Eurofighter

Kräuter bleibt bei Aus für "fliegende Fotoapparate"

Interview | Katrin Burgstaller, 9. Jänner 2012, 15:14
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    foto: apa/apa/helmut fohringer

SP-Bundesgeschäftsführer glaubt, dass spätestens Mitte des Jahres die Rückabwicklungsdiskussion um die Eurofighter "voll ausbricht"

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter hat in seiner Partei für Aufregung gesorgt, als er anregte, die Eurofighter zu verkaufen und dafür die Luftraumüberwachung an Nachbarstaaten auszulagern. Im derStandard.at-Interview erklärt er, wieso er an der Forderung nach wie vor festhält. An der Causa Pelinka kritisiert er, dass dessen Bestellung vor der Ausschreibung erfolgt ist. Außerdem stellt er dem Koalitionspartner ÖVP die Rute ins Fenster: Die Österreicher müssten sich nur dann nicht vor dem Sparpaket fürchten, wenn in der ÖVP "die Einsicht reift, dass man auf der Einnahmenseite auch von den Vermögenden höhere Beiträge zu verlangen hat".

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derStandard.at: Sie haben gestern in der "Kronen Zeitung" Ihre Forderung wiederholt, dass die Eurofighter verkauft werden sollen und die Luftraumüberwachung an Nachbarstaaten ausgelagert wird. Wieso sind Sie in der Frage so beharrlich?

Kräuter: Die Chance einer Rückabwicklung des Deals ist mehr als intakt. Es gibt bekanntlich das Geständnis eines gewissen Gianfranco Lande, wonach beim Eurofighter-Deal Millionen gewaschen wurden. Ich rechne damit, dass spätestens Mitte des Jahres die Rückabwicklungsdiskussion voll ausbricht. Die Verdachtsmomente, dass die Eurofighter-Kaufentscheidung nicht ordnungsgemäß zustande gekommen ist, verdichten sich immer mehr.

derStandard.at:  Verteidigungsminister Darabos sagt, die Auslagerung der Luftraumüberwachung sei mit der Neutralität nicht vereinbar.

Kräuter: Es ist verfassungsrechtlich für mich völlig klar, dass die österreichische Neutralität keine Luftraumüberwachung erfordert. Tatsächlich fungieren die Eurofighter als fliegende Fotoapparate. Wir sollten uns schon jetzt grundsätzlich die Frage stellen, was kommt, wenn wir die Eurofighter endlich zurückgeben können. 57 Prozent der Österreicher sind übrigens laut einer Gallup-Umfrage für den Verkauf. Nur 29 Prozent wollen die Eurofighter behalten.

derStandard.at: Aber in Artikel 9a, Absatz 1 der Bundesverfassung steht, Österreich bekenne sich zur umfassenden Landesverteidigung. Die Luftraumüberwachung gehört da nicht dazu?

Kräuter: 2002 hat der Verfassungsexperte Theodor Öhlinger im Zuge der Eurofighter-Anschaffung festgestellt, dass sich aus dem Neutralitätsgesetz nicht ableiten lässt, dass man diese Waffe braucht.

derStandard.at: Sie haben sich unter anderem von Ihrer eigenen Partei wegen Ihres Vorschlags einige Rüffel abholen müssen. SPÖ-Wehrsprecher Prähauser sagt, Sie sollten sich mit Fachleuten beraten, bevor Sie solche Vorschläge machen. Darabos sprach von einem "undurchdachten Ansinnen".

Kräuter: Ich habe Rechtswissenschaften studiert und beschäftige mich seit Anbeginn intensiv mit dem Eurofighter-Deal. Ich war auch Fraktionsvorsitzender im Eurofighter-Untersuchungsausschuss. Das möchte ich dem entgegenhalten.

derStandard.at: Also ist der Verteidigungsminister in der Neutralitätsfrage nicht umfassend informiert?

Kräuter: Das möchte ich damit nicht sagen. Ich will diese Debatte sachlich führen, und ich respektiere auch andere Positionen. Aber die Bevölkerungsmeinung ist eindeutig.

derStandard.at: Der Verteidigungsminister hat es momentan ohnehin nicht leicht. Wieso erschweren Sie ihm zusätzlich das Leben mit Ihren Vorschlägen?

Kräuter: Ich richte mich nicht gegen den Verteidigungsminister, sondern gegen die Eurofighter. Auch er selbst sagt, wenn es eine Rückabwicklung gibt, stellt sich die Sache anders dar.

derStandard.at: Trotzdem scheren Sie aus der Parteilinie aus. Schaden Sie Ihrer Partei damit?

Kräuter: Es geht möglicherweise um einen gigantischen Korruptionsskandal und eine interessante verfassungsrechtliche Diskussion. Das hat weniger mit einer Parteilinie zu tun.

derStandard.at: Wenn wir schon beim Thema Schäden für die Partei sind, kommen wir zur Causa Niko Pelinka. Schadet diese Debatte der SPÖ?

Kräuter: Nützen tut sie uns jedenfalls nicht. Aber: Ich spreche mich dagegen aus, dass man jemanden aufgrund seines Aussehens oder seines Alters disqualifiziert. Das ist mit sozialdemokratischen Wertehaltungen absolut nicht vereinbar. Man kann dagegen selbstverständlich immer über die Eignung oder Ausbildung für Funktionen aller Art diskutieren. Es wird ein Hearing geben, dort wird man sehen, wie sich der Kandidat Pelinka und andere Bewerber bewähren. Zu kritisieren ist, dass die Information über die Bestellung Pelinkas vor der Ausschreibung erfolgt ist. Hier schließe ich mich der Meinung von Anton Pelinka an.

derStandard.at: Auch Vertreter Ihrer Partei kritisieren, dass der Anschein erweckt wird, als würde die SPÖ Einfluss nehmen wollen auf die Geschicke des ORF und die Berichterstattung.

Kräuter: Nicht einmal einer der Hauptkritiker, Armin Wolf, zweifelt an, dass in den Redaktionen völlig frei und unabhängig gearbeitet wird. Man darf nicht vergessen, dass das im ORF wirklich eine Errungenschaft der letzen Jahre ist.

derStandard.at: Aber die Befürchtung ist, dass diese Errungenschaft wieder verlorengeht.

Kräuter: Das liegt an den Akteuren. Die Redakteure des ORF sind selbstbewusst genug.

derStandard.at: Ein anderes Thema: Derzeit führt die Regierung Geheimverhandlungen über das Sparpaket. Müssen sich die Österreicher vor dem Sparpaket fürchten?

Kräuter: Nur dann, wenn in der ÖVP nicht die Einsicht reift, dass man auf der Einnahmenseite auch von den Vermögenden höhere Beiträge zu verlangen hat. Eine Million Österreicher sind armutsgefährdet, 511.000 können den Mindeststandard nicht mehr finanzieren. Umgekehrt hat die Millionärsdichte im Krisenjahr 2010 um 7,2 Prozent zugenommen, diese konnten ihre Vermögen um 9,5 Prozent erweitern. Die ÖVP muss in der christlich-sozialen Lehre nachblättern, wo es eindeutige Bekenntnisse zur sozialen Gerechtigkeit und Solidarität gibt. Ich appelliere an die ÖVP, dass sie Vernunft annimmt. Man kann die Gesellschaft schnell spalten, darüber muss man sich auch in heiklen und hektischen Verhandlungen im Klaren sein.

derStandard.at: Apropos Verhandlungshektik: Wie soll sich die Regierung jetzt in ein paar Tagen über etwas einigen, worüber sie sich schon seit Jahren streitet?

Kräuter: Wenn eine Frage finanztechnisch einfach lösbar ist, ist es nur eine Frage der politischen Einigung. Die Erbschaftssteuer beispielsweise hat es bereits gegeben und hat eine entsprechende Tradition.

derStandard.at: Wenn die ÖVP in der Erbschaftssteuerfrage nachgibt, würde die SPÖ bei den Studiengebühren einlenken?

Kräuter: Es geht nicht um einen Verhandlungsbasar. Ich möchte keine Spekulationen anstellen und die Verhandlungsführung konterkarieren.

derStandard.at: Ihr Koalitionspartner nähert sich der FPÖ-Forderung an, dass auf Volksbegehren, wenn sie einen bestimmten Zuspruch erhalten, eine Volksabstimmung folgen sollte. Wie sehen Sie das?

Kräuter: Darüber muss man sehr sorgfältig nachdenken. Nehmen wir das Beispiel Brennerbasistunnel: In Bundesländern, die davon vordergründig nicht profitieren, wird man sehr schnell eine Antistimmung erzeugen können, ebenso etwa bei der Errungenschaft der Fristenlösung. Ich warne vor einer leichtfertigen Abkehr vom repräsentativen parlamentarischen Prinzip. (Katrin Burgstaller, derStandard.at, 9.1.2012)
 

GÜNTHER KRÄUTER, geboren 1956 in Leoben, ist Bundesgeschäftsführer der SPÖ und seit 1991 Abgeordneter zum Nationalrat. Der Jurist ist seit der Nationalratswahl 2008 gemeinsam mit Laura Rudas Geschäftsführer der SPÖ.

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Ludwig Wahnsinn
00
16.1.2012, 08:56
Zeltweg Hngar

verkaufen wir den auch , der hat in etwas 450 mio gekostet , oder vermieten wir den an die aua ?

herr Kräuter , bitte gehen sie ihren namen nach und werden sie sammler

Lünz
01
13.1.2012, 20:52
Kräuter, Rudas, Pelinka und Co. - Die perfekten Trojanischen Pferde der Rechten.

DERHETZER1
21
13.1.2012, 13:14
Bitte so bald als möglich aus EF-vertrag aussteigen!

der herr VM sollte so schnell wie möglich einen grund finden, um aus dem EF-vertrag so schnell wie möglich aussteigen bzw. rückabwickeln zu können. am besten wäre, er würde alle österreichischen EF zurück nach manching fliegen lassen, die piloten könnte man ja mit den 105'er saab zurück fliegen, bzw. sie gleich zur nächsten US-basis fliegen, um von dort günstige gebrauchte F16 mitzunehmen. auch günstige gebrauchte chengdu-J7 aus china wären eine option, die für den österreichischen bedarf mehr als ausreichend wäre. der EF ist sicher eine tolle maschine,aber österreich kommt mit einfachem gebrauchten gerät ebenso gut aus. oder hat Ö vor, in den nächsten jahren in den krieg zu ziehen? na also: save austrian taxpayers money, BUY F16!

fex1
12
13.1.2012, 00:04
Nachlesen...

Ist der Typ nicht auf die Verfassung angelobt worden? Der sollmmal lesen was da so im Bezug auf Landesverteidigung drinsteht!

Jack Reacher16
11
14.1.2012, 12:59

Von eurofightern steht da aber nix drinnen

Lünz
00
15.1.2012, 08:07

Mich würde trotzdem intereesieren, was der Herr Rechtswissenschaftler zu Neutralität und Stationierung ausländischer Truppen in Österreich sagt.

Cpu
01
14.1.2012, 16:11
von outsourcen der LRÜ aber auch nix

das ist fix
04
12.1.2012, 18:08
Könnte man

nicht auch den SPÖ-Bundesgeschäftsführer in irgendein Nachbarland auslagern?

Geld Beutel
 
14
12.1.2012, 09:48
Schussel, der Kräuter !

"Es ist verfassungsrechtlich für mich völlig klar, dass die österreichische Neutralität keine Luftraumüberwachung erfordert." + "... habe Rechtswissenschaften studiert ... "

Einen größeren Blunzenschwachsinn habe ich schon lang nicht mehr lesen müssen!

"Umfassende LV" heißt ALLE Waffengattungen, und nicht nur jene, die mir genehm sind ... oder sexy, oder finanzierbar, oder ... in mein Parteibuch passen!

Man kann klarerweise darum streiten, ob der EF nun das beste Fluggerät war, aber dies mit der Un-Notwendigkeit einer umfassenden LV zu verbinden, lässt mich schaudern.
Und zwar für das Gedankengut in der Politik.

Mit ist zwar bewusst, dass Politiker Opportunisten sind ... aber so?

Und DER hat Recht gelernt?

GB

ceiberweiber.at
00
12.1.2012, 18:54
Sie haben recht....

man sollte ihn einfach outsourcen....

straßenkehrer
02
12.1.2012, 10:07

Dann wird es aber höchste Zeit für Atomraketen.

Geld Beutel
 
10
12.1.2012, 12:38
Ich glaube, dass ich missverstanden wurde. (offensichtlich)

Auch wenn mir das bissl Ironie nicht entgangen ist, wird, wie ich finde, die Diskussion nicht ernst betrieben. Atomrakten müssen ja wirklich nicht sein. ;-)

Für/wieder dem EF ist legitim, aber nicht ob pro/kontra der 'umfassenden LV'.

Zumindest nicht so lange, als es die derzeitig gültige Version der österr. Verfassung gibt.
Wenn diese durch 2/3-Mehrheit geändert wird und wir uns auf das Bereitstellen von bspw. Ärzten oder Pionieren für intern. Einsätze beschränken (wollen), dann soll es mir auch recht sein.

Aber bis jetzt gilt die Verfassung Österreichs auch für alle Politiker und auch für die Herrn Politiker der SPÖ - auch wenn sie Recht studiert haben.

GB

ceiberweiber.at
10
12.1.2012, 19:04
Falls kräuter...

davon ablenken wollte. dass luftraumüberwachung keineswegs nur vor illegalen militärischen überflügen schützen soll, ist ihm das gelungen. fallen sie doch nicht auch drauf rein! realiter geht es vor allem um zivile flugzeuge, die vom kurs abkommen - in anderen postings werden dazu auch zahlen genannt.

Der Ruhestifter
 
12
12.1.2012, 22:01
Was reden's da für wirres zeug?

Zivile luftraumsicherung ist selbstverständlich eine notwendigkeit. Das hat aber mit umfassender landesverteigung rein gar nichts zu tun. Daher hat die frage, ob und warum man verirrte zivile flugzeuge beobachten muss, absolut nichts mit kräuters feststellung zu tun, dass die notwendigkeit von flugzeugen nicht aus der verfassung ableitbar ist. Wer das nicht kapiert, ist ein holzkopf. Und zwar völlig unabhängig davon, ob kräuter inhaltlich recht hat.

Geld Beutel
 
10
13.1.2012, 11:57
In Zeiten, in denen Passagierflieger gegen Wolkenkratzer fliegen ...

... sollten Sie vielleicht ihren Post nochmals überdenken.

Genau für 'vom Kurs abgekommene' zivile Flieger werden Abfangjäger benötigt.

GB

Der Ruhestifter
 
11
13.1.2012, 19:26
Und was ist in diesem zusammenhang der sinn von fotos?

Natürlich gibt es die möglichkeit, dass man durch terrorangriffe vor die wahl zwischen der hinnahme eines angriffs und einer gewaltsamen, und mit erheblichen kollateralschäden behafteten, abwehr steht. Es gibt auch die möglichkeit, dass österreich im militärische auseinandersetzungen auf dem europäischen kontinent verwickelt wird. Man kann und soll solche realen szenarien analysieren und gegenstrategien im kontext und als teil europäischer sicherheitspoltik definieren.

Vollkommen lächerlich ist es dagegen, erst eine herde heiliger kühe (neutralität, souveränität, wehrpflicht,...) auf die weide zu treiben, dann irgendwelche geschichten über 1934 zu erzählen, und dann zu glauben, man habe die notwendigkeit der heiligen kühe bewiesen.

schnaps01
00
12.1.2012, 11:39

Wollen sie auf die gleiche Liste wie der Iran? :P

fredi 1990
31
11.1.2012, 10:28
die will doch keiner kaufen! wer sollte diesen schrott nur wollen?

Mathias Steinlaus
 
53
11.1.2012, 09:30
der Euro-Fighter ...

... wurde nur deswegen angeschafft, damit der feuchte Traum des NATO-Beitritts des Wolfang Schüssels wahr würde ...

Selbst die Schweizer Luftwaffe braucht keine Euro-Fighter, und entscheidet sich für die günstigere Saab Gripen ...

( http://www.vbs.admin.ch/internet/... 0.nsb.html )

Lünz
00
13.1.2012, 20:49

...und Kräuter führt die Idee des Natobeitritts (indirekt) weiter fort.

Hubert Ungeist
 
01
12.1.2012, 05:48
Äh, da sind 24 Flieger schon zu wenig

und zweitens die vielfach geforderten F16 passen besser ins Natokonzept. Gripen sind übrigens auch in der Nato vertreten.

Cpu
03
11.1.2012, 10:06
Ihnen ist aber schon klar dass die Schweiz auch noch 34 F-18 hat und

diese das Schwergewicht der Schweizer LRÜ darstellen?

uni versalis
00
11.1.2012, 18:11
es war auch davon die rede, die f-18

zumindest partiell durch die neuen flieger zu ersetzen. deswegen war ja die f-18 auch der maßstab bei der technisch-operatinellen evaluierung.

Martin Rosenkranz, airpower.at
07
11.1.2012, 19:32
Der Gripen

wir die F-5 ersetzen.

Von abstellen der Hornets ist kein Gedanke.

uni versalis
00
11.1.2012, 23:33
stand im tagesanzeiger oder in der basler zeitung

ich schätze anfang dezember.

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