Deutsche Kanzlerin berät sich mit der IWF-Chefin, im Mittelpunkt stehen die Sorgenkinder Griechenland und Ungarn
Berlin - Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel berät am Dienstagabend mit IWF-Chefin Christine Lagarde über die Euro-Schuldenkrise. Bei dem Treffen in Berlin geht es vor allem um die drohende Staatspleite in Griechenland. Merkel setzt sich für einen Verbleib des Landes im Euroraum ein und drängt auf einen schnellen Abschluss der Umschuldungsverhandlungen mit den Banken.
Zudem dürfte es um den drohenden wirtschaftlichen Zusammenbruch Ungarns gehen, das dringend Hilfe benötigt. Eine Pressekonferenz ist nach dem Gespräch von Merkel und Lagarde nicht geplant.
Scharfe Kritik
Die FDP kritisierte Merkel indes scharf für ihren Kurs bei der Finanztransaktionssteuer. Merkel sei in eine Richtung eingeschwenkt, die die Einführung der Börsensteuer in der Eurozone vorsehe, sagte der Finanzexperte der Liberalen, Frank Schäffler, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Ich warne die Kanzlerin ausdrücklich, diesen Weg weiter zu beschreiten." Merkel müsse eine zu diesem Thema getroffene Vereinbarung mit der FDP einhalten. "Sonst müssen auch wir als FDP uns künftig nicht mehr an Absprachen halten."
"Gefahr für Europa"
Dem "Handelsblatt" sagte Schäffler laut Vorausbericht, Merkels Überlegungen seien eine Gefahr für Europa. "Die Finanztransaktionssteuer darf Europa nicht erneut spalten und Schweden und Großbritannien ausgrenzen, die dezidiert gegen diese Steuer sind."
Merkel hatte am Montag erklärt, sie sei an der Seite Frankreichs zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer ohne den wichtigsten europäischen Finanzplatz London bereit. Wenn es nicht gelinge, alle 27 EU-Länder einzubeziehen, könne sie sich auch eine Lösung nur in der Eurozone vorstellen, hatte sie nach einem Treffen mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in Berlin erklärt. Allerdings bestehe in der Regierung kein Konsens darüber.
An den Finanzmärkten wird das Treffen schon einmal recht positiv aufgenommen. Euro und Ölpreis steigen. (APA/red, derStandard.at, 10.1.2011)