Abgang des Schweizer Nationalbankchefs

Kredit verspielt

Kommentar | Jan Dirk Herbermann , 9. Jänner 2012, 17:50

Philipp Hildebrands Weggang trifft die Schweiz hart

Vorige Woche noch wollte der Präsident der Schweizerischen Nationalbank von Demission nichts wissen. Philipp Hildebrand schickte sich an, die Affäre um die brisanten privaten Devisengeschäfte auszusitzen. Doch mit jedem Tag eskalierte der Skandal, unappetitliche Details fanden den Weg in die Öffentlichkeit. Die Nationalbank, vordergründig ein Hort helvetischer Tugenden wie Verlässlichkeit und Pflichterfüllung, nahm immer größeren Schaden. Hildebrand erkannte das, er musste gehen.

Der Zentralbankchef, der durch milliardenschwere Interventionen die Wechselkurse beeinflusste und der gleichzeitig privat von Währungsspekulationen profitierte, verspielte jeglichen Kredit. Zudem hatte sich Hildebrand die Feindschaft des skrupellosesten Schweizer Politikers eingehandelt: Der rechtsnationale Milliardär Christoph Blocher half entscheidend mit, den obersten Währungshüter abzuservieren.

Sein Weggang trifft die Schweiz hart. Der ebenso weltgewandte wie fachlich versierte Hildebrand bescherte dem kleinen Land Einfluss auf der internationalen Bühne. Der Gentleman half auch, das ramponierte Image des Schweizer Finanzplatzes zu verbessern. Und Hildebrands Entscheidung, den Franken an den Euro zu binden, verschaffte der helvetischen Wirtschaft Luft. Doch all seine Verdienste halfen Hildebrand am Ende nicht mehr. Sein Rücktritt ist logisch. Und sein Rücktritt ist richtig. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.1.2012)

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11 Postings
staunender
00
10.1.2012, 14:12
um sich genauer zu informieren

macht es Sinn, SPON zu lesen. Dort wird der wahre Skandal auch noch beleuchtet...

Fritz Meyer
00
10.1.2012, 13:09
Nimm Dir ein Beispiel, Christian.

powerpack
00
10.1.2012, 09:32
wieder ein gutes beispiel,

welche mentalität hinter diesen ganzen finanztypen steckt - von oben bis unten - ein schrecklich.

Walter Bimini
20
ein gauner weniger

dr.b.
00
meine frau, die isebill, will nicht so wie ich gern will...

ein Klassiker!

der burli
02
was der ex-SNB chef gemacht war insidertrading, dumm, ungeschickt, unmoralisch. es wurde eindeutig gelogen ("meine frau"). gut, dass der gegangen ist. und jetzt der wulff....

walter helfmann
00
10.1.2012, 01:35
das kommt davon, dass es ein gemeinsames konto

gibt und die gattin ohne mitteilung so locker über 400.000,-- sfr verfügen kann.

blöd nur, dass die snb eine prüfung der transaktionen ihrer vorstände für die vergangenen 5 jahre angekündigt hat.

der burli
00
10.1.2012, 10:00
ja. ich schätz diese prüfung war ein knackpunkt. ob die noch kommt?....

(wenn ich schon ein insidertrader bin, dann mach ich das doch net auf meinem konto oder am konto der frau! schlampg gewesen? i versteh das net.....)

Werner F, der Inserator
00
11.1.2012, 17:25

was ist daran verwerflich ein konto mit seiner frau zu führen ?

Wenn das insidertrading sein soll, dann ist Hilderand nicht der brilliante Banker sondern ein Volltrottel.

Der Deal, den man als Frontrunning bezeichnen kann ist, hat ca. 20k CHF an gewinn abgeworfen, der restliche gewinn von den 75k ist durch eine Devisentransaktion aus dem März entstanden.

Wenn man allerdings bedenkt, dass Hildebrand 1 Mio p.a. verdient und auch Fr. Hildebrand nicht ganz arm zu sein scheint: http://kashyahildebrand.org/
dann denke ich eher an ein Missgeschick als an Insider handel (weil da hätte er auch locker mal 50 Mio machen können mit dem richtigen Hebel)

btw: H öffnet seine KOnten bis 2003 zurück wo er bei der SNB begonnen hat.

Adrian Engler
01
Nicht Spekulationen, sondern längerfristige Anlagen

Normalerweise versteht man unter "Spekulation" auf kurzfristigen Gewinn ausgerichtete Geschäfte, und das hat der Nationalbankchef nicht gemacht, das Vermögen war einfach diversifiziert in verschiedenen Währungen angelegt, und nach einem Liegenschaftsverkauf wurden deshalb auch USD gekauft und vor dem Kauf einer anderen Liegenschaft wieder verkauft; reglementierte Mindesthaltefristen wurden eingehalten.

Das Problem ist vermutlich, dass die Politik von Hildebrand, der z.B. dafür sorgen wollte, dass Banken nicht wieder gerettet werden müssen, gewissen Kreisen im Finanzsektor nicht gefielen, weshalb ihn die mit diesen verbundenen Rechtsaußen-Politiker attakierten.

.::.wanderfalke.::.
 
00
Gewinnmitnahme

>nach einem Liegenschaftsverkauf wurden deshalb auch USD gekauft und vor dem Kauf einer anderen Liegenschaft wieder verkauft<

Die kuzrfristige Bindung in USD diente nicht der Wahrung des Geldwertes (was bei CHF derzeit nicht nötig ist), sondern der Mitnahme von Devisenwechselkursgewinnen, mit dem angenehmen Effekt, den Immobilienerwerb günstiger finanzieren zu können.

Der veröffentlichte Prüfbericht von PricewaterhouseCoopers (PwC) über die Finanztransaktionen der Familie Hildebrand zeigt sich jetzt, als das was er ist: Ein Gefälligkeitsgutachten.

Dass ausgrechnet Blocher Herrn Hildebrand zur Strecke gebracht hat, ist kein Zufall. Aber die Blöße, die den Abschuss ermöglichte, hat sich Hildebrand selbst gegeben.

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