Golfemirat hilft Jugendlichen

Ungebetene Hilfe für Frankreichs Problemzone

Stefan Brändle aus Paris, 9. Jänner 2012, 19:05

Katar hilft französischen Jugendlichen mit Millionenkrediten, den trostlosen Ghettos der Vorstädte zu entkommen

Es herrscht Sparzeit - doch auf dieses 50-Millionen-Geschenk hätte Frankreich gerne verzichtet. Einen Euro-Betrag in dieser Höhe investiert das Scheichtum Katar am Persischen Golf in die französischen Vorstädte. Jungunternehmer oder solche, die es werden wollen, können in Paris, Lyon oder Marseille entsprechende Projekte einreichen. Obwohl die Aktion erst seit ein paar Tagen läuft, hat die Botschaft Katars in Paris bereits 80 Lebensläufe und 150 Dossiers für Unternehmensgründungen nach Doha weitergeleitet.

"Auf einmal ist unsere Identität kein Handikap mehr, sie wird vielmehr aufgewertet", meint Kamel Hamza, der Vorsteher des Vereins von Lokalpolitikern mit Immigrationshintergrund (Aneld). Der zur bürgerlichen Sarkozy-Partei UMP gehörige Vertreter des Banlieue-Ortes La Courneuve war Ende letzten Jahres mit Parlamentarierkollegen aller Parteien einer Einladung nach Katar gefolgt. Dort überreichte ihnen Scheich Hamad bin Chalifa Al-Thani einen Scheck über 50 Millionen Euro mit der Auflage, tragfähige Banlieue-Projekte zu verwirklichen.

"Beide Seiten gewinnen"

"Das ist keine gemeinnützige Aktion oder Mäzenatentum, sondern eine für beide Seiten gewinnbringende Investition", meint Hamza. Ein Projekt betrifft etwa die Renovierung von Liften, die in den heruntergekommenen Wohnsilos oft monatelang auf eine Reparatur warten.

Die französische Regierung begrüßt die Hilfe von außen offiziell als "positives Zeichen für die Anerkennung der Talente und Kapazitäten in diesen Volksquartieren", wie Stadtminister Maurice Leroy meint. Diese Reaktion hat allerdings vor allem diplomatische Gründe, sieht doch Präsident Nicolas Sarkozy Katar als wichtigen Verbündeten im Nahen Osten.

In Wirklichkeit löst die dargebotene Hand aus Doha in Frankreich eher verlegene Reaktionen aus. 50 Millionen Euro sind eine erkleckliche Summe, wenn man sie mit dem Gesamtbudget des französischen Staates für die Vorstädte - 548 Mio. Euro - vergleicht. Fast zehn Prozent der öffentlichen Aufwendungen für die Problemzonen kommen also künftig aus dem Ausland - in einem Land wie Frankreich, wo der Staat traditionell eine starke Rolle spielt.

Der sozialistische Senator Claude Dilain ist deshalb gegen den katarischen Investitionsfonds. "Das ist ein Beleg für die Spaltung zwischen französischer Gesellschaft und den Banlieue-Gebieten, und diese Entwicklung sollten wir nicht noch fördern", meint der frühere Bürgermeister von Clichy-sous-Bois, wo vor Jahren eine Serie von Banlieue-Krawallen begonnen hatte.

Der Politologe Mohamed Ali Adraoui wundert sich dagegen nicht über den Erfolg der Aktion: "Viele Jugendliche finden trotz ihrer Diplome keine Arbeit. Frankreich verhält sich deshalb in ihren Augen heuchlerisch. In Katar werden sie hingegen nach ihren wirklichen Fähigkeiten beurteilt."

Die spürbare Skepsis in Frankreich gegenüber dem Vorgehen des Scheichtums gilt allerdings auch seinen verdeckten Motiven. "Wie weit wird Katar noch gehen?", fragt die Zeitung Le Monde. Über das Wochenende ist in Paris bekanntgeworden, dass das Unternehmen "Qatar Sports Investments" den ihm gehörigen Fußballklub Paris Saint-Germain (PSG) in das große, aber häufig leerstehende Stade de France verlagern will. Das hätte eine starke symbolische Bedeutung. Denn PSG hat einen sehr "bürgerlichen" Ruf; sein heutiges Stammstadion im Parc des Princes liegt im schicken Westteil der Hauptstadt. Das Stade de France befindet sich jedoch in einer unwirtlichen Banlieue-Zone. Das würde die PSG-Anhänger zwingen, wöchentlich in die "heißen" Vororte zu reisen. Wenn man die mentale "Trennung" der französischen Gesellschaft aufheben möchte, wie Dilain sagt, gäbe es allerdings kein besseres Mittel. (DER STANDARD Printausgabe, 10.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 75
1 2
jMor
 
16
10.1.2012, 13:12
Hab mir schon bei den Unruhen damals gedacht:

Wär ich stink reich, ich würd Geld in die Vororte bzw. in die Jugendlichen dort investieren.
Gibt denen eine Chance etwas mit ihrer Energie und Tatendrang zu machen, bevors Irgendwelche Radikalen machen.

Im Endeffekt sind die Staaten, die das Potential dieser jungen Menschen nicht nutzen die dummen.

Count Saurüssel
02
10.1.2012, 16:15

Ist das sarkastisch oder ernst gemeint?

jMor
 
01
11.1.2012, 10:36
eigentlich ernst

obs paar der grünen Stricherln gab, weil die dachten ich meins sarkastisch? :)

angelvoices
21
10.1.2012, 12:19
Welches Land bietet diesen Jugentlichen mehr an?

Frankreich hat diesen Menschen Untekünfte und Ernährung zur Verfügung gestellt. (ohne Gegenleistung) Der Staat kümmert sich um die Infrastruktur des "homogenen" Ghettos...
In anderen "homogenen" Ländern bekommt man gar
nichts... wenn die "homogenen" diese Menschen unterstützen möchten, können sie sie von ganz ach so verdorbenen und unmoralischen Europa bei sich aufnehmen...

17+4
45
10.1.2012, 10:39
Katar geht es ja nur darum, die Islamisierung

Frankreichs voranzutreiben.
Nur wenn die Geförderten wüßten, wie Katar zu dem Geld gekommen ist, dann müßten sie es ablehnen, denn eine nachhaltige Wirtschaft wird das so nicht werden.

Frankreich sollte die Reissleine ziehen, ob solc´her Danaergeschenke.

Wilhelm Guschlbauer
10
10.1.2012, 12:06
Katar jayft langsam aber sich Frankreich auf, bevor

die Chinesen es tun. Hier in Bordeaux ist keine Gefahr, denn Muslime dürfen js keinen Wein trinjen, aber Chinesen schon. Erfolg: im letzten Halbjahr 2011 wurden sieben Chateaux Grand Cru an Chinesen - u.a. eine Filmschauspielerin - verkauft.

17+4
12
10.1.2012, 15:01
die Chinesen sehe ich da weniger als Gefahr für unsere Kultur,

denn die Chinesen haben den Opiumkrieg bewältigt, während die Muslime noch immer mit ihrem Kreuzugsminderwertigkeitskomplex herumlaufen. Ausserdem sind die Chinese Pragmatiker, was man von Moslems nicht behaupten kann. Die wollen missionieren und träumen von Weltherrschaft.

Rumo von Zamonien
29
10.1.2012, 10:25

"Das ist ein Beleg für die Spaltung zwischen französischer Gesellschaft und den Banlieue-Gebieten, und diese Entwicklung sollten wir nicht noch fördern"

Diese Aussage eines Mitverantwortlichen für die Misere ist ja doch bitte eine bodenlose Frechheit.

Count Saurüssel
46
10.1.2012, 09:26
"Katar hilft fränzösischen Jugendlichen"

Haha. Na klar.

"Katar hilft is*amischen Glaubensbrüdern in Frankreich" würde es wohl eher treffen. Ich find's witzig, wie man immer versucht, den ethno-religiösen Aspekt der Probleme in den Banlieues auszublenden, und so tut, als ginge es nur um die "Perspektivenlosigkeit", also die fehlenden soziale Aufwärtsmobilität von Jugendlichen ganz allgemein.

Dass jetzt ein wahbitisches Emirat, in dem die Scharia gilt, Geld in diese Gegenden pumpt, ist der indirekte Beweis dafür, dass dem nicht so ist. Denn niemand wird ernsthaft glauben, die Geldgeber in Katar würden aus blanker Philantropie heraus handeln, und auch dann ein Interesse an fränzösischen Jugendlichen haben, wenn diese nicht aus einem bestimmten Kulturraum stammten.

Gerg K.
03
10.1.2012, 12:16
"die Geldgeber in Katar würden aus blanker Philantropie heraus handeln"

Als ob auch nur ein maßgeblicher Politiker in Frankreich (und nicht nur dort) je etwas getan hätte, wenn nicht aus machtpolitischen Gründen!

Wilhelm Guschlbauer
00
10.1.2012, 12:13
Nicht ganz richtig!

Quatar hat grosse Interessen im Sport und hat z.B. viel Geld in die Übertragung der Champions-League gestecjy. AlJazeera-Sport will auch die Übertragungen der 1, Liga kaufeb - und Geld haben sie, die weissen Männer aus der Wüste.
Dass sie auch religiöse Interessen haben, ist wahrscheinlich. Aber das Reservoir in den Banlieus ist enorm und einige kluge Köpfe aus dem "93" haben es auch ohne Quatar bereits geschafft - und sind nicht unbedungt sehr religiös.
Übrigens AlJazeera auf English ist eine hervorragende Informationsquelle, nur einige Speakerinnen reden ein fürchterliches Cokney-English.

Count Saurüssel
00
10.1.2012, 16:11
"Aber das Reservoir in den Banlieus ist enorm und einige kluge Köpfe aus dem "93" haben es auch ohne Quatar bereits geschafft"

Wenn's tatsächlich darum ginge, warum schickt Quatar dann seine Milionen nicht in brasilianische Favelas? Das "Reservoir" an Talenten dort wäre ungleich größer (ebenso wie der Bedarf an finanzieller Unterstützung).

karl gross
22
10.1.2012, 07:21
"Fast zehn Prozent der öffentlichen Aufwendungen für die Problemzonen"

warum auch nicht. allerdings beschränken sich die aufwendungen des staats ja nicht auf sanierungsprojekte sondern man müsste aufrichtigerweise auch noch die beträge aus der sozialversicherung hinzuzählen. und ich fürchte das dürfte selbst dem reichen scheich aus qatar zu teuer werden, sich da mit 10% zu beteiligen ;)

der_kleine_pariser
 
01
13.1.2012, 00:03

Naja, was man die letzten 50 Jahre nicht ausgegeben hat, muss man halt jetzt doppelt und dreifach hineinbuttern.

Bertel Mann
18
10.1.2012, 06:18
Also dieses Emirat handelt mindestens so altruistisch wie die Guten, wenn sie wieder mal Demokratie bringen

ralika
23
10.1.2012, 00:59

Das hat aber nichts mit einer französischen Stimme zur Fußball-WM in Katar zu tun, oder?

O5
123
10.1.2012, 00:47

Da die meisten europäischen Sozialstaaten leider massiv rassistisch funktionieren irgendwie logisch - und dringend notwendig.

anders and
 
22
10.1.2012, 10:54

Von Katar können die europäischen Sozialstaaten tatsächlich noch sehr, sehr viel lernen.

http://berkleycenter.georgetown.edu/letters/b... m-in-qatar

thomas 2
12
10.1.2012, 10:44
da kommen Menschen aus andern Ländern und provitieren massiv - ohne selber was eingezahlt zu haben

und im Vergleich zu den Ländern wo sie herkommen geht es ihnen wie im Paradies!

17+4
01
10.1.2012, 10:40
sie müssen ein ressist sein, sonst würden sie

das so nicht erkennen.

RO81
310
10.1.2012, 08:30

ich kann ihre aussage nicht nachvollziehen. in den meisten "sozialstaaten" sind zuwanderer, die mindestbeitragszahler sind und somit nicht einmal selbst für die kosten, die sie verursachen aufkommen, voll sozialversichert. vom e-card-sharing, das regelmäßig bei jedem wiener arzt zu beobachten ist, möchte ich jetzt nicht sprechen...

der zugang zum arbeitsmarkt ist nirgendwo so einfach, wie in europa. wer allerdings ohne bildung/uniabschluss sein glück in der ersten welt versucht hat natürlich schlechte karten.

wenn wir rassistisch sind, schlage ich vor, es einmal in australien mit einer arbeitserlaubnis zu versuchen. die haben ein punktesystem. landessprache und dienstvertrag vor einreise machen ca. 80% aus... ;)

Herr und Frau Österreicher
 
23
10.1.2012, 09:09

Sie vermischen hier einiges, ist aber typisch! Es geht hier nicht um Leute, die einwandern oder einwandern wollen, sondern solche, die dort sind. Leute mit Diplomen z.B., die in der dritten oder virten generation in FR leben, aber trotz guter Ausbildung keine Chance auf einen Arbeitsplatz haben, steht alles im Artikel!

Auch ist es eine absurde Behauptung, man könne in Europa einfach einwandern und würde von Anfang an mit Geshenken überhäuft werden! Diese behauptung wird nicht wahrer nur weil sie millionenfach wiederholt wird!

Wissen sie das alles nicht, oder haben sie ein Interesse daran, Behauptungen zu streuen, oder ists ihnen im Grunde egal und beten nur nach, was irgendwelche Schmuddelpolitiker von sich geben?

Wilhelm Guschlbauer
00
10.1.2012, 12:19
Grossteils richtig!

Aber es gibt sehr erfolgreich Unternehmer arabischer Abstammun und entsprechenden Namen. Eben so in den franz. Medien gibt es immer mehr Einwanderer-Enkel.
Das Problem ist, dass die franz, Schule ein Mist ist und durch das hochgetriebene Grand-Ecole Prinzip eine Konkurrenz schafft, die die Armen aus der Banlieu einfach nicht schaffen können. Selbst Europäer haben ihre liebe Not damit - ich weiss das aus eigener Erfahrung und habe 2 meiner 3 Kinder nach Wien geschickt ....

der_kleine_pariser
 
01
12.1.2012, 23:58

das Zweite weit wichtigere Phänomän ist, dass es praktisch keine Lehre gibt.

Dadurch haben etwa 1/4 der menschen, die aus irgendwelchen Gründen keine Möglichkeit haben, eine berufsbildende Schule oder Universität zu besuchen überhaupt keinen Zugang zu einer Berufsausbildung.

Die klasische Karriereleiter die 's in Deutschland oder Ö gibt : Papa Einwanderer aus Türkei oder YU und Hilfsarbeiter, Sohn Lehre und Facharbeiter, Enkerl macht HTL, das gibt's in Frankreich nicht, weil der erste Schritt, Lehre, nicht existiert.

Dadurch bleiben bildungsferne Familien bildungsfern, über Generationen. Der Staat schert sich ja nichteinmal g'scheit darum, ob die Kinder in die Schule gehen oder nicht.

Wilhelm Guschlbauer
02
13.1.2012, 10:02
Richtig!

Die Franzosen haben leider keinen Joseph II. gehabt, der die Gernarmerie ausgeschickt hat um die Bauernkinder in die Schule zu holen. Haben dafür seiner Schwester den Kopf abgehackt. Und sind stolz drauf.
Wollte das noch anhängen ...

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