Reform

Familienbeihilfe soll umgekrempelt werden

9. Jänner 2012, 13:08

AK und IV wollen 210 Euro pro Kind und Schecks statt steuerlicher Absetzbarkeit - Familien mit jüngeren Kindern als Gewinner, jene mit mehr Kindern als Verlierer - Zustimmung von SPÖ, Ablehnung von ÖVP

Wien - Arbeiterkammer und Industriellenvereinigung treten nun gemeinsam für eine Totalreform der Familienförderung ein: Geld- und Steuerleistungen sollen zu einer einzigen "Familienbeihilfe neu" zusammengeführt werden, zusätzlich soll es zweckgebundene Gutscheine und einen Ausbau der Kinderbetreuungsplätze geben, erklärten AK-Präsident Herbert Tumpel und IV-Präsident Veit Sorger. Das Modell soll den Ausbau der Betreuungsplätze beschleunigen, gleichzeitig aber Einsparungen von rund 100 Millionen Euro ermöglichen. Dass es dabei auch Verlierer geben könnte, wurde nicht in Abrede gestellt.

Der Vorschlag im Detail:

- Eine einzige "Familienbeihilfe neu": Diese Zusammenführung aller geldwerten Leistungen und Steuerleistungen unabhängig vom Alter und der Familienstruktur tritt an die Stelle vieler unübersichtlicher Transfers. "Für jedes Kind gibt es eine Geldleistung von 210 Euro pro Monat unabhängig von Alter und Anzahl der Kinder. Dieses Modell ist einfach, transparent und aus unserer Sicht treffsicherer als das derzeitige unübersichtliche System", erläuterte IV-Präsident Sorger. "Außerdem ist damit klarer, dass jedes Kind grundsätzlich gleich viel wert ist. Für Eltern von behinderten Kindern (plus 140 Euro pro Monat) und für Alleinerziehende (plus 50 Euro pro Monat) gibt es natürlich weiterhin mehr Geld. Sie sind ja stärker belastet als andere Eltern", betonte AK-Präsident Tumpel.

- Zweckgebundene Gutscheine im Wert von 35 Euro im Monat pro Kind fördern die Familien darüber hinaus dort, wo sie es individuell am meisten brauchen - bei der Betreuung und der Bildung der Kinder. Die Gutscheine können entweder gebündelt (für Kinderbetreuung, Nachmittagsbetreuung, Skikurse, Nachhilfeinstitute, Sprach- und Musikausbildung usw.) oder nach und nach (für Tageseltern, Ganztagesschulen usw.) eingelöst werden.

- Durch Umschichtungen bei den Familienleistungen von Geldleistungen und Steuerabsetzbarkeit hin zu Sachleistungen kann der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen rasch gedeckt werden. Ziel von IV und AK ist dabei die Schaffung von 35.000 neuen Betreuungsplätzen für unter Dreijährige binnen vier Jahren, die Erweiterung der Öffnungszeiten von weiteren 70.000 Kinderbetreuungsplätzen sowie eine Verbesserung der pädagogischen Qualität (kleinere Gruppen, mehr Personal).

Hauptziel der gemeinsamen Vorschläge von Arbeiterkammer und Industriellenvereinigung ist eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. "Einer Alleinerzieherin eines Zweijährigen, die im Handel arbeitet, hilft ein Kindergartenplatz weit mehr als ein Steuerabsetzbetrag", ist sich Tumpel sicher. Durch den Ausbau der Kinderbetreuung könnten mehr als 10.000 Arbeitsplätze in der Kinderbetreuung selbst geschaffen werden. Darüber hinaus könnten mehr als 27.000 Eltern - vor allem Mütter - erwerbstätig sein, die zuvor durch Betreuungspflichten daran gehindert waren. "Davon profitieren beide Seiten: Betriebe ebenso wie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", betonte Sorger.

Die Mittel der Familienförderung wären außerdem zielorientierter und effizienter eingesetzt, der Verwaltungsaufwand dagegen geringer. "Die Rechnung geht auch für den Staat auf", sagte Sorger. "Durch die neue Familienförderung würde ein Einsparungsvolumen von 100 Millionen Euro frei."

Gewinner und Verlierer

Laut Auskunft der Arbeiterkammer würden von diesem neuen System vor allem Familien mit jüngeren Kindern profitieren. Eine nachteilige Wirkung entstünde erst für Familien mit Kindern ab 15 Jahren, wenn es mehrere Kinder im Haushalt gibt. An der Altersbeschränkung für den Bezug der Familienbeihilfe soll sich nichts ändern.

SPÖ reagiert positiv

Vertreterinnen der SPÖ begrüßten die Vorschläge von IV und AK. Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) sieht eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie dreistellige Millionenbeträge an Einsparvolumen. "Die vielen unübersichtlichen Geldleistungen zu streichen und stattdessen die 'Familienbeihilfe neu' einzuführen bringt für die Familien in Österreich eine enorme Erleichterung", so Heinisch-Hosek.

ÖGB-Frauenchefin Brigitte Ruprecht erklärte: "Hohe finanzielle Geldleistungen führen zu hoher Teilzeitbeschäftigung bei Frauen. Sachleistungen würden dem entgegensteuern und das Budget entlasten." Es wäre also "kurzsichtig", nicht in die Kinderbetreuung zu investieren, meinte die rote Gewerkschafterin.

ÖVP "skeptisch" bis ablehnend

Familienminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) sieht die Vorschläge skeptisch. Zwar sei er auch für mehr Transparenz, aber strikt gegen eine Leistungskürzung. Nichts hält er von einer Streichung aller steuerlichen Leistungen für Familien: "Trotz der in anderen Bereichen geplanten Ergänzungen besteht hier zum Beispiel für Mehrkindfamilien die Gefahr einer Leistungskürzung, die wir nicht wollen." Auch ist er gegen das Gutscheinmodell. "Angesichts der Budgetsituation und der Kompetenzlage zwischen Bund und Ländern in der Kinderbetreuung sind keine Zauberkunststücke möglich, von denen alle Familien profitieren würden." Bei der geforderten Erhöhung der Zuschüsse für Kinderbetreuung sei es zudem wegen enger personeller und finanzieller Ressourcen vieler Länder und Gemeinden nicht realistisch, dass diese in zehntausende neue Betreuungsplätze umgesetzt werden können. Bezüglich einer langfristigen Strukturreform des Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) sei er gesprächsbereit.

Die steuerliche Absetzbarkeit und das Kinderbetreuungsgeld sollten beibehalten werden, erklärte auch VP-Familiensprecherin Ridi Steibl. Für die ÖVP sind die bestehenden Familienleistungen "vorbildlich". "Wir brauchen eine familienfreundliche Arbeitswelt und eine Stärkung der Wahlfreiheit", so Steibl. "Gerade die Möglichkeit, Kinderbetreuungskosten steuerlich abzusetzen, war ein wichtiges Signal und muss erhalten bleiben." Auch die verschiedenen Varianten des Kinderbetreuungsgeldes würden die Wahlfreiheit jedes Einzelnen sichern. "Wir können und wollen den Familien in diesem Land nicht vorschreiben, wie die Kinderbetreuung geregelt wird", erklärte Steibl. "Aus diesem Grund werden wir auch in Zukunft an der längsten Variante des Kinderbetreuungsgeldes (30 plus 6 Monate) festhalten."

Grünen-Familiensprecherin Daniela Musiol erkennt in den Reformvorschlägen langjährige Grünen-Forderungen. Auch die Österreichische Hochschülerschaft drängt auf eine Reform der Familienbeihilfe. Deren Vorsitzende Janine Wulz fordert eine Ausbezahlung direkt an die Studenten.

FPÖ gegen Neuregelung

BZÖ-Familiensprecherin Ursula Haubner erklärte zu den Reformvorschlägen: "Richtig im Ansatz, aber falsch in der Reihenfolge", denn zuerst müsse der FLAF auf eine nachhaltige Finanzierungsbasis gestellt werden. Sie forderte "bürgerfreundliche und familiengerechte" Familienleistungen mit einer einzigen Auszahlungsstelle. Die Freiheitlichen lehnen eine Neuregelung der Familienbeihilfe ab, denn dadurch würde den Familien im Endeffekt Geld weggenommen. (APA, red, derStandard.at, 9.1.2012)

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kakaniengeist
00
11.1.2012, 16:51
is dar jörgl auferstanden?

ich habe gedacht, die (kinder)scheckkultur ist mit dem seligen jörg zu grabe getragen worden.

so kann man sich täuschen!

sialich.

Hubert Ungeist
 
10
11.1.2012, 05:27
Warum für Alleinerziehende mehr?

Wenn man schon auch hier eine umverteilung haben will, dann muss alleine das Einkommen der Mutter oder Vater der Kind erzieht herangezogen werden, und nicht ob er verheiratet ist oder nicht.

Klassische Familie sind oft schon ärmer dran als Alleinerziehende - weil sie eben viele Förderungen nicht bekommen.

A Voice
00
11.1.2012, 11:30
Deswegen rutschen

Alleinerzieher auch eher in die Armutsfalle, oder wie?

Hubert Ungeist
 
00
11.1.2012, 18:01
Na dann ist es ja kein Problem

die finanzielle Lage als Kriterium für mehr oder wengier Geld zu nehmen und nicht den Status "Alleinerzieher", oder?

Mostbluzza
01
10.1.2012, 13:26
bevors lustig werden

jedes kind ist gleich viel wert, aber das mit 15 weniger als das mit 13 - frisst ja auch weniger oder wie?

naja man kann ideologie auch übertreiben.
die gutscheine kann ich dann verkaufen oder wie, denn brauchen tu ich die sicher nicht, keine tagesmama und nein, mein kind spielt lieber mit gleichaltrigen als mit der flöte flennen.

aber hauptsache, es steht wieder eifrig arbeitskräftepotential zur verfügung. nur darum gehts.

da sind AG und AN schnell im boot.

links kritik
 
01
10.1.2012, 13:23
ist ja am einfachsten bei den familien zu sparen.

ist ja nur eine kleine wählerschicht....

vor genau 6 wochen hat man den pensionisten den einzigen einschnitt aus dem letzten sparpacket wieder zurückgegeben.

die IV sieht keine mütter, sondern flexible billigere arbeitskräfte. die spö hat mit familien sowieso nix am hut und da die arbeiterkammer eine sozialistische kaderschmiede ist, braucht man sich von denen sowieso nichts erwarten.

trauriges schauspiel

Marth
01
10.1.2012, 18:57

Die haben mehr am Hut mit Familien als die ÖVP bitte.

links kritik
 
00
10.1.2012, 13:18
ist ja am einfachsten, bei den familien zu sparen.

links kritik
 
00
10.1.2012, 14:12
nein einfach zu dumm den richtigen knopf zu drücken ;-)

let´s go
00
10.1.2012, 13:56

Etwa Demenz, Sie wiederholen sich?

Easy Rawlins
10
10.1.2012, 12:24
"Deren Vorsitzende Janine Wulz fordert eine Ausbezahlung direkt an die Studenten."

Glaub ich schon, dass sie das gerne hätte. Aber das Kindergeld ist eine Familienförderung, das für die Mehrkosten, die durch ein Kind entstehen, da ist und weder ein Stipendium noch ein Taschengeldersatz.

der_gote
01
10.1.2012, 12:22
Als gelernter Österreicher weiß ich:

Alles was von den jeweiligen Regierungen als neu, innovativ, toll und so weiter propagiert wird bedeutet unterm Strich entweder Kürzung der Leistung oder Erhöhung der Steuern.

In dem Fall wird es wohl in der Endversion auf eine ordentliche Kürzung herauslaufen. Wir leben ja in der Zeit der Schuldenbremse wo alle Sparen müssen außer Politiker, Parteien und sonstige Privis.....

luquas
23
10.1.2012, 11:46

Ernstgemeinte Frage: warum ist ein Alleinerzieher höher belastet mit einem Kind als eine herkömmliche Familienkonstellation das ist? Anders formuliert: was berechtigt einen Alleinerzieher, höhere Leistungen vom Staat für sein Kind zu lukrieren, als eine Familie?

the bugger_off
20
10.1.2012, 12:40

phu.. ich versuchs ganz vereinfacht zu beantworten...

zu zweit oder zu mehreren bezahlt, veringern sich gewisse kosten weil sie von mehreren getragen werden, das gleiche gilt für gewisse aufgaben. (von fix-kosten bis lebensmittel; oder teilt man die kinderbetreu-zeit bleibt auch wieder mehr geldverdien-zeit; kochen fünf leute in einer wg hintereinander, verbrauchen sie fünf mal gas/strom, kochens gemeinsam nur 1 mal :))

luquas
00
11.1.2012, 05:39

Danke, aber das wars noch nicht...

Hubert Ungeist
 
00
11.1.2012, 05:30
Nein das ist reine Ideologie

weil auch bei ALlerinerzihenden gibts einen Vater/Mutter der durch Alimente die von Ihnen aufgezählten Nachteile aufwiegt.

Die Kosten fürs Kind bleiben gleich. Und um die gehts ja. Nicht um das Lebensbild der Eltern

the bugger_off
00
11.1.2012, 08:48

sie wollen mir doch nicht ernsthaft erzählen das alimente so viel kosten wie das kind das bei einem lebt.

daemeth
00
11.1.2012, 12:47

wenn sie mal die miete + strom wegrechen, das hätten sie ohne kind nämlich auch, dann kostet ein kind ohne luxuriöse ausgaben wieviel pro monat?

https://www.help.gv.at/Portal.No... .html#allg

sagen wir einmal der vater bekommt einen nettolohn von € 2000, dann wären ab dem kindesalter von 15, 22% unterhalt fällig. das wären dann 440 euro. wenig ist das nicht.

verinus
11
10.1.2012, 14:34

erstens habens maximal zwei haushalte und nicht 5 und zweitens wieso sollte die allgemeinheit die trennung auch noch alimentieren?

ich mein schlimm genug, dass es so egoistische erwachsene gibt die sich trotz kindern trennen, aber dass dafür der staat aufkommen sollte seh ich nicht ein.

the bugger_off
00
11.1.2012, 08:50

jaja wissma schon ... der staat soll am besten für gar nix aufkommen.
so eine gesellschaft will ich mir nicht vorstellen.

Rotfink
00
10.1.2012, 15:10

Das von den "egoistischen Erwachsenen" erzählen Sie bitte auch einer alleinerziehenden Mutter und deren Kindern, die von Ihren Mann/Vater verprügelt wurden...

Hubert Ungeist
 
00
11.1.2012, 05:31
Und dann nehmen wir wieder Extrembeispiele

um die eigene Ideologie durchzubringen.

Diese Väter sollen verurteilt werden und eingesperrt - und auch zu mehr Unterhalt. Aber ausgesucht haben sich den gewalttägigen Partner schon die Frauen selbst.

Rotfink
01
10.1.2012, 15:17
... und laut Studie hat jede vierte Frau im Alter von 16 bis 85 Jahren bereits körperliche Gewalt durch den männlichen (Ex-)Partner erlebt

Rosa Stahl
20
10.1.2012, 13:06

was regens sich auf? Wird doch gerade das Alleinerzieherinnentum als grandiose Errungenschaft der Frauenbefreiung gefeiert.

Dass es da natürlich ein paar Schwachstellen gibt (sie sprechen gerade die Grenzkosten an) kehrt man aus ideologischen Gründen gerne unter den Tisch.

the bugger_off
00
12.1.2012, 07:44

"das Alleinerzieherinnentum wird als grandiose Errungenschaft der Frauenbefreiung gefeiert"

ja genau -l0l- am 31 Februar ist wieder der internationale feiertag der frauenbefreiten alleinerzieherinnen...:))))

und das frauenwahlrecht gehört auch wieder abgeschafft, stimmts? -davon haben nämlich in der vergangenheit immer eher links-parteien profitiert ;)

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