl die gerade in Deutschland geführte Debatte über "Schenkelbrand" - eine Tiermarkierung, kein Reiterleiden - nicht gerade appetitlich, ja eher nach Hautarzt klingt.

Allein: Ich war in diesem Moment schon ein paar hundert Kilometer unterwegs zurück aus dem Piemont (mehr dazu unten in der Übersicht), und trotz Stärkung durch zweimal Schwein, einmal Hase, rohes Rind, fette Kochwurst, Rauchwurst und ein bisschen Käse schon ein bisschen geschwächt. Ein paar hundert (Kilometer, nicht Gänge) lagen noch vor mir bis Wien. Also entschied ich mich doch für die meiner Strecke am nächsten liegende Schnecke.

Chicer als gewohnt

Da Conte in Mira/Marano, nicht weit von Venedig, nicht weit von der Autobahn. Hinter einer großen Siedlung von, so schien mir jedenfalls in der Dunkelheit, eher unaparten Vorstadthäusern. Und gegenüber einem etwas entrisch, jedenfalls recht verfallen wirkenden Fabrikskomplex, der schon ein paar Jahrzehnte leer zu stehen scheint. Aber in Italien hab ich ja schon die besten Wirtshäuser in den eigenwilligsten Umgebungen kennengelernt.

Dieses, durchaus proper, mit Gastgarten und innen ziemlich modernem Chic eingerichtet, schien mir schwer zum Osteriaführer zu passen. Egal: Wenn ich schon hier bin, wird auch gegessen und getrunken.

Gern hätt ich ja, es war ja noch spätherbstlich die Zeit, Gans probiert, aber die war in allen Varianten wohl gut gewesen, aber aus. Und wenn ich schon so nah an Vicenza bin, hab ich ohnehin keine Wahl, endlich einmal quasi an Ort und Stelle einen Baccala alla Vicentina zu erledigen. An namensgebender Ort und Stelle, die wenigsten Kabeljaue und Konsorten wurden hier wohl auch gefangen, würde ich schätzen. Aber vielleicht örtlich getrocknet, was weiß der Universaldilettant schon mit Bestimmtheit?

Brei artet aus

Glücklich freilich machte mich dieser Stockfisch freilich nicht. Breiig-fischige Schonkost, aber doch schonungslos mit der einen oder anderen versteckten Gräte, das ist halt doch nicht meins. Dieser vicentinische Baccala war gewiss kein schlechter seiner Art, aber ich arte dann unter diesen Bedingungen doch lieber aus.

Gut, dass man hier auch roh mit Gästen umgeht: Crudo di Pesce Scampi bis Tatar, ein großer Teller voller Freude für den Fidler, und beinahe so gut, wie ich sie einst mit Frau Amsberg in Campiello erleben durfte. Aus dieser Rohheit dürfte auch der wenig Osteriaführerkompatible Preis von 45 Euro für zwei Gänge und Wein resultieren. Noch immer geschenkt.

Dennoch: Das nächste Mal setz ich auf ein anderes Pferd und nehm mir die Zeit für den kleinen Umweg nach Saonara. Aber auch andere Orte haben schöne Gäule, wie wir in dieser kleinen Farm bald sehen werden. Bleiben Sie dran.

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

Die Italienische Speise 2011 verlief weniger zickzack, als die Berichte darüber online gehen. Hier ein kleiner Wegweiser der schon erschienenen Einträge in der gefahrenen Reihenfolge:

Share if you care
8 Postings
Die Rache der Wikinger

Baccala a la vicentina muss wirklich nicht sein, obwoh von vielen als eine Art Initiationsritus für Italienfresser verschwörerisch angepriesen.
fett und fad, stinkt dazu nach Altfisch.Genau wie die Brandade .
Der Stockfisch ist die Rache der Normannen an den südlichen Mittelmeerländern - in fast jeder türkischen oder griechischen Grießlerei roch es früher nach dem einmaligen Gemisch aus Stockfisch, Waschpulver und einem Hauch Petroleum....

was soll das mit dem rosa stich der fotos?

schon mal was von bearbeiten gehört?
das pferde fleisch ist in der gegend wirklich sensationell. hab dort das beste steak meines lebens gegessen, war vom fohlen. dazu ein rotwein, den sie dort nur gekühlt trinken, name entfallen. rohschinken vom pferd ebenfall ein hochgenuss!

Ich bin für den Slowfood-Gedanken auch beim Satzbau.

Hahaha danke, der saß!

?!?

Baccalà ist doch total großartig?

Schlimm nur die Preispolitik der Norweger, so dass ich hier für das gleiche Vieh aus gleicher Produktion das vierfache zahlen muss wie in Portugal.

In Mira gabs auch das Ragnatela, existiert das noch? Das war sehr super. Schrecklich hässliches Lokal, aber tolles, innovatives Essen.

la ragnatela

gibts noch und die Kommunistenbilder hängen auch noch in der Küche ;-) ist aber nicht in mmira, sondern in einem vorort von mirano

gewaltig unappetitlicher Titel xD

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.