Die Vienna Capitals empören ihren Präsidenten Hans Schmid und bangen ums Viertelfinale
Wien - Die guten Nachrichten zuerst. "Bei uns sind alle Voraussetzungen gegeben, um Erfolge zu feiern", sagt Hans Schmid, der Präsident der Vienna Capitals. "Die aktuelle Saison bestreiten wir mit unserem bisher höchsten Budget. Das Team samt Legionären hat auf dem Papier Qualität. Und die neue Halle wird von den Fans gestürmt." Die schlechte Nachricht: Das war's mit den guten Nachrichten. "Die Motivation in der Mannschaft fehlt", sagt Schmid. "Und die Chemie passt nicht."
Vier Spiele vor Ende des Grunddurchgangs in der Erste Bank Eishockey Liga (Ebel) ist die Qualifikation für die Platzierungsrunde der besten sechs Teams in höchster Gefahr. Die Wiener, als Mitfavorit in die Saison gestartet, zieren mit 36 Punkten aus 36 Spielen nur den siebenten Platz. Nach dem 1:5-Heimdebakel am Sonntag gegen Graz fehlen vier Punkte auf einen Playoff-Fixplatz.
"Diese Leistung war schon fast peinlich", schimpfte Tommy Samuelsson. Der Einschätzung des Cheftrainers aus Schweden schloss sich Präsident Schmid im Gespräch mit dem Standard "vollinhaltlich" an. "Das Auftreten des Teams war ein Skandal." Der Großteil der 5300 Fans in der Kagraner Schultz-Halle quittierte die Lustlosigkeit der Capitals-Cracks mit Pfiffen, die Hardcore-Fans zogen kurzfristig geschlossen aus ihrem Sektor aus.
Will man sich in der Hoffnungsrunde nicht mit Graz, VSV, Znojmo und Jesenice um die letzten zwei Tickets für das Viertelfinal-Playoff streiten, ist heute, Dienstag, ein Sieg bei Rekordmeister KAC Pflicht. Freilich muss auch bei Siegen in den restlichen Partien gegen Salzburg, Fehervar und Linz auf Umfaller der Konkurrenz gehofft werden.
"Die Chance lebt", sagt Schmid, auch wenn er das sehr leise sagt. Ohne Konsequenzen wird die Saison so oder so nicht bleiben. Schmid stellt das gesamte Team infrage. Er kritisiert damit direkt Sportdirektor Martin Platzer, der sich mit Trainer Samuelsson um die Zusammenstellung des Kaders gekümmert hat. Schmid: "Da habe ich mich kaum eingemischt." Zudem vermisst Schmid vor allem bei den Legionären "Spieler mit Herz und Charakter".
Die Statistik belegt die bisher verpatzte Saison eindrucksvoll. Dabei sind die Wiener mit einer Ausnahme (Rafael Rotter, Kreuzbandriss) vom Verletzungspech der vergangenen Jahre verschont geblieben. "Wir haben eines der schlechtesten Powerplays der Liga", sagt Schmid. Die Hintermannschaft glänzt auch nicht gerade, mehr Tore als die Capitals (121) haben nur Znojmo und Jesenice bekommen. Dabei hat Goalie Reinhard Divis noch Schlimmeres verhindert. Die Capitals, die 2005 Meister waren, laufen jedenfalls Gefahr, trotz des gut bestückten Kaders erstmals seit 2004 das Halbfinale zu verpassen.
Verstärken können sich die Wiener nur mehr mit einem Spieler. Zwei der drei erlaubten Transfers wurden schon vollzogen. Schmid: "Eigentlich wollte ich für den Fall einer Verletzung von Divis einen Ersatztormann verpflichten. Jetzt wird es doch ein Verteidiger werden." (David Krutzler, DER STANDARD Printausgabe, Dienstag, 10. Jänner 2012)