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Auch ein Projekt: Den seit vier Jahren originalverpackten Griller aus dem Keller zu holen, anzuheizen und Würstel draufzulegen.
2012 also. Zurück in der Welt der virtuellen sozialen Kontakte war diesmal, natürlich neben unzähligen Pelinka / Rudaswitzen, eine auffallende Flut an Mails oder Postings bezüglich Wohnungsgesuchen festzustellen. Und zwar Singlewohnungen. Was war denn bitte los zu Silvester? Die große Zäsur? Fruchten die verschiedenen Endzeitszenarien, die uns für 2012 propagiert werden, einerseits die Finanzkrise, andererseits die totale Auslöschung lt. Mayakalender am 21.12.? Was übrigens die Finanzkrise eine Spur lächerlich erscheinen lässt.
Wie auch immer, anscheinend gab es in der Weihnachtszeit 2011 beziehungstechnisch ordentlich Bröseln und man versucht vielerorts gleich mit dem jungen Jahr einen Lebensneustart. Eine Betroffene teilte mir mit, sie habe beschlossen, sie hätte, neben der Trauer über das Verlorene, außerdem die Schnauze voll von all den Thesen, was so passieren wird. Sie feiere ab jetzt das Fest der Jahreszeiten und zwar jeden Monat. Im Jänner den Jänner, im Februar den Februar und so weiter. Weil die Monate kommen gewiss daher, vor denen hat sie keine Angst, die kennt sie, auch die sperrigen.
So gesehen hat sie eine Religion gegründet, die des Jahres. Zugehörig fühlen darf sich jeder, der so ein Jahr zu durchleben hat. Öffentlich bekennen als Jahrist oder Jahristin muss sich natürlich niemand. So und wie es sich für eine echte Religion gehört, können wir das ganze Szenario zugunsten der Mächtigen verändern. Die Katholer haben uns das recht gut vorgemacht. Die Mächtigen wollen diesmal aber wir sein, also wird das Jahr ein wenig umgemodelt.
Du bist der erste der weg muss
Dem Winter begegnen wir am besten mit Arroganz. Ja, sei du nur, mit viel oder wenig Schnee, du bist trotzdem der erste, der heuer weg muss. Der Frühling wird hofiert mit recht viel hormonellem Output, was sich übrigens auch ganz gut mit einer gewissen Trauerphase vereinbaren lässt, sollte man sich jetzt gerade unter den Wohnungssuchenden befinden. Im Frühling, da ist man gewiss wieder wo daheim und unter den ersten warmen Sonnenstrahlen lässt es sich sehr gut wieder vorsichtig umschauen.
Im Sommer wird auf die Pauke gehaut und zwar ganz individuell. Entweder mit einer großen Reise oder einem neuen Partner oder, wie in meinem Fall, der diesmal hundertprozentigen Gegebenheit, den seit vier Jahren originalverpackten Griller aus dem Keller zu holen, anzuheizen und Würstel draufzulegen. Ist auch ein Projekt.
Der Herbst wird neu aufgeteilt, der heißt, solange er noch warm ist, weiter Sommer, sodass man sich insgesamt südländischer vorkommen kann. Und ab den kühlen Stürmen heißt er Vorwinter, was gut ist, weil der Winter bekanntlich der ist, der als erster weichen muss (siehe oben). Irgendwann dazwischen ist Silvester 2012 - und wenn das dann vorbei ist, bemerkt man ganz nebenbei, dass man den Weltuntergang umgehen konnte.
Sehr gute Religion. Braucht nicht mal ein Nudelsieb auf dem Kopf als Symbolik. Oder eine Monstranz. Wir haben die Bäume, die sind überall. Ein schöner Gruß von Jahristen wäre „Good Year", aber das haben schon die Autoanbeter gepachtet.
Ich wünsche allen Neustartern oder auch Durch- und Weiterfahrern ein gutes neues Jahr. (derStandard.at, 9.1.2012)
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