Legebatterien

Eiertanz um illegale Käfighaltung

Verena Kainrath, 9. Jänner 2012, 19:30
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    foto: apa/helmut fohringer

    Hennen in Bodenhaltung. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch der Österreicher liegt bei 233 Eiern. Importe wandern vor allem in Teig- und Backwaren.

Konventionelle Käfighaltung ist in der EU seit heuer verboten - Zwölf Länder fluten trotzdem die Märkte mit Billigeiern

Franz Karlhuber ist von der EU enttäuscht. Wozu erlasse sie Gesetze, wenn sich dann viele nicht daran halten, seufzt er. Hart durchgreifen müsse Europa bei Eiern: "Sollen säumige Länder ihre Käfigprodukte doch selber essen."

Der Niederösterreicher ist Herr über 10.000 Legehennen. Bis 2005 lebten sie in engen Käfigen. Dann nahm er pro Huhn 30 Euro in die Hand und rüstete seinen Hof auf Bodenhaltung um. Mehr Aufwand sei es, bereut habe er es nie. Dass sich nun jedoch große Betriebe im Ausland mit der Umstellung derart lang Zeit lassen, habe er nicht erwartet. "Das ist marktstörend."

Käfigeier sind seit heuer in der EU verboten. Vor zwölf Jahren beschlossene Richtlinien sehen statt 550 Quadratzentimeter Fläche je Legehenne nunmehr 750 vor, dazu Einstreu und Sitzstangen. Österreich hat seine Ställe bereits vor drei Jahren adaptiert. Zwölf andere Länder hingegen ignorieren die Gesetzesvorgabe. Von Polen über Ungarn und Italien bis zu Frankreich und Spanien sitzen laut EU nach wie vor bis zu 100 Millionen Hühner in Legebatterien - fast ein Drittel des Gesamtbestandes - und fluten die Märkte mit Billigeiern. EU-Gesundheitskommissar John Dalli drohte zuletzt mit Vertragsverletzungsverfahren. Doch den Österreichern ist dieses Instrument zu träge.

Eierbauern fordern ein befristetes Exportverbot für jene Länder, die ihren Produzenten bisher keinen Druck machten. Von den Grünen liegt ein Antrag auf ein Importverbot für die illegalen Eier vor. Dieses wäre aus Sicht ihres Landwirtschaftssprechers Wolfgang Pirklhuber durchaus EU-konform.

Lust auf Billigware

Ein Hauptanliegen der Branche ist jedoch eine verpflichtende Produktkennzeichnung. Aus Lebensmitteln, in denen Eier verarbeitet sind, müsse die Haltungsform hervorgehen. Derzeit gleicht in Gastronomie und Industrie ein Ei dem anderen. Frischeier aus Legebatterien tragen den gleichen Code wie jene aus erlaubten, etwas größeren Käfigen. Insgesamt kauft Österreich gut ein Viertel des Eibedarfs im Ausland. Lediglich frische Eier des Lebensmittelhandels entstammen fast ausschließlich der österreichischen Hendlhaltung.

Großküchen und Lebensmittelhersteller beanspruchen gut zwei Drittel des Eiverbrauchs für sich. Containerweise wird Ei in flüssiger und trockener Form importiert - zu Preisen, mit denen kein österreichischer Bauer mithalten kann. Die Agrarmarkt Austria bietet erstmals ein Gütesiegel für Flüssigeier, das heimische Herkunft garantieren soll. Vorerst bleibt es aber ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ein österreichisches Werk für Trockeneier ist in Planung; noch werden sie freilich weiter zu Billigstpreisen weltweit importiert. China ist dafür größter Produzent.

Benjamin Guggenberger, Chef der Erzeugergemeinschaft Frischei, hält die EU für gut beraten, ihre Regeln umzusetzen: "Wir brauchen fairen Wettbewerb." Michael Wurzer von der Arbeitsgemeinschaft der Geflügelwirtschaft sieht die Lösung in der Kennzeichnung. "Das geht aber nur mit Druck."

Gastronomen und Industrielle wollen davon freilich wenig wissen. "Hier putzt man sich am schwächsten Glied der Kette ab", ärgert sich Paulus Stuller, Bundesinnungsmeister des Nahrungsmittelgewerbes. Eier unterschiedlichster Herkunft versteckten sich in Vorprodukten, diese zu kennzeichnen sei praktisch völlig unmöglich. "Wir halten nicht den Kopf hin, nur weil sich andere in der EU nicht an Gesetze halten."

Darüber hinaus fehle es an genug österreichischen Eiern, sagt Robert Ortner, Chef des Flüssigeierzeugers Pro Ovo. Er selbst verarbeite täglich eine Million Stück, die Hälfte davon müsse er importieren. Mit höheren Preisen steige auch die Produktion, sind sich Bauern einig. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Printausgabe, 10.1.2012)

Wissen:

Wo das Ei gelegt werden darf

In Österreich dürfen nur Frischeier verkauft und erzeugt werden, die aus vier Hennen-Haltungsarten stammen: Bio-Haltung (Eiercode 0) Freilandhaltung (1), Bodenhaltung (2) und aus "ausgestalteten Käfigen" (3). Weil Letzteres den gleichen Code hat wie konventionelle Käfighaltung (und laut Tierschützern nicht viel besser ist), sei es sehr schwer zu kontrollieren, dass auch tatsächlich keine Käfigeier verkauft werden, argumentiert die Branche. Auch unter Bodenhaltung fallen sehr unterschiedlich tierfreundliche Haltungsformen, trotzdem werden sie alle mit dem gleichen Code gekennzeichnet.

Die Regeln gelten für die gesamte EU - trotzdem halten sich einige Länder nicht daran. Die österreichischen Eierproduzenten verzichten seit 2009 auf die konventionelle Käfighaltung. (red)

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Posting 1 bis 25 von 88
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fuerTiere
03
11.1.2012, 13:56
am besten keine Eier essen

Egal ob Käfig- oder Bioeier: am Anfang sind die Küken, und nur die weiblichen müssen ihr kümmerliches Dasein als Legehennen fristen. Die männlichen werden, da es für die Fleischproduktion spezielle Züchtungen gibt, nicht mehr gebraucht, aussortiert und vergast oder vermust. 45 Millionen jedes Jahr alleine in Deutschland.

Staatssekretär
01
10.1.2012, 16:23
Man erkläre mir die Vorteile des freien Marktes und globalen Handels im Agrarsektor

Wenn ich Oliven oder Meeresfisch möchte, ist es wohl logisch, dass ich damit auf Weltmärkten Handel betreibe.

Was aber bringt der grenzenlose Handel mit Produkten, die ohnehin überall zu produzieren sind - bzw. innerhalb der EU gleich zu produzieren sind.

Ja, beim Hofer ists vielleicht dann ein bisschen billiger - weil die Bauern ja nur mehr von Steuergeld in Form von Subventionen leben und mit dem Weltpreisen nicht mal die Herstellungskosten gedeckt sind.

Die Qualität der Umgang mit der Natur und mit den Nutztieren leidet jedenfalls darunter.

re flexion
00
10.1.2012, 19:17
Die Vorteile des freien Marktes und globalen Handels

liegen allgemein darin, dass Produkte dort hergestellt werden, wo sie am günstigsten hergestellt werden können.

Das Problem liegt darin, dass man gewisse billige Produktionsbedingungen für Produkte nicht haben will (sei es aus Umweltschutz-, Tierrechts- oder Menschenrechtsgründen) und deshalb Richtlinien erstellt. Und um zu Verhindern, dass dennoch Produkte auf den Markt kommen die nicht unter diesen Richtliniene hergestellt wurden, muß man entweder die Produktionsrichtlinien überall durchsetzen oder zumindest im eigenen Einflußbereich den Handel von solcherart hergestellten Produkten unterbinden. Und genau das macht die EU nicht.

Weshalb sollte man aber den freien Handel für andere Produkte unterbinden?

GhostInside
11
freier Markt

Führt zu Wettbewerb. Dieser zu Lohndumping, und in weiterer Folge zu gesetzeswidrigen Vorgehensweisen wie bei der Käfighaltung.
Freier Markt bringt also rein gar nichts, und gehört unterbunden.

Mike 23
01
Wir haben ohnehin keinen freien Markt

Wir haben einen Markt, der reguliert ist durch Gesetze, Vorschriften, Subventionen, Richtlinien, etc.
Das ist auch gut so.

Der freie Markt is also laengst unterbunden.
Michael

GhostInside
00

würden sich die Unternehmen auch an die Gesetze/ Verordnungen/ Richtlinien halten, gäbe es keine Probleme, wie mit Käfigeiern.

biobert
02
10.1.2012, 16:10

...kauft die Eier einfach nicht und die Sache ist gelöst!
NUR der Konsument hat es in der Hand, aber "Billig" ist halt doch G**L!

rapidfans.at
00
13.2.2012, 16:54
ich kauf nur bio eier.

aber in vielen anderen produkten, die ebenfalls eier enthalten, sind eben diese 'importeier' drinnen.

darf ich nun praktisch keine lebensmittel kaufen, bei denen eier verarbeitet wurden?

GhostInside
00
Konsument

Wenn es nach dem Konsumenten gehen würde, würde noch das Faustrecht herrschen.
Dort wo zu erwarten ist, dass ein Konsument ethisch handelt, verschleiert die Industrie die Herkunft der Waren.

Threonin
04
10.1.2012, 17:03

Wie im Artikel schon steht, hat es der Konsument eben nicht in der Hand.

Wenn sie in einem Lokal ein Gericht mit Ei essen, oder sich im Geschäft einen Kuchen kaufen, dann können sie nicht beeinflussen, woher die Eier dafür kommen.

Um diese Bereiche aber geht es.

janeinvielleicht
14
10.1.2012, 23:58

einfach vegan werden.

Threonin
00
11.1.2012, 10:32

Vegan ist verlogen. Oder was denken sie, wie man zu monoklonalen Antikörpern kommt?

Ben Ohm
01

Medichlorianer?

janeinvielleicht
00
11.1.2012, 11:28

ich bin normalerweise echt nicht auf den kopf gefallen, aber das müssen sie mir jetzt genauer erklären.

Threonin
00
11.1.2012, 16:10

Antikörper benötigt man für eine Menge klinischer Tests und andererseits auch für verschiedene Therapien (Krepstherapie).

Antilörper werden so hergestellt (im Allgemeinen):

Ein Tier wird mit dem Antigen in Kontakt gebracht - und bildet Antikörper.

Dem tier wird die Milz entnommen und die Milzzellen mit Krebszellen zu Zelllinien "verschmolzen".

Eine der Zelllinien produziert dann die entsprechenden Antikörper (hoffentlich).

Bis das richtige Produkt gebildet wird, kann das einigen Tieren das Leben kosten.

Das war jetzt sehr vereinfacht erklärt, sollte aber für einen Überblick reichen.

janeinvielleicht
01
12.1.2012, 11:44

vielen dank für diesen einblick in die medizin, aber warum soll jetzt veganismus "verlogen" sein?

Threonin
00
12.1.2012, 15:12

Weil es dem modernen Menschen nun mal nicht möglich ist, vegan (also ohne tierische Produkte) zu leben.

Außer man verzichtet auf moderne Medizin (und Diagnose) ebenfalls. Selbst dann dürfte man verschiedene Berufe einfach nicht ausüben.

janeinvielleicht
01
14.1.2012, 23:35

dürfen, nicht dürfen...

das ganze ist der versuch so gut wie möglich leid zu verhindern. 100% gibts nicht. ich weiß ja auch nicht ob der karottentransporter nicht am weg zum bioladen eine katze überfahren hat und ich lass mich im sommer auch nicht von gelsen die adern leersaugen. "verlogen" halte ich für eine unsachliche wertung.

Threonin
00
15.1.2012, 07:58

Verlogen deshalb, weil veganer eben nicht bis zur letzten Konsequenz vegan leben. Das ist an sich kein Problem, wenn man sich allerdings beispielsweise die Ziele des VGT anschaut, dann steht dort schon, dass die eine vegane Gesellschaft wollen. Die erklären allerdings den Leuten nicht, dass damit etwa auch sehr viele moderne klinische Tests verboten würden.

janeinvielleicht
01
16.1.2012, 04:25

btw, veganerInnen sind sich in der regel schon bewusst, dass sie tierleid nicht vollkommen aus ihrem leben verbannen können - sonst könnte man ja kaum vor die tür gehen. wie bereits gesagt 100% gibts nicht, das gilt nicht nur für veganismus. verlogen ist das nicht.

janeinvielleicht
01
16.1.2012, 04:21

erstens, steht beim vgt nirgends was von einer "veganen welt". da müssens schon zur veganen gesellschaft österreich gehen ;-)
der vgt ist ein klassischer reformtierschutzverein, fordert daher eine "bessere" tierhaltung und nicht deren abschaffung.

zweitens, ist es ja nicht grad so, dass die menschheit kurz davor stünde vegan zu werden. wir sind ja auch am mond gelandet, da werden wir wohl auch irgendwann alternativen zu tierversuchen finden (vorausgesetzt man würde mal geld für die erforschung solcher methoden investieren). im moment ist das kein reales problem, solange wir noch über die anzahl der tage diskutieren die eine zuchtsau im kastenstand verbringen darf.

Rumesquieu
07
10.1.2012, 16:00
Diesem Pack, die die Gesetze nicht einhalten und, werden wir dann die nächsten Seuchen zu verdanken haben.

Komisch übrigens, dass alle sinnlosen EU-Gesetze/Verordnungen wie z.B. das Glühlampen-Verbot, die Gebäuderichtlinie, der idiotische Zwang zu Hyper-Gebäudedämmung rigoros umgesetzt werden, aber dann, wenn einmal etwas in Richtung Humanität oder Tierschutz oder Nachhaltigkeit bewegt werden soll, blockiert wird?

Nobody fucks with Hos'i Gacki
01
10.1.2012, 15:13
Gesetze, die man nicht einhalten muss?

Ist dann doch ein eher sinnloser Verein, die EU?

janeinvielleicht
00
11.1.2012, 00:01

die eu macht keine gesetze, sie erlässt richtlinien. diese werden von den einzelnen mitgliedern ratifiziert und werden so zu gesetzen. schuld sind die regierungen der besagten staaten die sich nicht an die vorgabe halten. die eu hat halt nur soviel macht wie man ihr gibt.

dasächts !!
05
10.1.2012, 14:38
der

gesetzgeber könnte ja auch mal was vernünftiges beschließen und nur noch bio-eier zum verkauf erlauben.freiwillig kauft diese leider nur eine minderheit.produzenten von käfigeiern interessiert es nicht das,die dazugehörigen hühner,ihr lebenlang auf einem Din-A4 blatt grossen platz verbringen müssen.mehr platz kostet sie mehr geld.der mensch die krone der schöpfung.

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