Wahlkommission hat Beschwerden angeblich nicht ernst genommen
Kairo - Eine nach dem Sturz von Ägyptens Präsident Hosni
Mubarak gegründete liberale Partei wird die Wahlen zur zweiten Kammer
des Parlaments boykottieren. Das teilte die Partei der Freien Ägypter
am Montag auf ihrer Website mit. Zur Begründung hieß es, die
Wahlkommission habe die zahlreichen Beschwerden über Manipulation
während der Parlamentswahl nicht ernst genommen.
Ägyptische Wahlbeobachter hatten während der Parlamentswahl unter
anderem über Stimmenkauf, Prügeleien in den Wahllokalen und
verschiedene Formen der Wählerbeeinflussung an den Urnen berichtet.
Die Wahl hatte am 28. November begonnen und soll an diesem
Dienstag und Mittwoch mit einer Stichwahl der Direktkandidaten in
neun Provinzen enden. Die Wahlen zum Shura-Rat, der im
Gesetzgebungsprozess eine untergeordnete Rolle spielt, sollen am 29.
Jänner beginnen. Sie finden in zwei Etappen statt und werden und am
22. Februar enden.
Islamistische vor radikal-islamistischer Partei
Bei der Parlamentswahl, deren Endergebnis noch aussteht, hat die
islamistische Partei der Freiheit und Gerechtigkeit den ersten Platz
belegt vor der radikal-islamistischen Partei des Lichts. Die beiden
Islamisten-Parteien werden zusammen rund 60 Prozent der Mandate
erhalten. Die von dem christlichen Geschäftsmann Naguib Sawiris
gegründete Allianz der Partei der Freien Ägypter und die
traditionsreiche liberale Wafd-Partei belegten nach den bisher
bekanntgewordenen Ergebnissen in den meisten Wahlbezirken den dritten
und vierten Platz. Nur wenige Stimmen erhielten die jüngeren
Kandidaten der Allianz "Die Revolution geht weiter".
Die meisten Berichte über Manipulation bei der Wahl richteten sich
gegen die Islamisten, die potenzielle Wähler mit Kleinbussen zu den
Urnen karrten sowie Geld und Sachspenden verteilten. In einigen
Fällen gab es jedoch auch Klagen über Kandidaten der Freien Ägypter. (APA)