Soltanieh laut TV: Von der IAEO beaufsichtigt
Teheran/Wien - Der Iran hat am Montag nach eigenen
Angaben mit der Anreicherung von Uran in einer unterirdischen
Bunkeranlage begonnen. In der Atomanlage Fordow hätten
Wissenschafter damit begonnen, Uran bis zu einem Reinheitsgrad von 20
Prozent anzureichern, sagten Diplomaten am Sitz der Internationalen
Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien. Der Iran bestätigte,
dass mit der Urananreicherung in Fordow begonnen worden sei.
Die Arbeiten würden von der IAEO beaufsichtigt, zitierte der
TV-Sender Al-Alam den Vertreter der Islamischen Republik bei der
UNO-Atomaufsichtsbehörde, Ali Asghar Soltanieh. Die Atomanlage wurde in der
Nähe der den Schiiten heiligen Stadt Qom in einem Gebirgsmassiv
errichtet. Ihre Existenz räumte der Iran erst ein, nachdem sie
westliche Geheimdienste 2009 publik gemacht hatten.
Das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, schloss
ein Einlenken im Atomstreit mit dem Westen am Montag aus. Auch die
kürzlich verschärften Sanktionen würden den Iran nicht dazu bringen,
seine Atompolitik zu ändern, sagte Khamenei in einer im
Staatsfernsehen ausgestrahlten Rede. "Die iranische Nation glaubt an
ihre Führer ... Die von unseren Feinden gegen den Iran verhängten
Sanktionen werden keinerlei Einfluss auf die Nation haben", sagte er.
Die Entschlossenheit des Landes werde durch die Strafmaßnahmen nicht
erschüttert.
"Provokativer Akt"
Der britische Außenminister William Hague
hat den Produktionsstart von hochangereichertem Uran im Iran als
"provokativen Akt" verurteilt. Dass der Iran dies heimlich tue,
unterhöhle die Beteuerungen des Landes, das Programm habe
ausschließlich zivile Hintergründe, sagte Hague am Montag in London.
Der Iran könne keine glaubwürdigen Gründe vorweisen, warum das Land
diese Mengen an hochangereichertem Uran benötige.
Hague rief Teheran auf, die Produktion sofort zu stoppen. "Ich bin
extrem enttäuscht über die Entscheidung des Irans,
Anreicherungsprozesse (...) zu starten", sagte Hague.
Die US-Regierung bezeichnete die Urananreicherung indessen als neue "Eskalationsstufe" im
Atomstreit mit Teheran. Wenn in Fordow Uran auf 20 Prozent
angereichert werde, sei dies
eine "Eskalation" der "anhaltenden Verletzungen" der internationalen
Verpflichtungen des Iran, erklärte US-Außenamtssprecherin Victoria
Nuland am Montag.
Washington rufe den Iran auf, die Urananreicherung zu stoppen, voll mit der IAEO
zusammenzuarbeiten und alle Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats
einzuhalten, so Nuland. IAEO-Sprecherin Gill Tudor erklärte
zuvor, sie könne die Anreicherung des Urans bis auf 20 Prozent in
Fordow bestätigen.
Der Westen verdächtigt den Iran, heimlich an Atomwaffen zu
arbeiten. Die Führung in Teheran weist den Vorwurf zurück und pocht
auf ihr Recht auf friedliche Nutzung der Kernenergie. Die USA haben
kürzlich eine Verschärfung der Sanktionen gegen den Iran beschlossen,
um weiter Druck auf die Regierung auszuüben. Auch die Europäische
Union peilt weitere Strafmaßnahmen an, die den strategisch wichtigen
Ölsektor treffen sollen. Der Iran reagierte mit einem Marinemanöver
im Golf und der Drohung, die Meerenge von Hormuz zu sperren. Über die
Seestraße wird etwa ein Drittel des weltweit verschifften Erdöls
transportiert. (APA/Reuters)