Landesweiter Streik gegen Benzinpreiserhöhung

9. Jänner 2012, 14:44

Ende der Subventionen führte zur Verdoppelung der Benzinpreise - Ein Toter bei Zusammenstößen von Demonstranten mit Polizei

Addis Abeba/Abuja - Während des landesweiten Streiks in Nigeria gegen die stark gestiegenen Benzinpreise hat die Polizei am Montag nach Gewerkschaftsangaben einen Demonstranten erschossen. Der Vorfall habe sich in der Wirtschaftsmetropole Lagos ereignet, teilte der Vorsitzende des Nigeria Labour Congress (NLC), Abdulwahed Omar, mit. In der nördlichen Stadt Kano gab es laut Rotem Kreuz bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten mindestens 14 Verletzte, davon sieben mit Schusswunden. Der Rot-Kreuz-Verantwortliche Musa Abdullahi sagte, die Zahlen bezögen sich auf ein Krankenhaus. Weitere Verletzte seien in andere Kliniken eingeliefert worden.

Ein AFP-Reporter berichtete aus Kano, die Polizei habe in die Luft geschossen und Tränengas eingesetzt, als tausende Demonstranten versuchten, das Büro des Gouverneurs zu stürmen. Einige Demonstranten setzten zwei Fahrzeuge in Brand und versuchten, das Haus von Zentralbankgouverneur Lamudi Sanusi anzuzünden, wurden aber von der Polizei daran gehindert.

Mit der überraschenden Reduzierung der Subventionen für Treibstoff zum 1. Jänner hatten sich die Benzinpreise in Nigeria mehr als verdoppelt. Das nigerianische Unterhaus forderte die Regierung am Sonntag in einer Krisensitzung auf, ihre Entscheidung zu überdenken. Das bevölkerungsreichste Land Afrikas ist zugleich der größte Ölproduzent des Kontinents. In Nigeria ist die Lage derzeit äußerst angespannt. Bei mehreren Angriffen auf Christen wurden seit den Weihnachtstagen dutzende Menschen getötet.

Präsident Goodluck Jonathan hatte am Wochenende eine Kürzung der Gehälter aller hochrangigen Politiker und Spitzenbeamten um 25 Prozent angekündigt, um den Streik doch noch abzuwenden. Er appellierte an die Bürger, den Frieden im bevölkerungsreichsten Staat Afrikas zu bewahren: "Ich möchte jedem Nigerianer versichern, dass der derzeit gefühlte Schmerz nur vorübergehend ist."

Bittere Armut trotz Ölreichtum

Es wird erwartet, dass nicht nur Angestellte der Ölindustrie, sondern auch Mitarbeiter zahlreicher anderer Branchen die Arbeit niederlegen werden. Der britische Sender BBC berichtete, dass sich unter anderem auch Anwälte und Studenten an den Protesten beteiligen wollten. Wie lange der Streik dauern wird, war zunächst offen. Obwohl der Krisenstaat das größte Öl-Förderland Afrikas ist, leben die meisten Menschen weiter in bitterster Armut.

In der Hauptstadt Abuja wurden die Sicherheitsvorkehrungen weiter verschärft. Das Land kommt seit Wochen nicht zur Ruhe. Bei Anschlägen von Islamisten auf Christen starben am Wochenende erneut zahlreiche Menschen. Sicherheitsbehörden machen die radikalislamische Sekte Boko Haram für den Terror verantwortlich. Diese hatte die Christen ultimativ aufgefordert, binnen drei Tagen den Norden zu verlassen, und ihnen weitere Gewalt angedroht. (APA)

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13 Postings
Thirona Sul
00
10.1.2012, 13:29
Welche Vergleiche...

...werden hier denn gezogen???

Nigeria ist eines der erdölfördernden Länder der Erde. Im Grunde sollte ausgerechnet in solch einem Land der Treibstoffpreis noch niedriger sein. Zudem ist dort die Arbeitslosigkeit weit höher, die Hygiene- und Medizinmöglichkeiten niedriger sowie das monatl. Gehalt (falls jemand mal Arbeit hat) sehr viel niedriger als in Österreich. Das nigerianisch politische und wirtschaftliche System ist doch keinesfalls mit einem europäischen zu vergleichen!

Ruth Schlabbeeritzka-Pangl
00
10.1.2012, 07:06
Streik

Die Nigerianer werden uns jetzt um unser braves Kraftfahrervieh beneiden, das jede Benzinpreiserhöhung, demutsgebeugt, als gottgegebenen Schicksalsschlag hinnimmt, ohne zu murren!

Michael Schmied
00
"Ich möchte jedem Nigerianer versichern, dass der derzeit gefühlte Schmerz nur vorübergehend ist."

Eines der reichen afrikanischen Länder wird durch Korruption in den Bürgerkrieg getrieben - könnte man auch sagen.

nichtkaefer
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Wieviel Cent pro Liter kostet Benzin jetzt?

walter helfmann
00
10.1.2012, 01:26
fahren wir zu tanken nach nigeria!

es zahlt sich aus.

Hört auf mich
00
WRN
04

Das ist ganz egal.

Die Frage darf nur in Relation mit 2 anderen gestellt werden:

"Wie viel Cent kostet der Liter jetzt?"

und

"Was ist das durchschnittliche Haushaltseinkommen in Nigeria?"

sowie zuletzt

"Wie wirkt sich das auf die Preise im Supermarkt (auch für nicht-Autobesitzer) aus?"

donaquijote
02
10.1.2012, 01:28

150 naira; d.s. ca. 75 cent.

der durchschnittsverdienst sagt aufgrund großer sozialer unterschiede und dementsprechender riesiger unterschiede in den lebenshaltungskosten wenig aus. die industrie zahlt monatsgehälter um ca. 1.500 euro. in den gewerbebetrieben liegt das einkommen wesentlich darunter. im gastgewerbe etwa beträgt es 160 bis 200 euro.

die arbeitslosenrate beträgt ca 23 %, die arbeitsquote 56 % - die meisten arbeitslosen bzw. eben menschen, die mehr oder weniger von der hand in den mund leben gibt es in den ländlichen gebieten.

lebenshaltungskosten: bitteschön: in usd. 1 usd = ca. 80 euro-cent
http://www.numbeo.com/cost-of-l... ry=Nigeria

inflationsrate: ca. 12 %

mehr geht nicht - echt nicht!!!!

zebrafuss
00
10.1.2012, 01:42
das heißt aber, dass die lebenshaltungskosten ungefähr so hoch sind, wie bei uns

bzw. dass die schattenwirtschaft groß ist. vielleicht könnte man da noch einen mythos ansprechen, weil wir immer vom reichen ölland nigeria sprechen. die ölindustrie liegt mehr oder weniger darnieder:

voriges jahr trug sie lediglich 15 % zum bip bei, macht aber über 90 % des exports aus.

hauptmotor war die landwirtschaft mit 43 % und das ist wohl gut so, denn sonst würden die menschen verhungern.

na ja, wie sehr wird sich die teuerung auswirken? ich nehme an, dass ausländische produkte, andere comodity goods, die geliebten maggi-cubes, custard powder, eventuell auch vita malt - also alles, was irgendwie professionell durch's land gekarrt wird, teurer werden wird. weniger wird es sich auf lokale preise auswirken, aber natürlich auch.

beutiful diaspora
00
10.1.2012, 02:44

aber das werden wir hier in österreich auch spüren, oder?

zebrafuss
00
10.1.2012, 02:49

möglich. kommt auf den importeur an. schauen wir einmal. aber so poundo yam oder so, wahrscheinlich schon - mhm :-(
kommt übrigens u.a. aus einer firma, die ein ehemaliger asylwerber aufgebaut hat - darauf bin ich irgendwie stolz.

LGL
00
10.1.2012, 09:17
Daraus folgt: Lassen wir die Asylwerber hier etwas lernen

und schicken sie - aber wirklich - dann wieder heim. Das hilft ihnen und ihrem Heimatland. Bessere Entwicklungshilfe gibt es wohl kaum

zebrafuss
00
10.1.2012, 23:50

ein paar projekte gemeinsam mit staatlicher unterstützung und wirtschaft wären schon super. oder auch lernen einen größeren bauernhof zu führen ... oder müll-recycling ... dort gibt es viele betätigungsfelder ...
na ja, ein trauriges kapitel.

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