Niko Pelinka im Würgegriff von "Gerontokraten"?

Kommentar der anderen | Peter Huemer, 9. Jänner 2012, 18:44
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    foto: apa/roland schlager

    Alles so schön rot hier ...: Alexander Wrabetz am Tag seiner Wiederwahl als ORF-GI. - Trifft das Bild aber auch die Realität der ORF-Information? Und was hat das alles mit dem Alter von Elfriede Jelinek und Peter Weibel zu tun?

Wie sich ein Jugendforscher auf Stammtischniveau begibt und dabei das Kernproblem konsequent verfehlt: die Beschädigung der Glaubwürdigkeit des ORF durch parteipolitische Gängelung - Eine Replik von Peter Huemer

Bernhard Heinzlmaier wirft den Kritikern der Bestellung von Niko Pelinka Gehässigkeit vor. Ich habe selten einen Artikel gelesen, der so gehässig ist wie der von Heinzlmaier. Seine pauschale Behauptung, "dass in diesem Laden jeder Posten politisch besetzt wird", ist absurd. So redet der Stammtisch. Seine Behauptung, "der unabhängige Journalismus im ORF ist Illusion" von "ein paar Wichtigmachern aus dem ORF, die selbst auf Partei-Tickets in dieses Haus eingefahren sind", ist eine besondere Gemeinheit. Dieselben Redakteurinnen und Redakteure des ORF haben sich vehement in der Ära Lindner gegen politischen Druck gewehrt, als er von der ÖVP kam, und jetzt tun sie es wieder, da er von der SPÖ kommt. Wer in der Redaktion welches Parteibuch hat, ist dabei nebensächlich - etliche haben keines.

Im Fall Pelinka dagegen ist der Verdacht unabweisbar, dass das Parteibuch eine Rolle spielt. Und darum geht es: Es geht nicht um einen jungen Mann mit Ambitionen, es geht um die Glaubwürdigkeit des ORF, insbesondere seiner Information. Darum wehren sich die Redakteurinnen und Redakteure so vehement. Weil die Glaubwürdigkeit des ORF ein demokratiepolitisch kostbares Gut ist und mehr zählt als die gegenwärtigen Ambitionen von Niko Pelinka und den beiden anderen.

Das hat überhaupt nichts mit "Geronto-Politik" zu tun. Da geht es nicht um "die latente Angst einer Gruppe alt gewordener Männer und Frauen". Auch dieser Vorwurf ist nur gehässig. Gerontokratie äußert sich völlig anders: Wenn Vizekanzler Spindelegger einen generellen Aufnahmestopp im Bundesdienst vorschlägt und wenn die SPÖ geneigt ist, zuzustimmen, dann schneiden sie tausenden jungen Menschen brutal ihre Berufschancen ab. Damit will sich die Regierung mühsame Strukturreformen ersparen. Das ist Gerontokratie! Die Jungen um ihre Möglichkeiten bringen. Die Karriere von Niko Pelinka dagegen hilft zunächst niemandem außer ihm selbst. Den freien Mitarbeitern im ORF zum Beispiel, denen unsere Solidarität gelten sollte aufgrund ihrer sozialen Situation, hilft das nichts.

Mit den Standard-Beiträgen von Peter Weibel und Elfriede Jelinek muss man nicht einverstanden sein. Der von Jelinek ist für mich zu stark auf die Person Pelinka zentriert, und das Hineinziehen von Familien, wie Weibel es macht, lehne ich ab. Was hat der Politikwissenschafter Anton Pelinka mit der Karriere seines Neffen zu tun? Nichts. Aber: Elfriede Jelinek "die eigenen enttäuschten Ansprüche nach öffentlicher Anerkennung" vorzuwerfen, ist merkwürdig. Keine Anerkennung? Hallo! Nobelpreis! Ähnliches gilt für den erfolgreichen Künstler und Wissenschafter Weibel. Das sind gehässige verfehlte Behauptungen.

Es stimmt, es hat auch gegen Niko Pelinka gehässige Angriffe gegeben, die abzulehnen sind. Gleichzeitig hat aber der Sprecher des Redakteursrats im ORF Dieter Bornemann in seinem Gastkommentar im Standard ausdrücklich festgestellt: "Es geht dabei nicht um die Person Pelinka, sondern um das System. Offenbar müssen die Parteien zufriedengestellt werden, erst dann kann der ORF-Generalintendant arbeiten." In diese Richtung ging auch die Mehrzahl der Kommentare: Die Glaubwürdigkeit des ORF und seiner Information gerät durch die angekündigte Bestellung von Pelinka, Prantner und Ziegler in Gefahr.

Heinzelmaiers hämischer Zynismus, der ORF sei ohnehin nichts anderes als ein Selbstbedienungsladen der Parteien, nützt in dieser Auseinandersetzung überhaupt nichts. Und ist außerdem falsch. Ganz nebenbei: Ich habe fast elf Jahre lang den Club 2 geleitet, hatte unzählige Streitereien mit intervenierenden Parteien und war selbst bei keiner Partei. Das hat mir beim Streiten genützt. Und daran hat sich nichts geändert: Die Parteien intervenieren, die Redaktionen wehren sich. Der Generaldirektor hat die Aufgabe, der Redaktion dabei zu helfen. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.1.2012)

PETER HUEMER (Jg. 1941), Historiker und Publizist in Wien, war 2006 einer der Proponenten der Protest-Initiative "SOS ORF". 

Zum Thema

Bernhard Heinzlmaier: Die Angst der Alten vor den jungen Aufsteigern

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 111
1 2 3
rari
11
11.1.2012, 22:35
Der letzte Ostblockstaat ?

Noch zur Zeit des Eisernen Vorhangs gab es eine Europakarte vom CIA auf dem Österreich als Teil des Ostblocks eingezeichnet war. Begründung: mächtige Verbände bestimmen das Leben in diesem Lande. Abgesehen von der Unfähigkeit mancher Amerikaner zwischen Austria und Australia zu unterscheiden, bleibt vielleicht doch ein Fünkchen Wahrheit übrig. Daß das Fass aber jetzt erst zum Überlaufen kommt, wenn die SPÖ ihre Posten im ORF z.B. besetzt, ist vielleicht doch einer österreichischen "Teaparty" zuzuschreiben, die sich immer bemüht unter der Gürtelllinie mit viel Geld und Unsachlichkeit das Land solange zu destabilisieren, bis wir auch ungarische Verhältnisse haben.

a las barricadas
12
10.1.2012, 18:45
tja - so ein pech

gut, in österreich gibt es eine ganz spezifische form der mediendemokratie - die regierung kauft sich hofberichtserstattung bei den printmedien, beim orf interveniert man. und das ganze ist ein geschlossenes system, in dem die diversen pöstchen - versehen mit macht und "an guatn göld" - feudal vergeben werden, dem networking entsprechend. yo - seitdem einer von diesen, niko pelinka, einfach zu ehrgeizig war, ohne dass ihm grenzen gesetzt wurde, ist feuer am dach des geschlossenen system mediendemokratie. und die, die drinnen sitzen kommen mit der gäußerten kritik nicht klar, denn das ist aus ihrer sicht die in frage stellung eines göttlichen vorrechts, denn dort wo es bis dato keinen richter gab, gab es goldene herzen.

Dramaqueen
00
10.1.2012, 18:42
Zum letzten Satz GRÜN

cheap thrills
10
10.1.2012, 18:30
who the f*** is heinzelmaier?

dhl
14
10.1.2012, 18:02
Woher diese Milde, Herr Huemer?

Wurden Sie nicht zu Schüssels Zeiten abserviert?

Trotz vieler guter MitarbeiterInnen, vor allem bei Ö1: Mir fehlt jemand wie Sie.
Nach wie vor.

sociovation
01
10.1.2012, 18:24
"Im Gespräch"

Michael Kerbler interviewt Peter Huemer - das wär was...

sociovation
01
10.1.2012, 17:49
Wer die Glaubwürdigkeit der ORF-Information testen will,

braucht nur Berichte über dieselben Ereignisse im ORF und in ARD bzw. ZDF vergleichen.
Dagegen ist der Klasseunterschied im Fußball eine unbedeutende Nuance...

Ent-täuscher
02
10.1.2012, 16:33
Wrabetz argumentiert mit seinem persönl. Vertrauen

Kann dieses Vertrauen Qualifikationen ersetzen? Privaten Unternehmern sei das zugestanden, sie haften ja mit ihrem Vermögen. Wrabetz aber richtet einen Scherbenhaufen an, putzt sich ab und kassiert dann noch eine fette Pension dafür, dass er ein Unternehmen zugrunde gerichtet hat.
Ein Lehrbeispiel, wohin SPÖ-Politik führte (Beispiele aus d. Vergangenheit gibts ja zuhauf) und führt, wenn Kleingeister am Werk sind.

Peter Hammer 06
00
11.1.2012, 08:18
Der kleingeistige Mann.....

...wurde erst vor kurzer Zeit durch 29(!!!) von 35 Kuratoren gewählt. Ich wusste bisher nicht, dass es im ORF- Kuratorium soviel das Unternehmen zugrunde richtende " SPÖ-Kleingeister" gibt, danke Sie haben mir die verpickten Augen geöffnet.

RFD
00
21.1.2012, 18:04
Wer, ausser Parteisoldaten, sitzt den im Kuratorium?

Das wird doch schon vorher ausgemacht.
"Ihr bekommt den Wrabetz, dafür bekommen wir den XY. OK, wir sind uns einig. Jeder weiß was er bei der Wahl zu machen hat."
Da wundert es ja, dass es nicht 100% Zustimmung gegeben hat.

leser 4712
06
10.1.2012, 16:13
ein bissi darf's auch

gegen die person "niko pelinka" gehen - unterstellt man, dass er weiß, was er tut...

und immerhin nutzt er "die chance der stunde" und übernimmt den schiebeposten. wer sich "freiwillig" in sch*e schmeißt, der stinkt eben auch danach und muss ertragen, wenn leute ihre nase rümpfen..

KUL
013
10.1.2012, 16:09
Abgesehen davon,

welchen Eindruck müssen hochqualifizierte Universitätsabsolventen, die sich oft vergeblich um schlecht bezahlte Jobs anstellen, von der Gesellschaft und besonders von der SPÖ gewinnen, wenn so einem Parteigünstling - und dieses Prädikat lässt sich wohl nicht bestreiten - die hochbezahlten Posten (zuerst ÖBB, jetzt ORF) so zugeschanzt werden. Darüber sollte die SPÖ dringend nachdenken. Frau Rudas, welcher junge Mensch soll diese Partei noch wählen?

MacTux
11
10.1.2012, 16:06
privatisierung jetzt

dann können sie bestellen wen sie wollen

so aber wird der orf immer ein spielball der politik bleiben

MacTux
00
10.1.2012, 16:06
privatisierung jetzt

dann können sie bestellen wen sie wollen

so aber wird der orf immer ein spielball der politik bleiben

Mops
00
10.1.2012, 17:16

Die Privatisierungen haben nur zu einer Verstärkung der Freunderlwirtschaft geführt und nicht zu einer Abschwächung

Ö-Norm
01
10.1.2012, 15:48
Huemers Kritik ist gut und berechtigt! Der ORF muss vom Würgegriff aller Parteien befreit werden. JournalistInnen müssen frei von Repressionen berichten können.

Zensur, Auslassungen und Tabuzonenzeigen sich in den Medien allg. am deutlichsten in vernachlässigten sozialstaatlichen Bereichen: Arbeitsmarktsystem, Sozialversicherungen, Gesundheitswesen, I-Pension, Armut, Verteilungsungerechtigkeit/Privilegien, Korruption/Lobbyismus, Kontrollversagen der Verwaltung, usw.
Genau dort, wo nur harsche Sozialkritik und Dialog mit der betroffenen Bevölkerung selbst zu den dringend benötigten Reformen führen kann und die Diskrepanz der harten Wirklichkeit zur Scheinwelt ignoranter Schönredner ein gefährliches Pulverfass werden muss. Mit jeder rechtswidrigen Bezugssperre arbeitsloser Jugendlicher geht sich Schwarz-Blau besser aus! SPÖ und ORF sollten ihrer sozialen Verantwortung endlich ernsthaft nachkommen!

Ramsay Bolton
04
10.1.2012, 15:16

Sehr guter Kommentar, freut mich sowas zu lesen.

Werner Stadlmann
34
10.1.2012, 14:38
Ende des Theaters

Allen Widerwärtigkeiten des ORF sollte schleunigst ein Ende bereitet werden: PRIVATISIEREN!
Die Zeiten eines Staatsrundfunks sind endgültig vorbei.
Der ORF gehört an ECHTE Privatleute verkauft, meinetwegen an Murdoch. Der würde mit allen diesen Politpfründnern aufräumen und die derzeit durch Beitragszahlungen veräppelten Bürger könnten aufatmen.
Niemand will diesen abstoßenden Komödiantenstadel mehr durch sein Geld (Steuergeld, Beiträge) länger mittragen.
also: PRIVATISIEREN!!!!!!

übrigens1
13
10.1.2012, 16:40
Staatsfunk

Trotz aller Skandale macht der ORF noch das beste und wohl auch das informativ bessere Programm. Vor allem wenn man an Ö1 denkt.
D.h. Privatisieren scheint auch hier (so wie m.E. auch bei Bahn und Strom) nicht der beste Weg zu sein.

byron sully
016
10.1.2012, 14:29

vielen dank für diesen ausgezeichneten kommentar! heinzlmaier hat so getan, als würde er durch die jugend-brille schreiben, in wirklichkeit schrieb er seinen kommentar durch die spö-brille.

hm tata
08
10.1.2012, 14:25
ein 25-jähriger wird büroleiter?

ohne je auch nur eine sekunde als assistent oder stellvertreter eines büroleiters gearbeitet zu haben?
kein personalberater würde herrn pelinka als für diesen job geeignet in die engere auswahl nehmen mangels entsprechender berufserfahrung, unabhängig davon wie intelligent oder auffassungsschnell herr pelinka sein mag.
herr faymann hat im gestrigen zib2-interview mit armin wolf gebetsmühlenartig betont, es sei einzig herrn wrabetz's angelegenheit, wen er sich als büroleiter aussucht.
das würde für ein privates unternehmen zutreffen, dort kann der chef tatsächlich nehmen wen er will, der orf ist aber kein solches, daher hätte ein objektives auswahlverfahren mit objektiven anforderungskriterien abgewickelt werden müssen.

Dr. Muffel
01
10.1.2012, 13:39
Ob ein 41-jähriger "Jugendforscher"

auch sowas wie eine, Zitat "Angst der Alten vor den jungen Aufsteigern" haben kann ? Und wenn ja, ob er dann schon ab und an mal projiziert ? Wer weiß...

Dr. Muffel
00
10.1.2012, 13:58
Korrektur: "51-jähriger" ...

und baldig 52-jähriger (trotzdem alles Gute...)

Hairy Tongue
07
10.1.2012, 13:23
ad "gegen das hineinziehen von familien" in die debatte:

wer soll glauben, dass jung-pelinka heute dort wäre, wo er ist, wenn er nicht sohn und neffe von ... wäre?

snakeskin10
09
10.1.2012, 14:02
Die Familie mit hineinziehen

Dazu braucht es keiner Kommentatoren. Das tun die Pelinkas schon selber. In News:
Papa Herausgeber verkündet stolz, wie selbstständig sein Sohn schon seit dem 18. Lebensjahr ist.
Zwei Kommentatoren attakieren die Kritiker von Niko Pelinka.

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