Sommersemester 2012

Unis sind gänzlich studiengebührenfrei

Katrin Burgstaller, 10. Jänner 2012, 11:11

Regierung lässt Reparaturfrist verstreichen - Langzeitstudenten und Drittstaatenangehörige profitieren - Unis wollen Ersatz - Minister winkt ab

Gute Nachrichten, für alle, die bisher noch Studiengebühren zahlen mussten: Für Angehörige von Drittstaaten und Studierende, die die Mindeststudiendauer schon überschritten haben, entfallen im Sommersemester 2012 an Österreichs Universitäten die Studiengebühren komplett. Zu entrichten ist somit nur noch der ÖH-Beitrag in der Höhe von 17 Euro pro Semester.

Der Verfassungsgerichtshof hatte Ende Juni 2011 die Studiengebühren-Regelung wegen zu unpräziser Bestimmungen aufgehoben und der Bundesregierung für die Reparatur eine Frist bis Ende Februar 2012 eingeräumt. Die Regierung hat die Frist untätig verstreichen lassen, denn die Zahlscheine für die Studiengebühren müssen dieser Tage verschickt werden. "Uns bleibt nun nichts anderes übrig, als im Sommersemester auf die Studiengebühren zu verzichten", heißt es aus der Universitätenkonferenz, die nach wie vor auf einen Ersatz für die ausfallenden Beiträge pocht. Bis zuletzt hatten die Unis noch die Hoffnung, dass die Studiengebührenfrage neu geregelt wird.

Unis verlieren 17 Millionen Euro im Sommersemester

"Der Wissenschaftsminister ist offenbar noch immer vom Gedanken beseelt, dass er die SPÖ umstimmen kann", heißt es von der Universitätenkonferenz. Den österreichischen Unis entgehen damit 17 Millionen Euro im kommenden Semester.

Sollte die Regierung bis zum Herbst 2012 keine Lösung anbieten, werde man die nun ausgelaufene Regelung "in eigener Verantwortung" wieder aufnehmen und die Studiengebühren nur von all jenen einheben, die auch bisher zahlen mussten.

Laut einem Gutachten des Verfassungsjuristen Heinz Mayer könnten die Unis ab März 2012 im Rahmen ihrer Autonomie Beiträge in beliebiger Höhe einheben, wenn die Regierung das Gesetz nicht repariert. Zumal auch einige Gegengutachten existieren und die Rechtslage sehr unsicher ist, werden die Universitäten nach heutigem Stand aber darauf verzichten, Studiengebühren von allen ihren Studierenden zu verlangen.

Uni Wien entgehen sieben Millionen

"Durch den Entfall der letzten Reste von Studienbeiträgen, von Langzeitstudierenden und internationalen Studierenden aus bestimmten Nicht-EU-Ländern, fehlen heuer an der Universität Wien sieben Millionen Euro", sagt deren Rektor Heinz W. Engl. "Die Universität Wien hat deshalb vor Weihnachten Nachverhandlungen zu den Leistungsvereinbarungen verlangt. Es sind erste Gespräche mit dem Ministerium vereinbart. Wir gehen von einer Einigung mit dem Ministerium aus, andernfalls wären wir gezwungen, den Rechtsweg zur Schlichtungskommission zu beschreiten."

Die Studiengebühren im Herbst in Eigenregie so wie bisher wieder einzuheben sei eine mögliche Variante, erklärt die Rektoratssprecherin der Uni Wien im Gespräch mit derStandard.at. "Eine andere Möglichkeit ist, dass uns das Wissenschaftsministerium die entgangenen Beiträge ersetzt."

ÖH droht mit Klage

"Wir begrüßen das Auslaufen der Studienbeiträge und hoffen, dass sich die Regierung endlich zum freien und offenen Hochschulzugang bekennt und dafür auch eine rechtliche Basis schafft", sagt Martin Schott vom ÖH-Vorsitzteam im Gespräch mit derStandard.at. Es sei ein taktisches Spiel des Wissenschaftsministers, die Rektorate unter Druck zu setzen und sie zu zwingen, die Studiengebühren auf einer "rechtlich schwindligen Basis" autonom einzuheben. Sollten die Unis, wie von der Universitätenkonferenz angekündigt, in Eigenregie die Studiengebühren wieder einheben, werde die ÖH klagen.

Minister lehnt Studiengebührenersatz ab

Der Minister habe von Beginn an betont, keine Reparatur vornehmen zu wollen, sondern eine sozial ausgewogene Neuregelung vorzulegen, heißt es aus dem Büro des Wissenschaftsministers Karlheinz Töchterle gegenüber derStandard.at. Er habe ein Modell mit zahlreichen sozialen Komponenten vorgelegt, die SPÖ habe eine inhaltliche Diskussionen dazu abgelehnt. Aktuell gibt es betreffend der Studiengebühren keine Gespräche mit dem Koalitionspartner, heißt es weiter. Das Ministerium werde die ausfallenden Studienbeiträge für das Sommersemester zudem nicht ersetzen. Die Leistungsvereinbarungen für die Periode 2013-2015 werden ab Frühjahr verhandelt. (Katrin Burgstaller, 10.1.2012)

Anmerkung

Fachhochschul-Erhalter sowie Privatunis können im Unterschied zu öffentlichen Unis selbst entscheiden, ob sie Studiengebühren einheben oder nicht. Derzeit verzichten die Erhalter der FH-Studiengänge Oberösterreich, Burgenland, die FH Joanneum GmbH, das Bundesministerium für Landesverteidigung, die FH Gesundheitsberufe Oberösterreich, die FH Vorarlberg sowie die Fachhochschule Kärnten auf die Einhebung von Studienbeiträgen.

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Fragen und Antworten zu Studiengebühren

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Veritas77
00
15.1.2012, 19:37
in einem aufwischen: ohne lernen und ohne studiengebühr

elegant einfach irgendwelche kurse umschreiben die man schon hat scheint auch eine alternative um sich einen der neuen akademischen titeln zu holen www.mba-studium.at

Mahnende Stimme
01
11.1.2012, 16:41
Investitionen in Bildung?

Den öffentlichen Unis fehlen im Sommersemester 17 Millionen €; im letzten Jahr wurden wieviele 1000 Millionen € aus Steuergeldern den Banken zur Verfügung gestellt? Konkurrenzfähig wird Österreich wohl kaum im Billiglohnsektor. Aber für HighTech benötigt es entsprechend gut ausgebildete Mitarbeiter. Das Geld in die Zukunftsförderung der Menschen ist wohl besser investiert, als in jeden Kilometer Autobahn, ÖBB Defizit, Kampfflugzeug, oder Förderung für EU Landwirtschaftsexporte. Und wer dennoch Studiengebühren zahlen will: Es gibt auch in Österreich jede Menge privater UNIS die nehmen euer Geld gerne.

Onkel Gans
012
11.1.2012, 15:06
Eins muss ich loswerden

ich liebe die Leute in diesem Beitrag, die Kommentare ala "na wenn das so ist und alle für mich zahlen, dann fange ich auch zum studieren an", oder "wär ich doch nur student", ... abgeben.
Was hindert euch eigentlich daran zu studieren? NICHTS!

Das einzige was euch wirklich daran hindert ist nämlich, dass ihr genau wisst, dass es doch nicht so toll ist, wie ihr das gerne hättet. Aber ich weiß schon, wenn kein "Feindbild" da ist, dann baut man sich einfach eines auf. Dass dies gerade Student_innen sind, spiegelt die bildungsfeindliche Situation in Österreich wieder. Krank

LuFi
00
11.1.2012, 12:37

Uni Innsbruck verlangt laut Onlinesystem noch immer Studiengebühren von mir im Sommersemester 2011. Die sollen mal umstellen da :D

pluralis modestatis
41
11.1.2012, 08:23
Akademiker(an)stand - eine Korrektur

Interessant und lehrreich, dass - wenns ums Geld geht - die krudesten (vorrevolutionären) Argumente hervorgekramt werden.

Die "Gesellschaft" verdankt den Reichtum der Akademikerkaste (dem Akademikerstand)

Die Welt, wie wir sie sehen:

A) DIE AKADEMIKER (Soziologen, Altphilologen, Elektrotechniker,.. halt alle zusammen)
= classe productive

B) DER REST
= classe stéril

B) verdankt A) Glück und Wohlstand

PS:
Eine kritische/soziologische Analyse dieses Topos im Kontext der aktuellen politischen Debatte und der Lebens- und Erfahrungswelt der Studierenden ist noch zu leisten.

pluralis modestatis
40
11.1.2012, 08:12
Der Akademikerstand

Der Akademikerstand
Interessant und lehrreich, dass - wenns ums Geld geht - die krudesten (vorrevolutionären) Argumente hervorgekramt werden.

Die "Gesellschaft" verdankt den Reichtum der Akademikerkaste (Akademikerstand)

Die Welt, wie wir sie sehen:

A)DIE AKADEMIKER (Soziologen, Altphilologen, Elektrotechniker,.. halt alle zusammen)
= classe productive

A)DER REST
= classe stéril

B) verdankt A) Glück und Wohlstand

i weiß, dass i nix weiß
03
11.1.2012, 01:15

Sparen, sparen, sparen aber auf der anderen Seite das Geld aus dem Fenster werfen. Alle paar Jahre ein neuer Studienplan, (damit die Studierenden noch länger studieren, wenn sie nebenbei arbeiten müssen) Sicherheitstüren, die kein Mensch braucht etc.
Das Unisystem gehört schon lange reformiert, weil es hinkt und hakt an allen Seiten, aber davon redet niemand, weil alles dreht sich nur um diese wertlosen Papierlumpen die in Wahrheit ihre Druckertinte nicht wert sind.
Zahlen statt reformieren bis nichts mehr geht, die österreichische Seele lebe hoch

blub7
96
11.1.2012, 00:45
hm...

...der standpunkt der öh ist ja, dass jede form von studiengebühren (unabhängig vom betrag) ist sozial selektiv...ich würde mal sagen, wir schaffen den öh mitgliedsbeitrag ab

getmeifyoucan
50
11.1.2012, 10:20
noch besser

gleich die öh abschaffen, weil sinnlos labernde Menschen ohne Bezug zur Realität haben wir genug in Ö siehe Politik ...

Andreas Sonnberger2
20
11.1.2012, 00:20
Pro und Contra

Pro Studiengebühren:

- Den Universitäten werden von der Regierung die Mittel gekürzt, Staat hat budgetäre Probleme
- mittels Stipendienvergabe kann man eine Umverteilung von "oben" nach "unten" erreichen
- mittels Studiengebühren schränkt man den Zustrom ausländischer Studierender ein

Contra Studiengebühren:

- weniger Studierende wären die Folge
- bei der Bildung sparen ist kontraproduktiv, mehr Bildung bedeutet mehr Wohlfahrtsgewinn
- Studierende mehr von Eltern abhängig, Finanzierungsprobleme

Irgendein Jürgen
14
11.1.2012, 03:29
mittels Stipendienvergabe kann man eine Umverteilung von "oben" nach "unten" erreichen

Leider wird von der Mitte nach Unten verteilt. Jene die viel Geld haben scheren sich einen Dreck um ein paar lächerliche hundert Euro pro Semester. Jene die wirklich nichts haben, die bekommen ein Stipendium und können einigermaßen entspannt studieren.

Jene die dazwischen liegen haben oft Pech. Die Eltern haben zwar Geld, können oder wollen dem Studenten jedoch nicht so viel geben wie er für ein Studium ohne allzuviele Entbehrungen benötigen würde. Der einzige Ausweg nennt sich Arbeit, was das Studium zusätzlich in die Länge zieht. Außerdem sollte man die volkswirtschaftlichen Auswirkungen von Studentenjobs mal untersuchen. Ein Heer von geringfügig Beschäftigten die für einen Hungerlohn arbeiten vernichtet sicher viele Vollzeitjobs.

getmeifyoucan
00
11.1.2012, 10:22
wobei die geringfügigen Jobs

auch ohne "Zutun" von Studenten immer mehr werden - das ist kein Resultat von Studentenjobs

tock tock tock
23
11.1.2012, 00:41
von "oben" nach "unten" verteilt man

- wenn überhaupt - mit Erbschaftssteuern um! Aber ned mit so Pimperl-Beträgen a la Studiengebühren.

Andreas Sonnberger2
10
11.1.2012, 01:07

Wenn das "Arbeiter-Kind" keine Studiengebühr zahlt, Kinder von Unternehmern, Ärzten und Anwälten aber schon, dann ist das eine Umverteilung von "oben" nach "unten".
Die Studiengebühr hat bis zur deren Abschaffung 2008 mehr Geld eingebracht, als die Erbschaftssteuer, die 2007 abgeschafft wurde.

Die Frage bei der Studiengebühr ist natürlich, ob man den Pro-Argumenten, oder den Contra-Argumenten mehr Gewicht schenkt.

tock tock tock
23
11.1.2012, 01:16

Da gehts um völlig lächerliche, zeitlich beschränkte Beiträge.

Nehmen wir zB einen Milliadär - zur veranschaulichung einer Milliarde: Da muss ein Mensch 1000 Jahre lang jedes Jahr eine Million € verdienen um das zu erreichen.

Und DU verteilst mit Studiengebühren von "Oben" nach "unten" um ... ist ja lächerlich!

Andreas Sonnberger2
21
11.1.2012, 01:25

Dass man auch mit vielen anderen Steuerungsinstrumenten eine Umverteilung erreichen kann, ändert nix daran, dass die Studiengebühr eine gewisse Umverteilung mit sich bringt.

tock tock tock
27
11.1.2012, 01:31

Es mag tatsächlich so dumme Leute geben, die sich das als "Umverteilung" aufs Aug drücken lassen - ich gehöre da nicht dazu.

Andreas Sonnberger2
12
11.1.2012, 01:41

Ja, weilst gegen die Einführung der Studiengebühr bist, darum willst du die Kehrseite der Medaille nicht wahrnehmen. ;-)

tock tock tock
15
11.1.2012, 01:48

Die Kinder von Reichen sollen gefälligst genauso nichts für das Studium bezahlen - dafür sollens dann beim Erben Erbschaftssteuer zahlen!

Sagen wir mal der erbt 1.000.000€, 400.000 davon sind Steuerfrei also bleiben 600.000€ zu versteuern - mit 7% wären das dann 42.000€.

Für 4 Jahre Studieren würde er 3000€ zahlen (die im übrigen ein Kind von Normalverdienern genauso
zahlen muss).

Andreas Sonnberger2
04
11.1.2012, 01:53

Die Erbschaftssteuer wird mit der ÖVP nicht zu machen sein.
Außerdem werden Super-Reiche dadurch begünstigt, dass sie ihr Geld in Privatstiftungen geparkt haben, wo keine Erbschaftssteuer anfällt.

Aber das Thema ist hier Bildung und die Studiengebühr, und nicht Erbschaftssteuer oder sonst was.

tock tock tock
01
11.1.2012, 01:56
"Die Erbschaftssteuer wird mit der ÖVP nicht zu machen sein."

Sehens - und genau deshlab lass ich mich ned mit dem "Studiengebühren sind eine Umverteilung"-Gedudel verarschen.

Andreas Sonnberger2
01
11.1.2012, 02:08

Wobei der Grundnutzen der Studiengebühr ist natürlich nicht die Umverteilung, die Umverteilung ist ein Zusatznutzen.
Der Grundnutzen ist die zur Verfügungstellung budgetärer Mittel für die Universitäten.

Mit Vermögenssteuern kann man zwar auch die Bildung finanzieren. Bloß braucht die SPÖ erstmal Vermögenssteuern, um das Budget zu sanieren.

Got Your Nose!
01
11.1.2012, 07:06

studiengebühren würden auch eher zur budgetsanierung benutzt werden. außerdem sind die beträge so gering, dass damit keine merkbare verbesserung eintreten würde, außer eben dass sorte student, die ohnehin schon kaum geld hat, von der uni vertrieben wird, bzw. gar nicht erst hingeht.

Andreas Sonnberger2
00
11.1.2012, 01:30

Die Frage der Studiengebühr muss gemäß einer besonnenen Abwägung der Für- und Wider gelöst werden.

Aber genau das ist ja bei diesem Thema schwierig, weil ideologische Aspekte zu sehr eine Rolle spielen.

Herr Ert
00
11.1.2012, 03:08

Stimmt nicht.

Das ist deswegen schwierig, weil es bereits vor Jahrzehnten passiert ist. Weil die "besonnene Abwägung" eindeutig ausgegangen ist. Und weil es eine reine Pflanz ist, dass man uns mit der Schnapsidee schon wieder und noch immer kommt!

Natürlich kann man gewisse positive Effekte einer Studiengebühr nicht vollkommen leugnen.
Aber zur Erreichung jedes einzelnen dieser Effekte gibt es weit
treffsicherere,
effizientere,
effektivere,
elegantere, schlicht adäquatere Methoden.
Stattdessen Studiengebühren zu fordern, mit all ihren zu genüge bekannten negativen Folgen, kann nur einen Grund haben: Es geht um genau diese negativen Folgen.

Offenbar ist es erwünscht, dass unser Bildungssystem ein elitäres ist.

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