Alles Digital: "Wall Street Journal" startet Deutschland-Ausgabe

10. Jänner 2012, 15:37
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Die renommierte Wirtschaftszeitung versucht sich an einer hybriden Bezahlschranke

Nach Japan und China hat nun auch der deutschsprachige Raum sein eigenständiges "Wall Street Journal"-Portal mit regionalem Fokus auf Deutschland, Österreich und die Schweiz. Der Verlag Dow Jones, Teil von Rupert Murdochs News Corp., hat heute mit wallstreetjournal.de die erste rein digitale Wirtschaftszeitung in deutscher Sprache gestartet. Neben der mobiloptimierten Website werden Tablet-Ausgaben und Smartphone-Applikationen angeboten, darunter auch die Facebook-App "WSJ Social", mit der Leser Artikel favorisieren können. Alle Angebote orientieren sich sowohl optisch als auch inhaltlich am Auftritt des amerikanischen Pendants, das zuletzt die Anzahl seiner Digitalabonnenten mit 1,3 Millionen bezifferte.

Knut Engelmann, zuvor Leiter des deutschsprachigen Agenturbetriebs von Thomson Reuters, wird als Chefredakteur die journalistischen Inhalte verantworten, Ralf Drescher, derzeit noch "Teamleiter Finanzen" beim Konkurrenten handelsblatt.com, übernimmt ab März die Redaktionsleitung des integrierten Newsrooms in der Frankfurter Zentrale und Matthias Paul, Managing Director von Dow Jones Deutschland, ist als Herausgeber für das digitale Geschäft zuständig. Die letzte Entscheidungshoheit bleibt bei Robert Thomson, Editor-in-Chief von Dow Jones & Company und Managing Editor des "Wall Street Journal".

Flexible Paywall

Eine flexible Bezahlschranke wird die hybride Mischung aus Gratis- und Bezahlinhalten, die sich durch alle digitalen Angebote zieht, regulieren. Die Entscheidung über die Wertigkeit eines Artikels liegt beim Redakteur und soll nach Kriterien wie Exklusivität und Nachfrage reguliert werden. Leser, die auch zu exklusiven Beiträgen Zugang erhalten wollen, können zwischen den Abo-Modellen "Digital Plus", das alle Mobile Apps beinhaltet, und "Web Only" wählen. Beide eröffnen den Zugang zu allen internationalen "Wall Street Journal"-Seiten und dem globalen Nachrichtenarchiv. Die Monatsgebühr beträgt 12,67 Euro, für ein ganzes Jahr sind 152 Euro zu berappen.

"Es gibt weder Vorgaben noch Quoten, wie viele Inhalte bezahlpflichtig sein sollen", sagt Chefredakteur Knut Engelmann. "Ich glaube schon, dass man Breaking News eher vor die Paywall stellen würde und Analysen eher dahinter. Es wird auch vom Tagesgeschehen abhängen, wo genau wir unsere Paywall jeweils setzen werden. Und natürlich werden wir über die Zeit hinweg ein immer besseres Gefühl dafür entwickeln, was Sinn macht, da die Lesegewohnheiten im deutschsprachigen Markt sicher noch anders sind, als das in Amerika der Fall ist."

Integrierter Newsroom

Inhaltlich wird ein zehnköpfiges Kernteam auf die Aktualisierung der Website und der Social-Media-Kanäle konzentriert sein. "Wir werden versuchen, die rund hundert Journalisten bei Dow Jones, auf die wir in Deutschland Zugriff haben, zu einer integrierten Online- und Agenturredaktionen zu verzahnen und so viel wie möglich aus dem Grundteam für unsere verschiedenen Auftritte rauszuholen", erläutert Engelmann die Strategie des integrierten Newsrooms.

Neben den Agenturmeldungen der Redakteure in der Frankfurter Zentrale kann stündlich auf die Tagesproduktion von etwa 2100 internationalen "Wall Street Journal"-Korrespondenten zugegriffen werden, deren ausgewählte Artikel für den deutschen Markt übersetzt und adaptiert werden. Zusätzlich wurden bereits im Vorfeld Kooperationen mit finanzen.net und Welt Online zur Bereitstellung von Nachrichteninhalten sowie für gemeinsame Marketingmaßnahmen vereinbart.

Internationale Expansionsstrategie

"Lokalisierung und Digitalisierung bilden den Kern unserer internationalen Expansion", beleuchtet Alisa Bown, General Manager von The Wall Street Journal Digital Network, die Initiative aus globaler Perpektive. "Wir haben unser Know-how mit landessprachlichen digitalen Plattformen in China und Japan unter Beweis gestellt. Bereits 30 Prozent aller Leser, die uns digital nutzen, greifen von außerhalb der USA auf unsere Angebote zu." (tara/derStandard.at/10.1.2012)

  • Die Marketingkampagne des "Wall Street Journal Deutschland" wird bei Welt Online, Sky Deutschland und Xing zu sehen sein.
    foto: screenshot 10.01.2012

    Die Marketingkampagne des "Wall Street Journal Deutschland" wird bei Welt Online, Sky Deutschland und Xing zu sehen sein.

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