Folgen des Erdbebens

Haiti liegt immer noch in Trümmern, aber teure Armee in Plan

Michael Möseneder, 9. Jänner 2012, 18:58
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    foto: ap/dieu nalio chery

    Mehr als eine halbe Million Menschen leben in Haiti immer noch in Camps, wie hier in Pétionville. Die Frau trägt ein T-Shirt aus dem Präsidentenwahlkampf, den Michel Martelly gewann.

Zwei Jahre nach der Erdbebenkatastrophe in Haiti mit 222.000 Toten liegt das Land immer noch in Trümmern - Für den Wiederaufbau fehlen mehr als 500 Millionen Euro - Dennoch ist nun eine neue, teure Armee geplant

Port-au-Prince/Wien - Wenn es ein Symbol für den mühsamen Wiederaufbau in Haiti gibt, dann ist es der Präsidentenpalast im Stadtzentrum von Port-au-Prince. Ein paar neue Fenster wurden eingesetzt, sonst ist das während des Erdbebens vom 12. Jänner 2010 zusammengesackte Gebäude praktisch unverändert. Ein Problem, dass in der verwüsteten Hauptstadt des Inselstaates auch zwei Jahre nach der Katastrophe, bei der 222.000 Menschen starben, allgegenwärtig ist.

Mehr als eine halbe Million Menschen leben nach wie vor in Camps, heißt es bei der interstaatlichen International Organisation for Migration (IOM). Und die Rate jener, die diese Zeltstädte verlassen und zumindest in Übergangshäuser zurückkehren können, verlangsamt sich monatlich.

Selbst bescheidene Kosten zu hoch

Ein zweites Problem: Immer mehr Menschen wohnen in immer größeren Lagern zusammen. Im Herbst lebten 60 Prozent der Obdachlosen in lediglich acht Prozent aller Notunterkünfte. Die Gründe sind vielfältig: So werden erst jetzt die Bemühungen wirklich verstärkt, den Bauschutt aus Port-au-Prince zu entfernen. Dazu sind viele der Campbewohner so arm, dass sie selbst bescheidene Kosten für die "Transitional Shelters" genannten einfachen Häuschen nicht aufbringen können. Wenn sie zuvor Mieter waren, haben sie auch wenig Chancen, vor einer kompletten Wiedererrichtung ihres ehemaligen Hauses ein Dach über dem Kopf zu bekommen.

Die Misere lässt sich auch an den Zahlen des Büros des UN-Sonderbeauftragten für Haiti, des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton, ablesen. Demnach würden für den Wiederaufbau umgerechnet 580 Millionen Euro benötigt. Bei der internationalen Geberkonferenz kurz nach dem Beben wurden für diesen Sektor von der Staatengemeinschaft aber nur 127 Millionen Euro versprochen - ausbezahlt wurden in den gut eineinhalb Jahren seither nur 41 Millionen.

Präsident will Armee gründen

Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, dass Haitis Präsident Michel Martelly mit einem im November präsentierten Plan massive Kritik hervorruft. Denn er will wieder eine eigene haitianische Armee ins Leben rufen. Kostenpunkt: umgerechnet 73 Millionen Euro. Mit der Armee soll ein Sicherheitsvakuum, das durch die Reduzierung der UN-Schutztruppe droht, vermieden werden.

Diese UN-Truppe steht bei den Haitianern mittlerweile im Zwielicht. Nicht nur, dass wahrscheinlich nepalesische Blauhelme die Cholera auf den Inselstaat gebracht haben (siehe Artikel unten). Auch Übergriffe werden gemeldet - im Herbst tauchte ein Video auf, das fünf uruguayische Soldaten bei der Vergewaltigung eines 18-Jährigen zeigte. Die UN-Truppen bleiben dennoch auf der Insel - allerdings in reduziertem Umfang. Heuer sollen 2750 Soldaten abgezogen werden - die 10.500 Männer und Frauen, die dann noch stationiert sein werden, bilden immer noch eine deutlich größere Einheit als vor dem Erdbeben. (Michael Möseneder, DER STANDARD, Printausgabe, 10.1.2012)

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24 Postings
Dieses Posting wurde zensuriert
00
10.1.2012, 21:33
in der krone war ein foto

vom sportmotorboot, das einer spendenskandal-hilfsorganisation gehört. ein schönes boot mit edelholz und ledersitzen wie in miami vice

the_suck
00
10.1.2012, 19:54

was solls

die Griechen wollen von dem nächsten Schwung Geld den sie von der EU bekommen für 4 Milliarden Euro Kampfjets kaufen

the hag o'hags (aka Esme Weatherwax)
02
10.1.2012, 16:28
Ein Vergleich...

... mit der Situation in Chile, wo es fast zur gleichen Zeit ebenfalls ein schweres Erdbeben gab, wär interessant, dort ist wahrscheinlich kaum mehr was von den Folgen zu sehen...

Keyser
01
10.1.2012, 13:54

Für irgend etwas sinnvolles muss das Geld das durch die Streichung der Altschulden, und der Gewährung eines noch höheren Kredites des IWF, schließlich verwendet werden. Und was ist wichtiger, ein Volk das ein Dach über dem Kopf hat, oder eine Armee - welches das Volk im Zaum hält - weil es dass eben nicht hat?

Laughing Magician
02
10.1.2012, 13:20

ihr könnt mich wegen dem klischee rotstrichen, aber für einen kurzen moment sah ich eine ziemlich wartungsfreie, billige zombiearmee vor meinem geistigen auge.

Ata Kak
01
10.1.2012, 12:02

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift GEO findet sich eine ausführlichere Reportage zur Lage in Haiti und welche Rolle die Hilfsorganisationen diesbezüglichen spielen bzw. gespielt haben.

mika33
00
10.1.2012, 10:55
Ganz so falsch ist das aber nicht.

.... denn ohne öffentliche Sicherheit wirds auch keinen nachhaltigen Wiederaufbau geben.
... denn um 73 Mio. bekommt man sowieso nur ein paar Uniformen und Gewehre, also kein schweres Gerät oder vielleicht sogar was fliegendes.

Ruth Schlabbeeritzka-Pangl
01
10.1.2012, 10:48
Trümmer

Vielleicht könnten wir die Sternsinger nochmals losschicken, um für den Wiederaufbau der Haitianischen Armee zu sammeln - frei nach dem Motto: "Wir bitten Euch um Euer Geld, für die Rüstung in der 3.Welt!"

joh CtgVerlag
04
10.1.2012, 10:46
Zu den Spenden aus österreich:

Was ist mit dem Spendengeld aus Österreich geschehen ? Es wurde viel Lärm darum gemacht, angekommen ist dort aber sehr, sehr wenig. Es wäre fair, würden die Organisationen, die dafür eingesammelt haben, ihre Bilanz offenlegen und eine Bestätigung von den Verantwortlichen in Haiti einholen und vorweisen. Ansonst müsste man meinen, die Gelder sind "leider" für die "administrative Arbeit" draufgegangen. ---
Überall das Gleiche: Bereicherung auf Kosten der Armen !!!!

fischkopp
00
10.1.2012, 14:27

Das können Sie den Organisationen aber wohl nicht im ernst zumuten wollen...Pfui, wer "Gutes" verspricht, ist frei von so lästigen Pflichten wie Rechtfertigung der Mittelverwendung.

die naive
00
10.1.2012, 10:37
Lt einer mir bekannten Mitarbeiterin

der Caritas vor Ort brodelt es dort schon wieder ordentlich. Es gibt u.a. auch regelmäßige Einbrüche im Haus der Caritas und die Mitarbeiter dürfen nicht mehr alleine spazieren gehen.

Spaceman Spiff
00
10.1.2012, 10:34

Ist ja kein Wunder. Der Praesident verschafft seinen Freunden, "...Oberstleutnant Michel François, Polizeichef und Führer der Todeskommandos der Tonton Macoutes...", wieder zu Macht. Der baut eine neue Militaerdiktatur auf. Nur noch ein bisschen Kubaparanoia schueren und er erhaelt fuer seine Diktatur auch noch Unterstuetzung der USA.

Aloeveras
00
10.1.2012, 10:30

Sind Haiti und Griechenland verbrüdert, vor allem in der Dummheit "Militär" dürfte es so sein.

K. K. Lacke
00
10.1.2012, 10:09
egal ob Afrika oder Haiti

irgendwie scheint es immer wieder darauf hinauszulaufen dass Spenden zur Entwicklungs- bzw. Wiederaufbauhilfe zweckentfremdet und zur militärischen Aufrüstung verwendet werden.

irgendwie ja auch logisch...

als Mitglied der politischen Elite muss man sich ja irgendwie vor den Hungernden und Kranken schützen... nicht wahr?

parapente
21
10.1.2012, 10:02
Ich kenne die Leute in Haiti

Die Arbeit haben sie nicht gerade erfunden!

mawi89
01
10.1.2012, 08:57
einfacher Kollateralschaden!

Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott. Aber 'um Gottes Willen' nur keine Spendeaktion. Die hilfr nicht den 200.000 Campern, sondern nur jenen,die zuerst das Geld erhalten. Sparen beginnt zu Hause.

Peacefaktor
11
10.1.2012, 08:52
Einfach sehr traurig

allerdings bleiben viele Fragen offen.
Für den Wiederaufbau fehlen 500 Mio? Gibt es überhaupt "schon" Geld dafür?
Ist diese Summe wirklich die Schwierigkeit, bei den Summen, die da gerade über den Globus fetzen?
Oder anders: warum wundert es mich heute gar nicht mehr, dass für schöne ( aber real ja doch erschummelte) Bilanzen der Banken über Nacht Abertausend Milliarden aufgestellt sind, wenn es sein muss, mittels ESM in der EU sogar vertraglich fixiert, allerdings wenn es um Menschen geht, dann knausert man, anstatt zu handeln, geeignetes Personal zu schicken und einfach aufzubauen.

DaKoarli
 
00
10.1.2012, 06:36
Nach lesen der Überschrift und des Aufmachers fällt mir spontan folgendes ein:

Kein Wunder! Immerhin dauert es bis sich die Eliten wieder ihre Reichtümer refinaniziert haben und um gegen das böse Volk sicher zu sein sollte man auch am Militär nicht sparen.

Werner Lischka
124
in den camps leben also ca. 200.000 menschen ...

... und die sind in den 2 jahren nicht fähig zumindest den grossteil des schutts wegzuräumen?
selbst wenn nur 20% für schwere arbeit tauglich sind - vorschlaghämmer, krampen und scheibtruhen sollten für 41 mio's genug zu bekommen sein.
arbeitskolonnen bilden, entlohnung (z.b. nahrungsmittel-bezugsscheine) nach leistung der kolonne und ran an die betontrümmer!
kein wunder, dass die geberländer knausern - verbrennen können wir die euros selber!

werauchimmer1
 
10
10.1.2012, 13:57
ich weiß

ich müßt es nicht, aber es muss gesagt werden:
sie haben vollkommen recht.

der burli
06
in länder ohne "funktionierende strukturen" was zu spenden.... ist äusserst fragwürdig...

Johannes99
00
10.1.2012, 06:35
Ja, nur was können die Leute dafür?

Seit ich lesen kann, gab's nur schreckliche Nachrichten aus diesem Land, das ein Paradies sein könnte - angefangen mit "Papa Doc". Ich will nicht auf die Amerikaner schimpfen, aber Haiti ist das klassische Produkt ihrer Hinterhofpolitik. Jeder zweite Haitianer ist Analphabet, bewaffnete Gangs terrorisieren die Leute.
Wenn Hoffnungslosigkeit einen Namen hätte, sie würde Haiti heißen. Mit tun die Leute Leid, die nicht einmal die primitivsten Möglichkeien kennen, sich selber zu helfen (ja, auch eine Schaufel in die Hand zu nehmen). Helfen könnt nur ein Wunder oder ein Heiliger ...

der burli
00
10.1.2012, 10:07
tja "die leut". alle die dort denken können arrangieren sich mit der kriminalität. aus existenzangst. schwierig... - wie wars in äthiopien, bis der böhm kam?

tramezzino
08

das geld gleich in die donau zu werfen ist viel sinnvoller.

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