Volkswirte schließen eine weitere Lockerung der Zinsschraube bei der ersten Ratssitzung in diesem Jahr aus
Frankfurt - Keine Überraschungen erwartet der Markt von der ersten Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) in diesem Jahr. Nach zwei Zinssenkungen in Folge und einer beispiellosen Geldflut für Geschäftsbanken halten Volkswirte eine weitere Lockerung der Geldpolitik an diesem Donnerstag (12.1.) für fast ausgeschlossen. Die Notenbank dürfte sich jedoch alle Optionen offen halten, meinen Beobachter - auch aufgrund der Verspannungen im Bankensektor.
Banken füllen Angstkassa
Seit Wochen bunkern Banken zu vergleichsweise schlechten Konditionen Rekordsummen bei der EZB, anstatt sich gegenseitig Geld zu leihen. Die eintägigen Einlagen und Ausleihungen bei der EZB gelten als Zeichen für das Misstrauen der Institute untereinander. Kurz vor Weihnachten hatte die EZB über einen Dreijahreskredit fast 500 Mrd. Euro an Banken der Eurozone ausgereicht. Ein Großteil davon wird nun nach Experteneinschätzung wieder bei der EZB geparkt.
Zwar werden erste Forderungen laut, die EZB solle den Leitzins im Euro-Raum unter das derzeitige Rekordtief von 1,0 Prozent senken. Doch noch haben die jüngsten massiven Maßnahmen der Notenbank nicht ihre volle Wirkung entfaltet. "Für ein Stillhalten der EZB auf der Sitzung am Donnerstag spricht auch, dass die Konjunkturindikatoren für den Euroraum seit der letzten Sitzung Anfang Dezember positiv überrascht haben", schreibt die Commerzbank.
Auch die Dekabank rechnet mit einer "abwartenden Haltung des Zentralbankrates", da sich die konjunkturelle Lage zuletzt nicht wesentlich verschlechtert habe und "im Gegenteil das warme Winterwetter kurzfristig zu positiven Überraschungen führen" könne. (APA)