"Auf mäßig steiles Gelände beschränken"

  • Komme es zu keinen extremen Wetterereignissen, sei eine günstige Entwicklung der Lawinengefahr in diesem Winter zu erwarten, sagt Bernd Niedermoser, Leiter des Salzburger Lawinenwarndienstes.
    foto: apa/robert parigger

    Komme es zu keinen extremen Wetterereignissen, sei eine günstige Entwicklung der Lawinengefahr in diesem Winter zu erwarten, sagt Bernd Niedermoser, Leiter des Salzburger Lawinenwarndienstes.

Lawinenexperte empfiehlt Tourengehern und Variantenfahrern Zurückhaltung

Salzburg - Wenn die Schneefälle in Westösterreich nachlassen und sich laut Prognose in der Wochenmitte zumindest zwei Tage lang die Sonne zeigt, werden Tourengeher und Variantenfahrer wieder vermehrt im ungesicherten Skiraum unterwegs sein. Die Wintersportler sollen sich in diesen Tagen "auf mäßig steiles Gelände beschränken", appelliert Bernd Niedermoser, Leiter des Salzburger Lawinenwarndienstes, an die Vernunft der Wintersportler. Vor allem eingewehte Rinnen und der Ostsektor seien gefährdet, warnt Niedermoser im Standard-Gespräch.

Mittelfristig hat Niedermoser für die Skibergsteiger und Freerider gute Nachrichten. Komme es zu keinen extremen Wetterereignissen, erwarte er eine günstige Entwicklung der Lawinengefahr in diesem Winter.

Einsinktiefen werden zurückgehen

Die großen Schneemengen der vergangenen Tage seien auf eine "gut verfestigte Altschneedecke mit wenigen Schwachschichten" gefallen. Zudem erwartet Niedermoser, dass sich der Neuschnee rasch setzt. "Die Einsinktiefen von derzeit bis zu einem Meter werden zurückgehen, und wenige Schwachschichten bleiben über." Trotz dieser positiven Prognose sei aber aktuell gerade bei steilen und eingewehten Bereichen Zurückhaltung angesagt.

Kommt es dennoch zu einem Lawinenabgang, ist die erste Viertelstunde für die Verschütteten entscheidend. Nach 15 Minuten beträgt die Überlebenswahrscheinlichkeit 92 Prozent, nach 30 Minuten nur mehr 50 Prozent.

Da in dieser Zeitspanne meist kein organisierter Rettungseinsatz möglich ist, hat die Kameradenbergung entscheidende Bedeutung. "Nur mit einem Lawinenverschüttetensuchgerät, Schaufel und Sonde ist eine effiziente Rettung möglich", mahnen die alpinen Vereine zur Mitnahme der Notfallausrüstung. Mit zur Standard-Ausrüstung im freien Gelände gehört inzwischen auch der Lawinenairbag. Airbagsysteme können eine Ganzverschüttung weitgehend vermeiden, die Überlebenschancen steigen auf 97 Prozent.

Airbag-Rückrufaktion

Beim Lawinenairbag-Marktführer, der deutschen Firma ABS, läuft bis 31. Jänner noch eine Rückrufaktion für potenziell schadhafte Druckpatronen. Von den bis dato retournierten 3500 Patronen sei jedoch nur eine auch tatsächlich nicht verwendbar gewesen, sagt Firmenchef Peter Aschauer. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, Printausgabe, 10.1.2012)

Wissen:

Europäische Lawinengefahrenskala

Europaweit wird die Lawinengefahr in fünf Stufen eingeteilt: Gefahrenstufe 1 bedeutet "geringe" Lawinengefahr, Stufe 2 "mäßige" und 3 "erhebliche".

Die am Montag in weiten Teilen Westösterreichs von den Lawinenwarndiensten ausgegebene Stufe 4 heißt "große" Gefahr. Stufe 5 wäre dann mit "sehr groß" schon ein Katastrophenszenario.

Die Einteilung in fünf Stufen ist für Laien immer wieder Anlass für Missverständnisse. Oft wird die Skala 1 bis 5 mit Schulnoten gleichgesetzt.

Stufe 3 bedeutet freilich nicht "befriedigend", sondern "erheblich"; das heißt eine Lawinenauslösung ist bereits "bei geringer Zusatzbelastung" - etwa durch einen einzelnen Skifahrer - möglich. (neu)

Share if you care
3 Postings

"Die großen Schneemengen der vergangenen Tage seien auf eine "gut verfestigte Altschneedecke mit wenigen Schwachschichten" gefallen."

wo denn?

Weiß jemand, was so eine Druckpatrone kostet?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.