Krisenkränzchen

Pleitekandidaten im Visier von Merkel und Lagarde

10. Jänner 2012, 09:43

Deutsche Kanzlerin berät sich mit der IWF-Chefin, im Mittelpunkt stehen die Sorgenkinder Griechenland und Ungarn

Berlin - Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel berät am Dienstagabend mit IWF-Chefin Christine Lagarde über die Euro-Schuldenkrise. Bei dem Treffen in Berlin geht es vor allem um die drohende Staatspleite in Griechenland. Merkel setzt sich für einen Verbleib des Landes im Euroraum ein und drängt auf einen schnellen Abschluss der Umschuldungsverhandlungen mit den Banken.

Zudem dürfte es um den drohenden wirtschaftlichen Zusammenbruch Ungarns gehen, das dringend Hilfe benötigt. Eine Pressekonferenz ist nach dem Gespräch von Merkel und Lagarde nicht geplant.

Scharfe Kritik

Die FDP kritisierte Merkel indes scharf für ihren Kurs bei der Finanztransaktionssteuer. Merkel sei in eine Richtung eingeschwenkt, die die Einführung der Börsensteuer in der Eurozone vorsehe, sagte der Finanzexperte der Liberalen, Frank Schäffler, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Ich warne die Kanzlerin ausdrücklich, diesen Weg weiter zu beschreiten." Merkel müsse eine zu diesem Thema getroffene Vereinbarung mit der FDP einhalten. "Sonst müssen auch wir als FDP uns künftig nicht mehr an Absprachen halten."

"Gefahr für Europa"

Dem "Handelsblatt" sagte Schäffler laut Vorausbericht, Merkels Überlegungen seien eine Gefahr für Europa. "Die Finanztransaktionssteuer darf Europa nicht erneut spalten und Schweden und Großbritannien ausgrenzen, die dezidiert gegen diese Steuer sind."

Merkel hatte am Montag erklärt, sie sei an der Seite Frankreichs zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer ohne den wichtigsten europäischen Finanzplatz London bereit. Wenn es nicht gelinge, alle 27 EU-Länder einzubeziehen, könne sie sich auch eine Lösung nur in der Eurozone vorstellen, hatte sie nach einem Treffen mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in Berlin erklärt. Allerdings bestehe in der Regierung kein Konsens darüber.

An den Finanzmärkten wird das Treffen schon einmal recht positiv aufgenommen. Euro und Ölpreis steigen. (APA/red, derStandard.at, 10.1.2011)

Kommentar posten
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Oddo Wolf
03
10.1.2012, 20:04
Obs das bringt?

In den 90ern hab ich online über Consors mit Dot-Com-Aktien gezockt. Schon damals mußte ich um den Finanzplatz zu ändern nicht einmal aus dem Sessel aufstehen. Da genügen ein paar Mausklicks.

Folgendes könnt es bringen, birgt aber das Risiko, daß die Finanzindustrie den Völkern den Krieg erklärt:

Volkswirtschaftlich verwunderlich ist die Tatsache, daß der Staat den Privatbanken die Geldschöpfung überlässt, um die Mittel anschließend gegen Zinsen zu leihen. Diese in Folge exponentiell wachsenden Zinsen müssen die Bürger dann erarbeiten. Sinnvoller wäre es doch, die Zentralbank würde so viel Geld schöpfen, wie die Wirtschaft wächst und dieses Geld dem Staat nach strengen Vorgaben und Regeln ohne Zinsen rückzahlungfrei zur Verfügung stellen.

FranzR
01
10.1.2012, 21:06

das ist der kern des problems - und wird unter keinen umständen verändert werden.

... wenn man ein bissl drüber nachdenkt geradezu lächerlich ungerecht, diese übermässige bevorteilung privater banken durch die gewährung des rechts der geldschöpfung.

wahrscheinlich einer der grössten fehler der letzten jahrhunderte.

too small to bail
01
10.1.2012, 20:29

die finanzalchemisten haben den völkern längst den krieg erklärt.

Wolfgang Ullram
00
10.1.2012, 19:38
dazu geniessen sie diese meldung vom kurier:

Große Aufregung herrscht in Griechenland über den Umgang mit Pädophilen. Laut der Nachrichtenagentur AP soll Pädophilie demnach als staatlich anerkannte Behinderung aufscheinen. Die Regierung hat in diesem Sinne eine erweiterte Liste mit allen staatlich anerkannten Behinderungen beschlossen. Die neue Liste umfasst neben Pädophilen auch Exhibitionisten und Kleptomanen.

Der nationale Behindertenverband läuft gegen die neuen Regelungen Sturm. Der Beschluss sei "unfassbar". Pädophile könnten dadurch höhere staatliche Unterstützungsgelder erhalten als Menschen, die eine Organtransplantation hinter sich haben, so die Kritik.

na da schick ma doch gerne unser geld an die griechen! pädophile fördern! bei uns dafür sparen. ES REICHT!!!!!

taffson
00
10.1.2012, 20:01
Kleptomanen

... sie privilegieren sich auf höchster Ebene selbst. Jeder weiß was mit einem rein selbstreferentiellen System (leider) passiert. Insofern ist die Rettungsverankerung mittels Kapitalbeziehung der letzte, seidene Faden. Nach dessen Abriss erwarte ich den Einmarsch Ordans. Der wird sich über die vaterlos gewordenen Kredite mächtig freuen.

warp.faktor
02
10.1.2012, 17:13
So habe ich mir Demokratie immer vorgestellt!

Die Marionette von DB-Chef Ackermann und die Vorsitzende eines neoliberalen Think-Tanks entscheiden über die Zukunft der EU.

Die BürgerInnen dürfen nur Eines: Zahlen!

system1
01
10.1.2012, 18:44
bis vorige woche war

in allen medien immer von einem rettungsschirm die rede. inzwischen reden alle von einer woertlich brandschutzmauer. ich finde es befremdlich dass man nicht einmal weiss ob es regnet oder brennt....

Althase
01
10.1.2012, 17:43

naja - aus so einem Stoff werden Finanzdiktaturen gemacht

kurti von kuhnewald1
16
10.1.2012, 16:03
ob griechenland innerhalb oder außerhalb der euro-zone

vollkommen egal, EU-staaten und banken sind alle pleite. der euro selbst ist im eimer. was gerade passiert, ist ein kollaps in zeitlupe, ein schritt nach dem anderen, und leider unaufhaltsam. das sag ich nicht als währungsapokalyptiker sondern als nüchterner realist. die zwei sollten besser über ein stabiles und gerechtes geldsystem für die zeit danach diskutieren, als jetzt zeit sinnlos verschwenden.

warp.faktor
11
10.1.2012, 17:17
Man muss Merkel zugute halten ...

..., dass sie alles tut um eine wirkliche Problemlösung zu verhindern.

Alle ihre Ideen laufen darauf hinaus, dass Banken neue Kredite (mit saftigen Zinsen!) vergeben, die von den BürgerInnen bezahlt werden müssen.

Jürgen Rembremerding
01
10.1.2012, 17:36
und was wäre die Lösung?

Althase
01
10.1.2012, 17:46

- Finanztransaktionsteuer jetzt
- strenge Regulierung der Finanzindustrie
- Finanzierung der Staaten durch die EZB ohne Privatbankenbeteiligung
- Eurobonds
- Wirtschaftsförderungsprogramme EU-weit Umwelttechnologien, Bildung
- Lohnerhöhungen (Aufheben des Lohndumpings in D)

taffson
00
10.1.2012, 20:08
Ein bisschen langsamer geht's auch..

... durch die sanfte, unsichtbare Hand. Man richte den Blick auf die stetig fortschreitenden Entlassungen im Bankensektor. Im selben Ausmaß wie die Bilanzen eben zusammenschmelzen. Was fehlt sind Anpassungsmöglichkeiten, es gibt zu wenig Innovationen und zu wenig (neuartiger) Nachfrage. Vielleicht hilft (richtige) Bildung ein klein wenig.

Jürgen Rembremerding
00
10.1.2012, 19:04
Na ja:

>- Finanztransaktionsteuer jetzt
will das nicht die Merkelin?

>- strenge Regulierung der Finanzindustrie
Gibt ja eh eine Bankenaufsicht

>- Finanzierung der Staaten durch die EZB ohne Privatbankenbeteiligung
Faktisch passiert das eh schon, wenn die EZB Schrottanleihen kauft

>- Eurobonds
Schlecht für die Nordstaaten. Wird Merkel nicht wollen.

>- Wirtschaftsförderungsprogramme EU-weit Umwelttechnologien, Bildung
als ob es das nicht gäbe!

>- Lohnerhöhungen (Aufheben des Lohndumpings in D)
erstens nur teilweise Sache der Politik und zum anderen auch ein Tatbestand, der nur gering qualifizierte Tätigkeiten betrifft. Die dt. Industrielöhne sind nach wie vor hoch.

Andreas Prucha
00
10.1.2012, 21:07

"Faktisch passiert das eh schon, wenn die EZB Schrottanleihen kauft"

Das läuft aber nur unter Notprogramm. Merkel hat noch nicht kapiert, dass es grundsätzlich kein Fehler wäre, die Staatsfinanzierung nicht den Launen der Finanzmärkte zu überlassen und grundsätzlich kein Fehler wäre, private Anleger mit Steuergeldern zu finanzieren. Letztendlich ist die Schuldenhöhe egal - wichtig ist, dass die Zinsen bedienbar und die Gläubiger geduldig bleiben. Das ist bei der eigenen Notenbank meistens der Fall (siehe Japan)

warp.faktor
01
10.1.2012, 22:08
Stimmt nicht ganz!

Zwar kostet der Aufkauf der Schrottanleihen ähnlich viel Geld, wie die die Eurobonds, aber es bleiben weiterhin unterschiedliche Zinssätze in Euroland und damit Futter für die Spekulanten.

Eine Verlängerung der Krise, statt deren Lösung!

Was Sie vorschlagen, ist exakt die Linie von Merkel bzw. von Merkels grauer Eminenz Ackermann.

Das Ergebnis eine sich ständig vergrößernde Schuldenlast (daran verdienen die Banken) und Sparpakete bis ans Ende der Tage. "Richtig" ist diese Strategie nur, wenn man den Sozialstaat restlos zerstören will.

Richtig fände ich einen realen Zahlungsausfall zumindest in Griechenland. Es muss klar gestellt werden, dass die BürgerInnen nicht dafür zahlen, dass die Spekulanten absurde Zinssätze kassieren können.

Althase
02
10.1.2012, 19:20

Finanztransaktionssteuer - na mal abwarten
strenge Regulierung - Bankenaufsicht viel zu lasch
EZB-Finanzierung - EZB vergibt im Dezember 500Mia an Banken und nicht an Staaten
Eurobonds - das wär mal Solidarität, was Merkel will ist egal
Wirtschaftsförderung kann man viel stärker ausbauen, zB Solartechnologie Griechenland
Lohnerhöhung - ist bei Mindestlöhnen sehr wohl Aufgabe der Politik, die Lohnstückkosten im Vergleich zu Südstaaten müssen wieder steigen, damit diese wirtschaftlich überhaupt eine Chance haben

Klar, kostet Deutschland was, Deutschland hat aber auch KRÄFTIGST profitiert, der Wirtschaftskrieg innerhalb der EU muss beendet werden

Althase
00
10.1.2012, 19:22

und ganz wichtig - echte Hilfe für notleidende Staaten, nicht nur für die dort investierten deutschen Banken

Jürgen Rembremerding
00
10.1.2012, 19:33
was wäre "echte Hilfe für notleidende Staaten"?

Einfach die Rentenleistung für verstorbene Griechen künftig aus der deutschen Rentenkasse zahlen?

Mithilfe beim sommerlichen Landabfackeln (ist dieses Jahr glatt ausgefallen).

Pünktlichkeitszulage für griechische Busfahrer aus dem dt. Bundeshaushalt?

Andreas Prucha
01
10.1.2012, 21:10

Dass in Griechenland einiges im Argen liegt ist jedem bewusst. Aber die derzeitige Radikaltour kann nicht gutgehen. Die reicheren Griechen transferieren ihr Vermögen irgendwo ins Ausland und die Normalbürger kriechen am Zahnfleisch. Da sollte es zumindest mittelfristig Unterstützung für Griechenland geben, indem die anderen EU-Staaten Steuerflucht weg aus Griechenland nicht unterstützen.

Althase
00
10.1.2012, 17:07

ja, sie sollten aber besser Platz machen

th004900
 
00
10.1.2012, 14:38

Merkel setzt sich für einen Verbleib Griechenlands im Euroraum ein - gut und schön, aber was spricht dafür und was dagegen?

Oddo Wolf
02
10.1.2012, 19:20

Abgesehen davon, daß in der Geschichte des Geldes in allen Kulturen und Religionen der Zins als soziales Krebsgeschwür erkannt und zumeist ungesetzlich war (sogar in Diktaturen, zu Zeiten der Pharaonen gab es eine Regelung, die den Gläubiger nach spätestens 7 Jahren entschuldet) verweigert man Völkern wie Griechenland die Entschuldung durch den Konkurs, um ein Schuldsklavensystem über den Tod des Individuums hinaus zu etablieren.

Die Finanzindustrie erfindet die Erbsünde neu: Schuldig geboren.

Hathor36
01
10.1.2012, 14:25
Lagarde & Merkel oder doch Statler & Waldorf ;-)

Schaut ja fast aus wie Statler und Waldorf von den Muppets. Ihr wisst schon, die beiden Alten am Balkon der Muppet-Show.
Den Senf die beide Paare abgeben, ist ja auch in etwa vergleichbar ;-)

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