Schöner Esel statt falscher Frösche

3. April 2012, 16:35
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Ach, Viola: Der Frosch war ein Seeteufel, also musste das Huftier dran glauben - es war ein richtig gutes

Fast wäre ich zwei Esel, um Rosshaaresbreite blieb ich einer. Viola war zu haben, ein Zwergesel von berückender Süße. Die Pferdefrau war außer sich und Stute, und ich konnte mich Violas Charme schon aus der Ferne kaum entziehen. Allein, Violas prospektiver Betreuer bockte. Hoffentlich hat die kleine Viola einen guten Platz gefunden. Und hoffentlich liest sie nicht diese ebenso kleine, aber umso dreckigere Kolumne.

Eine Scheibe von Violas Bruder

Doch liebe Viola, ich habe eine Art Alibi, einen Entwurf von Entschuldigung, ach was: Ich hab mir eine fette Scheibe von deinem großen Bruder schneiden lassen. Sie war wirklich, wirklich gut, und der Bruder war schon sehr tot. Dennoch habe ich einen Ausweg gesucht, glaube mir.

Es geschah in Dronero, übrigens ein ausgesprochen schnuckeliger Ort am Eingang zum mehr als spannenden Maira-Tal, das Hotel Valle Maira freilich kann ich nicht einmal allein reisenden Universaldilettanten guten Gewissens empfehlen, günstig ist es und relativ sauber, immerhin. Dein Bruder freilich, Viola, kam, abgesehen jetzt von mir, im Rosso Rubino zu liegen.

Teufel auch

Wäre der Rana, den ich da auf der Karte sah, nur tatsächlich ein Frosch gewesen, wie ich vermutete, ich hätte deinen Bruder nicht angerührt. Doch ein Rana Pescatrice, lerne ich, ist eben doch ein Coda di Rospo. Nicht, dass ich etwas gegen Seeteufel hätte. Aber wenn ich am Eingang zu einem wunderbaren Bergtal wie dem Valle Maira esse, suche ich doch lieber etwas näher Liegendes.

Zum Beispiel schon ziemlich feine Carne Cruda im Teigschälchen. Ein Tar-Trà mit Fonduta von örtlichem Käse. Einen Risotto mantecato alla Nino Bergese. Von dem hat mein Reiseführer in allerhöchsten Tönen geschwärmt.

Ich kann vor allem den Reiseführer empfehlen: "Antipasti und alte Wege" von Ursula Bauer und Jürg Frischknecht im Zürcher Rotpunktverlag. Der Risotto war mir ein bisschen zu käsig-heftig und zu (ich würde sagen: Balsamico-)süß.

Fahrstuhlmusik des Grauens

Vielleicht hatte ich mir wieder einmal von einem Lokal mit Osteriaführerschneck zu viel erwartet, aber bis zu diesem Punkt war ich ein kleines bisschen enttäuscht. Vielleicht lag's auch daran, dass mir Stunden hüfttiefer Schnee und Lawinen den Weg zum Lago Nero versperrt hatten. Vielleicht nippte ich allzu vorsichtig von Gianfranco Alessandrias gut Abgelegenem für schlanke 35 Euro (wobei ich da noch nicht wusste, dass dann das komplette Essen mit einem Glas Brut und Kaffee mit nur 33 Euro zu Buche schlagen würde). Vielleicht nervte mich die penetrante Fahrstuhlklassik, die mich am nächsten Tag im nächsten Tal wieder 1:1 nerven wird, aber das weiß ich ja in diesem Moment noch nicht, als der Hauptgang herantrabt und alles doch noch ziemlich sehr gut wird.

Ein Esel heller Freude

Stracotto d'Asino alla Barbera, und ich war wieder ziemlich versöhnt mit dem Rosso Rubino. Saftig, zart, großartig - und viel dünkler und schöner als auf meinem Foto. Dieses Andenken hat der Esel eigentlich nicht verdient.

Und dich, Viola, kann ich noch einmal beruhigen: Nie hätte man, geschweige denn ich, eine so fette Scheibe von dir schneiden können. Ein klarer Sicherheitsvorteil des Zwergesels. (Harald Fidler, derStandard.at, 3.4.2012

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

Die Italienische Speise 2011 verlief weniger zickzack, als die Berichte darüber online gehen. Hier ein kleiner Wegweiser der schon erschienenen Einträge in der gefahrenen Reihenfolge:

  • Carne Cruda, schon ganz gut.
Rosso Rubino in DroneroVier Gänge, ordentlich Wein, Wasser, Kaffee: 68 Euro.
    foto: harald fidler

    Carne Cruda, schon ganz gut.

    Rosso Rubino in Dronero
    Vier Gänge, ordentlich Wein, Wasser, Kaffee: 68 Euro.

  • Ein Küchelchen namens Tar-Trà in durchaus feiner Fonduta.
    foto: harald fidler

    Ein Küchelchen namens Tar-Trà in durchaus feiner Fonduta.

  • Etwas zu heftig, etwas zu süß: Risotto.
    foto: harald fidler

    Etwas zu heftig, etwas zu süß: Risotto.

  • Eine helle Freude (wenn auch nicht so hell wie auf diesem Bild): Stracotto vom Esel.
    foto: harald fidler

    Eine helle Freude (wenn auch nicht so hell wie auf diesem Bild): Stracotto vom Esel.

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