Kindergarten

Kritik an Konzentration auf deutsche Sprache

Lisa Aigner, 10. Jänner 2012, 06:15
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    foto: apa/herbert neubauer

    Kinder mit einer anderen Erstsprache sollen noch vor der Volksschule Deutsch lernen, und zwar so schnell wie möglich, das sieht ein Gesetzesentwurf vor. Diese Erwartungen widersprechen wissenschaftlichen Erkenntnissen, sagen Sprachforscher.

Sprachwissenschafter stellen Gesetzesentwurf zur sprachlichen Frühförderung infrage - Prozess des Spracherwerbs wird nicht beachtet

Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz feierte die Verlängerung der sprachlichen Frühförderung als Erfolg, nun stellen ihr Sprachwissenschafter ein vernichtendes Zeugnis aus. In den Stellungnahmen von Sprachwissenschaftern wird an dem betreffenden Gesetzesentwurf vor allem kritisiert, dass er den aktuellen wissenschaftlichen Standards nicht entspricht. "Die Vereinbarung weckt die Illusion, den 'Problemfall' mehrsprachiges Kind mit geringen Deutschkenntnissen 'beseitigen' zu können", heißt es etwa in dem Kommentar zum Entwurf des Gesetzes vom "Netzwerk Sprachenrechte", der derStandard.at vorliegt. 

Laut der 15a-Vereinbarung stellt der Bund den Ländern fünf Millionen Euro zu Sprachförderung von Kindern zwischen drei und sechs Jahren zur Verfügung. Voraussetzung ist, dass die Länder das Geld verdoppeln. Diese Maßnahme gibt es bereits seit 2008, eigentlich sollte sie im Jahr 2010 auslaufen, Staatssekretär Kurz konnte allerdings durchsetzen, dass sie nun bis 2014 verlängert wird.

Sprache wird mit Deutsch gleichgesetzt

Der Hauptkritikpunkt der Sprachwissenschafter ist, dass im Gesetzesentwurf Sprachförderung mit der Förderung von Deutschkenntnissen gleichgesetzt wird. Die Subventionierung der Förderung der Erstsprache von Kindern mit Migrationshintergrund ist nicht vorgesehen.

"Es ist auf jeden Fall zu begrüßen, dass die Vereinbarung wieder verlängert wird und dass der Entwurf verfasst wurde, weil es so wieder mehr in die Aufmerksamkeit der Gesellschaft rückt, dass die sprachliche Frühförderung sehr wichtig ist. Es gibt aber einige Punkte, die zu kritisieren sind, und es wäre gut, wenn der Entwurf noch geändert werden könnte", sagt Sprachwissenschafterin Ewelina Sobczak im Gespräch mit derStandard.at. "Es ist nur von der Unterrichtssprache Deutsch und nicht von anderen Sprachen, die von den Kindern mitgebracht werden, die Rede." Der Spracherwerb sei aber ein sehr komplexer Prozess. "Wenn mit Sprachförderung in diesem Entwurf eigentlich nur Deutschförderung gemeint, ist das ungerecht", sagt Sobczak, die in einem Kindergarten der Stadt Wien zum Thema Spracherwerb und Mehrsprachigkeit von Kindern forscht. 

Eltern sollen mit Kindern nicht Deutsch sprechen

Im Gegensatz zu gängigen Annahmen würde es sich negativ auswirken, wenn Eltern, die ihre Muttersprache besser als Deutsch beherrschen, plötzlich mit ihren Kindern Deutsch sprechen. Es gehe darum, dass Kinder die Sprache von Anfang an erwerben, die ihre Eltern meistern und die ihnen naheliegt. Auch das Erwerben mehrerer Sprachen sei so möglich. "Das Kind ist mitten im Spracherwerbsprozess. Es hat sich schon Strukturen in der Erstsprache erworben, die für alle Sprachen gelten. Zum Beispiel, wie man auf eine Frage sozial adäquat reagiert", erklärt Sobczak.

Überprüfung schwierig

Ein weiterer Punkt, der am Entwurf zu sprachlichen Frühförderung kritisiert wird, ist, dass daraus nicht klar hervorgeht, wie der Spracherwerb überprüft werden soll. Im Entwurf ist nur von "jenen sprachlichen Kompetenzen, die beim Eintritt in die erste Schulstufe der Volksschule gegeben sein sollen", die Rede. Besonders in der frühkindlichen Phase sei es schwierig, anhand von Sprachstandsfeststellungen die Sprachaneignung überhaupt zu prüfen, heißt es in der Stellungnahme des "Netzwerks Sprache". Im Entwurf ist so eine Sprachstandsfeststellung zweimal im Jahr vorgesehen.

"Es gibt kein Instrument zur Einschätzung des Sprachstandes, das hundertprozentig treffsicher ist. Darüber hinaus gibt es sehr wenige Verfahren, die den Sprachstand der Kinder auch in anderen Erstsprachen als Deutsch überprüfen", sagt auch die Sprachwissenschaftlerin Sobczak. Es sei nirgendwo formuliert, worauf diese Standards beruhen sollen. Problematisch sei auch, dass die Konzepte und die Schlussberichte der Länder von Österreichischen Integrationsfonds, der dem Innenministerium untersteht, überprüft werden. Bisher oblag diese Aufgabe dem Unterrichtsministerium, wo es mehr Personal mit sprachwissenschaftlichen Kenntnissen gäbe.

"Sprache ist keine Pille"

In der Stellungnahme des Verbands für Angewandte Linguistik heißt es, dass der Gesetzesentwurf zudem dem "zeitlichen und prozessualen Aspekt von Spracherwerb nicht Rechnung trägt". Spracherwerb sei sehr komplex und könne nicht in einem bestimmten Zeitrahmen erfolgen. "Das ist ein langwieriger Prozess, das kann man nicht in einer Pille verabreichen", sagt auch Sobczak. Die Begutachtungsfrist des Gesetzesentwurfes zur sprachlichen Frühförderung ist am 5. Jänner ausgelaufen. Vor der Einführung des Gesetzes können die kritisierten Punkte noch geändert werden. (Lisa Aigner, derStandard.at, 10.1.2012)

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Rosa Stahl
00
23.1.2012, 09:48

Das ist doch absurd!

Zwei meiner Kinder gehen momentan ebenfalls in den Kindergarten, privat. Es gibt dort eine ganze Reihe ausländischer Kinder, v.a. auch viele Russen.
Und die russische Leiterin legt höchstes Augenmerk auf die sprachliche Förderung der Kinder, und zwar in Deutsch! Da kommt sogar zweimal wöchentlich eine Logopädin. Und siehe da, es funktioniert! Die Kinder lernen tatsächlich sehr schnell die hiesige Landessprache. Noch schneller gehts, wenn die Eltern die Materialien, die sie dafür vom Kiga mitbekommen, zu Hause mit den Kindern nochmals durchsehen.

BK W. Shoyssel
00
16.1.2012, 10:31
übrigens

Die Wissenschaft hat immer Recht

http://derstandard.at/132646646... gefaelscht

ride my pimp
24
12.1.2012, 19:52

Jawohl, holen wir die Migranten dort ab, wo sie sich kulturell und geistig (obschon in dritter Generation hier) befinden: in Anatolien, in Ex-Jugoslawien, usw.

Geld haben wir ja genug!

Und mit 23, wenn wir der deutschen Sprache nicht mächtige arbeitslose Bachelors haben, zahlen wir ihnen den AMS-Kurs für die Umschulung.
So funktioniert das nicht, auch wenn es SPÖ und Grüne mantraartig wiederholen.
Wer nicht will, dem kann man nichts eintrichtern, und wenn man noch so tolle Voraussetzungen schafft.

Viele Grüße, ein Deutschlehrer, der einen Gratis-Förderkurs angeboten hat und feststellen musste, dass jene, die ihn am bittersten nötig hätten, nämlich aufgrund Migrationshintergrundes, wieder nicht teilnehmen.
Geld haben wir ja genug!

Rosa Stahl
00
23.1.2012, 09:45

Danke für Ihr Engagement!

Leider ist das aber nichts Neues, ich habe auch als mehrfache Mutter in den div. Schulen recht oft erlebt, dass gerade bsplw Eltern von "Problemkindern" (Gewalt, Sprachprobleme...) trotz Aufforderung nicht gekommen sind... oder allenfalls dumme Bemerkungen gemacht haben. Detto die Kinder.

Timagoras
 
16
11.1.2012, 11:04
bedeutet das:

vietnamesisstämmige kinder müssen vietnamesich-förderunterricht bekommen,
albanischstämmige kinder müssen albanisch-förderunterricht bekommen,
serbischstämmige kinder müssen serbisch-förderunterricht bekommen,
chinesischstämmige kinder müssen chinesisch-förderunterricht bekommen,
polnischstämmige kinder müssen polnisch-förderunterricht bekommen,
iranischstämmige kinder müssen farsi-förderunterricht bekommen,
russischstämmige kinder müssen russisch-förderunterricht bekommen,
kurdischstämmige kinder müssen kurdisch-förderunterricht bekommen?

oder betrifft es nur eine einzige gruppe bzw. sprache?
und wenn ja, was ist mit all den anderen?

DirtyHarry
00
21.1.2012, 14:24

Das ist eben der falsche Ansatz.
Alle genannten sollten Deutsch-Förderunterricht bekommen.

Arbeiter
03
11.1.2012, 15:46
es sieht so aus, dass an dieser Stelle die Diskussionsfreiheit wieder einmal endet.

Immer wieder kommt dieselbe Leier der "SprachwissenschafterInnen" und niemals wird erlaubt zu demonstrieren, dass so ein Sprachangebot an alle Völker der Welt nicht machbar ist und dass ein Angebot nur für einzelne Gruppen viele Kinder benachteiligt überlässt. wenn man den SchreiberInnen glaubt.

Arbeiter
00
11.1.2012, 15:44
es siecht

Quim Barreiros
02
11.1.2012, 13:19

Ja. Und wie man leider immer wieder feststellt, werden bestimmte Gruppen dann immer bevorzugt. Man braucht sich bloß die offizielle Seite der Gemeinde Wien anzusehen. Da gibt es eine deutsche Version, eine englische Version, zwei Versionen in anderen Fremdsprachen, aber weder eine tschechische, noch eine slowakische, noch eine ungarische Version, obwohl das Minderheitensprachen im Sinne der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen sind.

Spucks
00
11.1.2012, 12:34
"bedeutet das: ..."

Ja.

_bs_
01
11.1.2012, 11:45
betrifft nur eine Gruppe

wie die Erfahrung zeigt, schaffen es alle anderen Migranten von selbst, die Sprache zu erlernen.

_bs_
00
11.1.2012, 11:44
betrifft nur eine Gruppe

wie die Erfahrung zeigt, schaffen es alle anderen Migranten von selbst, die Sprache zu erlernen.

_bs_
00
11.1.2012, 11:44
betrifft nur eine Gruppe

wie die Erfahrung zeigt, schaffen es alle anderen Migranten von selbst, die Sprache zu erlernen.

BK W. Shoyssel
21
11.1.2012, 09:42
abgehoben

die Damen und Herren Sprachwissenschaftler haben wohl keine Kinder im Vorschulalter oder diese besuchen einen katholischen oder Waldorfkindergarten.
Wer die Verhältnisse in öffentlichen wiener Kindergärten kennt, der kommt gar nicht auf die Idee, man könnte den Kindern ZU VIEL Deutsch beibringen.

Vorstadtmama
 
00
11.1.2012, 09:12
..den Kritikern fehlt jeder Sinn für die Realität...

Meinen Erfahrungswerten nach besteht die sprachliche Frühförderung in den Kindergärten hier in Wien in einer einmaligen Untersuchung durch einen Logopäden/eine Logopädin. Die Eltern bekommen einen Zettel mit dem Ergebnis. Selbst wenn beim Kind ein Sprachfehler oder eine verzögerte Sprachentwicklung festgestellt wird, gibt es keine Förderung vorort (nicht einmal auf Deutsch). Grund ist schlicht und einfach das fehlende Geld. In dieser Situation fordert man Sprachförderung auf Kurdisch, Bulgarisch, Chinesisch, Indisch und Norwegisch?

palmström
00
11.1.2012, 07:46
na wenn das jetzt so üblich ist

dito!

http://derstandard.at/plink/132... id24355053

odrr
00
11.1.2012, 08:24

die interessierten user haetten die antworten sicher nicht gelesen.....gut das sie ihre antwort auch wiederholen;))

palmström
00
11.1.2012, 08:58
und irgendwann landen wir in einer endlosschleife...

rondra
00
11.1.2012, 01:51
"Mutter"-DEUTSCH

Und wie steht die es um die Sprachkompetenz der Kids, deren "Mutter"-sprache Deutsch ist? Davon beherrschen viele nicht einmal EINE Sprache! Universitätslehrende können ein Lied davon singen.

rondra
00
11.1.2012, 02:02
Richtigstellung

SO habe ich das nicht geschrieben!

sociovation
14
10.1.2012, 23:58
Die Absicht ist eh klar

Kinder sollen durch eine bewusste Störung der natürlichen Sprachentwicklung vorsätzlich behindert und damit an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, damit man dann erst recht Stimmung gegen die Ausländer machen kann.
Das "gesunde Volksempfinden" ist halt zuweilen etwas extrem soziopathisches...

Rosa Stahl
00
23.1.2012, 09:49

in welchem Ideologie-Bunker lassen Sie denn arbeiten?

armin delmenhorst
 
10
11.1.2012, 19:03
Aber über diese billige Partei-PR

müssen Sie doch selbst lachen. Das Problem ist doch vielmehr kulturell determiniert.

Man muss zur Kenntnis nehmen, dass gewisse Kulturen sich einfach nicht eignen für die Intergration. Da kann man sich auch nicht hinwegschwindeln, indem man die Medienberichte manipuliert, indem man Kinder aus der Oberschicht als Integrationbeispiele präsentiert. Gerade bei Menschen aus diesen Problemländern sollte man die Zahl möglichst gering halten, wenn man an einer guten Integration, die nur ne Assimilation bedeuten kann, interessiert ist.

Hier muss man sich schon selbst auch an der Nase nehmen und sich eingestehen, dass z.B. Wien schon sehr lange keine Stadt mit deutschstämmiger Bev. mehr ist. Buseks, Caps, PELINKAS,Hojacs, etc. legen Zeugnis ab.

Einzelstimme
00
11.1.2012, 22:36

Was genau könnte man sich von deutschstämmig runterbeißen? Wie wichtig sind Familiennamen, die sich oft von Vaterseite und teilweise von Mutterseite ableiteten? Welchen Nachteil sehenS bei Namen wie Vilimsky gegenüber Grasser, Strache gg Strasser, Hojac gg Westenthaler? WollnS an Wettbewerb unter dem Motto deutsch, deutscher am deutschesten?

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