Die renommierte Wirtschaftszeitung versucht sich an einer hybriden Bezahlschranke
Nach Japan und China hat nun auch der deutschsprachige Raum sein eigenständiges "Wall Street Journal"-Portal mit regionalem Fokus auf Deutschland, Österreich und die Schweiz. Der Verlag Dow Jones, Teil von Rupert Murdochs News Corp., hat heute mit wallstreetjournal.de die erste rein digitale Wirtschaftszeitung in deutscher Sprache gestartet. Neben der mobiloptimierten Website werden Tablet-Ausgaben und Smartphone-Applikationen angeboten, darunter auch die Facebook-App "WSJ Social", mit der Leser Artikel favorisieren können. Alle Angebote orientieren sich sowohl optisch als auch inhaltlich am Auftritt des amerikanischen Pendants, das zuletzt die Anzahl seiner Digitalabonnenten mit 1,3 Millionen bezifferte.
Knut Engelmann, zuvor Leiter des deutschsprachigen Agenturbetriebs von
Thomson Reuters, wird als Chefredakteur die journalistischen Inhalte verantworten, Ralf Drescher,
derzeit noch "Teamleiter Finanzen" beim Konkurrenten handelsblatt.com,
übernimmt ab März die Redaktionsleitung des integrierten Newsrooms in
der Frankfurter Zentrale und Matthias Paul, Managing Director von
Dow Jones Deutschland, ist als Herausgeber für das digitale
Geschäft zuständig. Die
letzte Entscheidungshoheit bleibt bei Robert
Thomson, Editor-in-Chief von Dow Jones & Company und Managing Editor
des "Wall Street Journal".
Flexible Paywall
Eine flexible Bezahlschranke wird die hybride Mischung aus Gratis-
und
Bezahlinhalten, die sich durch alle digitalen Angebote zieht, regulieren.
Die Entscheidung über die Wertigkeit eines Artikels liegt beim
Redakteur und soll nach Kriterien wie Exklusivität und Nachfrage
reguliert werden. Leser, die auch zu exklusiven Beiträgen Zugang erhalten
wollen, können zwischen den Abo-Modellen "Digital Plus", das alle
Mobile Apps beinhaltet, und "Web Only" wählen. Beide eröffnen den Zugang
zu allen internationalen
"Wall Street Journal"-Seiten und dem globalen Nachrichtenarchiv. Die
Monatsgebühr beträgt 12,67 Euro, für ein ganzes Jahr sind 152 Euro zu
berappen.
"Es gibt weder Vorgaben noch Quoten, wie viele Inhalte bezahlpflichtig sein sollen", sagt Chefredakteur Knut Engelmann. "Ich glaube schon, dass man Breaking News eher vor die Paywall stellen würde und Analysen eher dahinter. Es wird auch vom Tagesgeschehen abhängen, wo genau wir unsere Paywall jeweils setzen werden. Und natürlich werden wir über die Zeit hinweg ein immer besseres Gefühl dafür entwickeln, was Sinn macht, da die Lesegewohnheiten im deutschsprachigen Markt sicher noch anders sind, als das in Amerika der Fall ist."
Integrierter Newsroom
Inhaltlich wird ein zehnköpfiges Kernteam auf die
Aktualisierung der Website und der Social-Media-Kanäle konzentriert sein. "Wir werden versuchen, die rund hundert Journalisten bei Dow Jones, auf die wir in Deutschland Zugriff haben, zu einer integrierten Online- und Agenturredaktionen zu verzahnen und so viel wie möglich aus dem Grundteam für unsere verschiedenen Auftritte rauszuholen", erläutert Engelmann die Strategie des integrierten Newsrooms.
Neben den Agenturmeldungen der Redakteure in der Frankfurter Zentrale kann stündlich auf die
Tagesproduktion von etwa 2100
internationalen "Wall Street Journal"-Korrespondenten zugegriffen
werden, deren ausgewählte Artikel für den deutschen Markt übersetzt und adaptiert
werden. Zusätzlich wurden bereits im Vorfeld Kooperationen mit
finanzen.net und Welt Online zur Bereitstellung von Nachrichteninhalten
sowie für gemeinsame Marketingmaßnahmen vereinbart.
Internationale Expansionsstrategie
"Lokalisierung und Digitalisierung bilden den Kern unserer
internationalen Expansion", beleuchtet Alisa Bown, General Manager von The Wall
Street Journal Digital Network, die Initiative aus globaler Perpektive. "Wir haben unser Know-how mit
landessprachlichen digitalen Plattformen in China und Japan unter Beweis
gestellt. Bereits 30 Prozent aller Leser, die uns digital nutzen,
greifen von außerhalb der USA auf unsere Angebote zu." (tara/derStandard.at/10.1.2012)