Vertraut den Frauen doch einfach

9. Jänner 2012, 16:24
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Ein Gesetz gegen Abtreibung hier, eines da: 2011 waren Reproduktionsrechte unter Dauerbeschuss, aber im neuen Jahr holen US-Frauenrechtsgruppen zum Gegenschlag aus

2011 war kein gutes Jahr für Reproduktionsrechte in den Vereinigten Staaten. Das Fazit des "Kriegs gegen Frauen", wie Annie Shields vom Ms.blog den seit Jahren zu beobachtenden Backlash harsch bezeichnet: Bundesweit wurden 92 neue Gesetzgebungen erlassen, die den Zugang zu Abtreibung oder bestimmten Verhütungsmethoden für Frauen erschweren - so viele wie nie zuvor.

Mitte des Jahres gab es einen Lichtblick, als die Pille und Co. auf Krankenschein Wirklichkeit wurde - auch die "Pille danach" fällt darunter; im Dezember aber schob das Gesundheitsministerium einer erweiterten Freigabe der Notfallverhütung den Riegel vor: Ohne Rezept soll sie an Frauen unter 17 Jahren nicht abgegeben werden dürfen. Damit setzte sich das Ministerium zum ersten Mal überhaupt über eine Empfehlung der Arzneimittelzulassungsbehörde FDA hinweg, die die Altersgrenze aufheben wollte. Aufhorchen ließ auch ein geäußerter Generalverdacht gegenüber Hormonkontrazeptiva von Seiten des von Kathleen Sebelius geführten Ministeriums, wo man die Gesundheit der Pillen-Nutzerinnen mit einem Mal durch Thrombosen in Gefahr sieht.

2012 aber soll anders werden. Es soll das Jahr werden, indem sich die Frauen erfolgreich gegen diese Einschränkungen zur Wehr setzen. Zumindest haben sich das verschiedene US-Frauenrechtsgruppen auf die Fahnen geschrieben: "Trust Women", "Vetrau(t) den Frauen" ist die unmissverständliche Ansage an die Politik, die sich nach Ansicht der FrauenrechtlerInnen mehr und mehr von Konservativen und Religiösen vereinnahmen lässt.

Die letztjährig gestartete Kampagne Trust Women der Silver Ribbon Campaign kommt im neuen Jahr mit einer passend neuen Vehemenz daher - gerade, weil 2011 ein Jahr der Rückschritte war. 42 Pro-Choice-Organisationen haben sich dafür zusammengeschlossen, um "Pro-Life"-Gruppen und deren mitunter aggressiven und rassistischen öffentlichen Auftritten breiträumig Kontra zu geben. 70 Fahnen wehen derzeit unübersehbar in San Francisco. Bis Ende Januar soll das auch so bleiben.

Den Höhepunkt erreichen die Aktionswochen am 22. Januar, wenn der 39. Jahrestag des Präzedenzurteils Roe v. Wade gefeiert wird. Seitdem ist in den USA Abtreibung bis zum Zeitpunkt der Lebensfähigkeit des Fötus erlaubt. Dass das auch im Dauerfeuer der AbtreibungsgegnerInnen so bleibt, dafür will "Trust Women" sorgen. Hand drauf. (red/dieStandard.at, 9.1.2012)

  • "U.S. Out of My Uterus": Diese Fahnen wehen in San Francisco als ein kräftiges Lebenszeichen der Pro-Choice-Organisationen.
    foto: silver ribbon fahnenmotive/ms.blog

    "U.S. Out of My Uterus": Diese Fahnen wehen in San Francisco als ein kräftiges Lebenszeichen der Pro-Choice-Organisationen.

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