Demokratisiert Euch!

Leser-Kommentar | 9. Jänner 2012, 10:47

Wer Demokratie will, muss auch Politik wollen. Wer Demokratie will, muss auch Staat wollen, wie immer der dann auch gestaltet sein wird

Politpensionäre aller Couleurs starten alle möglichen Volksbegehren. Hugo Portisch knallt mit über 80 noch ein "Was jetzt!" auf den Tisch. Stéphane Hessel rafft sich mit über 90 noch einmal auf und schreit ein verzweifeltes "Empört Euch!" in die Welt. Und weil das offenbar nicht reichte, legte er gleich noch ein "Engagiert Euch!" nach. Es ist völlig klar: Sie alle haben eine Message für die Nachgeborenen und sie ist dringlich.

Zur Erinnerung: "Nie wieder Krieg!"

Zur Zeit kursiert ein Video auf youtube: hier schildert ein ehemaliger Wehrmachtsangehöriger, welche Menschen ein Krieg hinterlässt. Es wurde 65 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges aufgenommen und er erzählt von einem Besuch in einem Kriegsversehrtenheim aus 1950, erklärt was Korbmenschen sind: "Unter der Decke war ein Strick bzw. Kette und unten war so wie ein Korb und da war der Corpus drin. Keine Arme. Keine Beine. Manchmal nur ein Plastikgesicht. Total Verbrennungen. Kein Sprechen manche." - "Am Anfang kamen noch Mutter, Vater, Frau, manchmal noch Geschwister. Und jetzt kannste darauf warten, bis keiner mehr kommt." Und während dem alten Hasen eine Träne über die Wange rinnt schiebt er nach: "Das ist Krieg. Und das soll man diesen Idioten allen sagen!"

Hessel ist praktisch direkt aus dem Konzentrationslager aufgebrochen um die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte mit zuschreiben. Portisch war glücklich, als er sich mit Trümmerwegräumen die Studienberechtigung erwarb. Für ihn ist der europäische Einigungsprozess eine absolute Notwendigkeit. Er begreift die EU von Grund auf tatsächlich noch als das historisch einzigartige Friedensprojekt schlechthin, das "Nie wieder Krieg!" als den demokratischen Basiskonsens, durch den auch die zweite Republik so erfolgreich gedeihen konnte.

Irgendetwas stimmt doch da nicht...

Und bis weit in die 1970er Jahre schien den allermeisten völlig klar zu sein, was man dafür tun muss, um dieses Versprechen halten zu können. Die Menschen hatten am eigenen Leib eine Erfahrung gemacht und waren zutiefst bereit, auch die Lehren daraus zu ziehen. Und dann kamen die, die nicht nur diese Erfahrung nur mehr aus Erzählungen kannten, sondern die auch weniger immun gegen die neoliberalen "Mentalgifte" waren, die spätestens in den 1980er-Jahren das gesellschaftliche Denken durchdrangen und erfassten. So subtil, aber gleichzeitig so unverfroren, dass es die Alten eigentlich nicht ernst nehmen konnten, aber so "logisch" bzw. eingängig genug, dass es die Jungen nicht hinterfragten. Es brauchte Jahre, bis die ersten begriffen, welche Tragödie sich da auftat. Jetzt erst, nach 30 Jahren dämmert es den allermeisten zumindest dumpf. Irgendetwas stimmt doch da nicht. Irgendetwas läuft von Grund auf völlig falsch!

Am 31. Oktober 1987 konnte die britische Premierministerin Margarete Thatcher behaupten: "There is no such thing as society" und das politische Bewusstsein war schon derart gelähmt, dass keine riesige Welle der Entrüstung aufbrandete, nicht einmal ein Säuseln. Glasklar und folgerichtig leitete sich daraus die Forderung "Weniger Staat, mehr privat" ab und selbst die eingefleischtesten Demokraten wussten nicht recht, warum sie dem entgegentreten sollten. Das war der erste Akt der Tragödie.

Weniger Staat heißt weniger Demokratie

Das "Weniger Staat, mehr privat" hatte Zeit und Raum genug, um in aller Ruhe in allen möglichen Spielarten ins menschliche Zusammenleben hinein zuwuchern und bis zum "Geiz ist geil" zu werden. Aus "weniger Staat" wurde der "gehasste Staat". Alles, alles, was nur irgendwie nach Staat roch, wurde schließlich verteufelt. Alle Schwächen wurden zu Gründen aufgeblasen, um allem Staatlichen von Grund auf abschwören zu können oder zumindest jederzeit ein Arsenal von Ausreden parat zu haben. Mit dem Staat und seinen Einrichtungen standen natürlich auch Politik, Parteien und alles, was sie hervorbrachten, auf der Abschussliste. Das war der zweite Akt der Tragödie.

Das Demokratiebewusstsein - noch in den 1970er-Jahren konnten man mit der Forderung nach Demokratisierung aller Lebensbereiche Wahlen gewinnen - verblutete langsam und war schließlich 2000 geschwächt genug, dass das grundlegende Versprechen, nie wieder etwas zu tun, das Krieg befördern kann, gebrochen werden konnte. Zu weite Bereiche der Gesellschaft verstanden nicht mehr, was daran jetzt wirklich so tragisch war. Politikverdrossenheit wurde zu Demokratieverdrossenheit. Damit begann der Tragödie dritter Akt.

Wir müssen unser politisches Bewusstsein wieder entgiften

Es kann nicht sein, dass wir mit dem Staat gleich auch die Demokratie wegschmeißen. Demokratie ist eine von genau zwei Möglichkeiten eine friedliche Gesellschaft zu entwickeln! Die andere wäre die totale Vereinzelung, wo es dann tatsächlich keine Gesellschaft mehr gibt. Alles andere heißt demnach Krieg - latent oder offen, kalt oder heiß, global oder am Küchentisch.

Wer Demokratie will, muss auch Politik wollen. Wer Demokratie will, muss auch Staat wollen, wie immer der dann auch gestaltet wird. Staat ist von der Idee her das, was die Gesellschaft hervorbringt, um in Frieden und ohne Leid leben zu können. Und wer Demokratie will, muss auch alle Krücken, die auf dem Weg dorthin benötigt werden, wollen. Und ja, damit sind die Parteien gemeint. Wenn wir Demokratie ohne Parteien zusammenbringen, soll es sein. Aber so lange wir das nicht können, ist es der Job der Parteien, Demokratie zu organisieren, eine friedliche Gesellschaft zu organisieren und die Wege dorthin zu bereiten. Schon von da her kann eine Partei keine kriegerische Organisation sein, für die sie heute oft gehalten wird. Es kann nicht darum gehen einen Gegner zu vernichten, es geht darum mit den anders Denkenden gemeinsame Brücken zu bauen, Dialog und Verständigung zu suchen!

Egomanie ist im allerschlechtesten Sinn unpolitisch

Stattdessen wurde "Speed kills", "Zeit ist Geld", "Was nichts kostet, ist nichts wert", "Hilf Dir selbst, sonst hilft Dir niemand" und dieses unsäglich toxische "Geiz ist geil" zu den Leitsätzen einer sich damit mehr und mehr sich den "Gesetzen" des "freien" Marktes total und mit Hingabe unterwerfenden Gesellschaft. Alles Politische wurde von einem toll gewordenen Wirtschaftlichen ausgetrieben und ersetzt. "Burn, baby, burn" jauchzten übermütig aufgeputschte Enron-Trader-Bubis, als ein Waldbrand die Stromversorgung von halb Kalifornien lahm legte. Krieg kann im Zeitalter der Menschenrechte nicht mehr die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln sein, er ist das Ende der Politik. Oder in anderen Worten: Wer die Politik aufgibt, macht Platz für den Krieg. Der Tragödie vierter Akt.

Aber vielleicht haben wir Glück

Jetzt wo auch die Alten erkannt haben, dass das, was für sie so selbstverständlich war, dass sie gar nicht auf die Idee kamen, dass es bedroht sein könnte, doch in massiver Gefahr ist, und die Jungen zumindest wittern, das da etwas grob nicht in Ordnung ist und auf gar keinen Fall einsehen wollen, wieso sie in einer derart zerrissenen Welt leben und ihrerseits ihren Kindern ein Erbe hinterlassen sollen, für das sie sich nicht anders als abgrundtief schämen müssen, jetzt könnte sich ein einmaliges Fenster auftun.

Was soll Demokratie können? Lassen wir einmal alle historisch belasteten Begriffsherleitungen und politikwissenschaftlichen Definitionen beiseite. Im Grunde geht es doch nur darum, dass alle die von einer anstehenden Entscheidung betroffen sind, rechtzeitig und auf gleicher Augenhöhe in den Entscheidungsprozess eingebunden werden, und dass nach einem offenen Diskurs eine gemeinsame Entscheidung getroffen wird, mit der erstens alle können und die zweitens im Idealfall auch von allen Beteiligten mitgetragen wird.

Wir müssen einfach alles daran setzen und Strukturen aufbauen und erhalten, Methoden und Haltungen entwickeln, die das leisten und die wir auch leben können. Das wäre die eigentliche Demokratisierung. Mir erscheint zur Zeit kaum etwas dringlicher. Wir müssen uns nur trauen, die Sache jetzt wirklich mit Entschlossenheit angehen und der Demokratie den Raum schaffen, den sie braucht um gut gedeihen zu können. (Leser-Kommentar, Christian Apl, derStandard.at, 9.11.2011)

Autor

Christian Apl, Jahrgang 1964, lebt und arbeitet in Perchtoldsdorf bei Wien als geschäftsführender Gemeinderat für Nachhaltigkeit und Mobilität und engagiert sich seit 1995 in verschiedenen zivilgesellschaftlichen Zusammenhängen. Links: http://christianapl.wordpress.com, https://www.facebook.com/profile.php?id=1156358097

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Takis
00
16.1.2012, 04:22

Bravo!

Im Detail nicht ganz meine Meinung, aber es geht in die richtige Richtung.

Otto Kegele
 
00
12.1.2012, 23:09
Staat bleibt Staat,

ob mit Demokratie oder mit Diktatur.

Politik ist Arbeit an der Zukunft
und die Zukunft gehört der Jugend.

Was wollen denn diese ganzen Neo-Pensions-Politiker
auf einmal. Wollen sie ihre Böcke die sie in der
Vergangenheit geschossen haben wieder zum Leben erwecken
und noch einmal schießen.

Erlegt ist erlegt und jetzt vertschüsst Euch.

Buntspecht12
01
11.1.2012, 15:43
BRAVO

Guter Artikel! Viele werden sich fragen: "Was kann man als einzelner Bürger denn machen?" Wie kann man sich einbringen? Kann man was machen oder stimmt die Aussage: "man kann eh nix machen" An all diese Leute: man kann was machen! WAS und WIE man sich als Einzelner oder Gruppe politisch einbringt wird in 20 Kapiteln eines neuen Buches, welches Ende Jänner vorgestellt wird, beschrieben. Von Betroffenen. Von Leuten aus der Zivilgesellschaft die sich zur Wehr gesetzt haben, die was verändert haben. In spannenden, teilweise launigen Erzählungen schreiben diese Menschen WIE sie WAS getan haben. Als Beispiel und Vorbild. Das Buch wird kostenlos verteilt. Anfordern unter: office@ehrenhauser.at

Buntspecht12
00
11.1.2012, 15:40
BRAVO!

a b1
00
11.1.2012, 12:46
Wer Demokratie will

muss aber nicht unsere Pseudo-Stellvertreterdemokratie mit durch Wahlbetrug hoher prozentueller Einstiegshürde für Neuparteien, und dadurch mangelnder Auswahl, lieben.

insertnamehere
 
00
11.1.2012, 00:42
Demokratie und Friedensliebe haben miteinander NICHTS zu tun.

Kleiner Hinweis: Es hat schon einen Grund, warum die Begründer der Idee der Demokratie, die alten Griechen, in der antiken Welt als Söldner extrem gefragt waren.

Tipp: Das lag NICHT daran, dass sie so wahnsinnig friedliebend waren. Eher daran, dass die nahezu permanent aktiv Krieg führten und dabei eine besonders mörderische Taktik entwickelt hatten.

Und nebenbei haben wir heute nicht deshalb Demokratie, weil die großen Demokratien des Westens so friedliebend gewesen wären, sondern eben weil die ebenselbige auch verteidigt haben. Ich zB würde NULL Sinn darin sehen, mit zB Nadsies "gemeinsame Brücken zu bauen, Dialog, Verständigung zu suchen."

Die UdSSR hat das versucht. Die Briten haben die Nadsies VON ANFANG AN rücksichtslos bekämpft.

Siegmund Appl
01
10.1.2012, 16:24
Der Staat sind WIR!

Der Staat ist die Summe aller Menschen. Das sind somit WIR ALLE. Das andere ist nichts anderes als die öffentliche Verwaltung. Politiker werden von den Menschen dieses Landes gewählt. Wenn nur mehr wenige Menschen zu Wahlen gehen, drücken die anderen damit aus, dass sie damit einverstanden sind, was diese Wenigen für Viele entscheiden.

Wenn alle Menschen das von unseren Vorfahren (Männern u. Frauen gleichermaßen) blutig erkämpfte WahlRECHT wieder ausüben und halt dann weiß wählen, dann wird sich was tun müssen. Was genau? Keine Ahnung, aber es ist mal ein 1. Zeichen.

Fakt ist, dass politische Amtsinhaber in vielen Fällen vergessen haben, dass es heist: "DURCH das Volk und FÜR das Volk."
Wir Bürger müssen das einzig auch einfordern!

Siegmund Appl
00
10.1.2012, 16:29
es sollte natürlich korrekt "dass es heisst" heißen ;-)

di. erwin d.
00
10.1.2012, 09:47
Demokratisiert Niederösterreich!

Ich empfehle Herrn Apl und vielen anderen Grünen vor der nächsten Landtagswahl 2013 die Wahlkampfveranstaltungen der VPNÖ zu besuchen. In vollen Festzelten wird Andy Marek die Massen einpeitschen. Perfekt inszenierte Shows sorgen für eine gleichgeschaltete euphorisch jubelnde Menge, wenn der Spitzenkandidat zum Mikrofon schreitet. Politische Gegner werden in menschenverachtender Weise in den Reden abqualifiziert werden. Auch intelligente Menschen im Publikum werden gegen ihre innere Überzeugung applaudieren, weil sie nicht den Mut aufbringen anders zu handeln. Als aufmerksamer und kritischer Beobachter wird man über das Treiben vielleicht schockiert sein. Der Bürger und die Grünen sollten daraus ihre Lehren ziehen.

phonon
01
10.1.2012, 09:07
Dieser Artikel hervorragend

und sollte zur Pflichtlektüre ALLER Politiker gehören.
Wenn diese, die angesprochenen Punkte beherzigen dann wird es erst wieder Politik für die Menschen geben und nicht nur für Parteien und Posten für Apparatschiks.

dolstnaretna hasenstück
00
10.1.2012, 08:47
Politpensionäre aller Couleurs starten alle möglichen Volksbegehren.

soviel zu busek:

http://derstandard.at/131918239... des-Boesen

site:°~+*-||!#.\>
81
10.1.2012, 03:31
Kommentar auf Schülerzeitung-Niveau.

Apl ist Grüner geschäftsführender Gemeinderat einer von der ÖVP regierten Gemeinde Perchtoldsdorf.

Einer Gemeinde mit nur 14.500 Einwohnern, deren 37 (!) Gemeinderäte der Bevölkerung ein Vermögen kosten – sicher über 300.000 Euro pro Jahr.

Apl kassiert für seinen Nebenjob sicher weit über 1000 Euro pro Monat ab und ist mit seinem Verkehrskonzept bisher kläglich gescheitert.

In solchen Kleingemeinden wählen dämliche, korrupte Wähler immer verblödete, korrupte SPÖVP-Bürgermeister. In solchen Gemeinden gibt es politisch nichts zu entscheiden (reine Verwaltungsangelegenheit) und zu demokratisieren.

>> Gemeinden und Apls abschaffen bzw bezirksweise zusammenlegen.

Nyarlathotep
01
10.1.2012, 20:48

welcher fraktion sie zu zu ordnen sind, braucht nicht wirklich viel phantasie, es reicht sich eine gr sitzung anzusehen und zu beobachten welche gemeinderäte die reden anderer gezielt stören.

sie sollten außerdem, wenn sie schon die "teure" demokratie kritisieren, wenigsten die korrekten zahlen verwenden. für die bezüge der gemeindeorgane sind für 2012 nämlich 427.500 euro budgetiert (http://www.perchtoldsdorf.at/images/st... sung.pdf). wie sich diese kosten zusammen setzen können sie hier (http://www.ris.bka.gv.at/Dokumente... 05007.pdf) nachlesen. kleiner tipp: die gemeinderäte bestimmen weder ihre anzahl selber noch ihre bezüge selbst.

sterngucker
 
14
10.1.2012, 08:13
Ihr Kommentar hätte nicht einmal in einer Schülerzeitung eine Chance auf Erscheinen

und bestätigt die Argumente Apls vortrefflich. Alles, was Ihnen zum Thema Demokratie einfällt, sind die Kosten sowie Fehlentwicklungen, von denen kein System verschont wird, egal ob es nach Gemeinden, Bezirken, Cost Centers oder Sowjets organisiert ist. Ich kann da keinen Mentalitätsunterschied zu den erwähnten Enron-Bubis erkennen.

teddybär
15
Ein hervorragender Artikel! Danke.

Daniel Stampf
18
Normalerweise mache ich mir nichts aus Kommentaren

von irgendwelchen Leuten sondern bevorzuge hard news soweit verfügbar.

Aber da muss erst ein Leser von außerhalb sowas schreiben, dass endlich etwas mit Substanz auftaucht in der Medienwelt.
Ausgezeichneter Kommentar!

her wig
14
"Weniger Staat heißt weniger Demokratie"

Bitte das ist falsch. Man kann die Staatsquote reduzieren und denselben Grad an demokratischer Kontrolle über den Staat beibehalten oder diesen sogar erhöhen. Denn was in die Privatsphäre gehört braucht keine Kontrolle durch den Rest der Gesellschaft. Die Frage ist also was in die Privatsphäre und was in die Öffentlichkeit gehört bzw. welche Relation von Staat zu Privat gewünscht wird, zwischen den Extremen von Kollektivismus und Individualismus. Und das kann je nach Bereich durchaus unterschiedlich sein, z.B. wird im Finanzbereich derzeit mehr kollektive Kontrolle gewünscht, während im Internet alles was nach mehr Kontrolle aussieht abgelehnt wird (zumindest von denen die sich auskennen; die Kriminalitätsopfer sehen das vllt. anders).

Daniel Stampf
25
Weniger Staat heißt weniger Demokratie

weil der Umfang dessen was der Staat für die Bürger leistet im großen Umfang durch demokratische Vorgänge mitbestimmt wird.
Wenn das durchgesetzt wird was unsere Finanzindustrie derzeit wünscht, nämlich einen Abbau und somit eine Schwächung des Sozialstaats zugunsten der Stärkung der Position großer Privatkonzerne, dann ist unsere Stimme insgesamt weniger wert. Und unsere Vertretung schwach.

her wig
00
10.1.2012, 09:27
Ideologie

"Mehr ist besser" oder umgekehrt - sowas sind ideologische Standpunkte. Es geht um die Relationen von staatlich und privat. Wenn Sie mir sagen dass es nur den großen Privatkonhzernen nutzt wenn ich eine Solarheizung in meinem Privateigentum habe, dann kann ich Sie nur auslachen.

Daniel Stampf
00
10.1.2012, 21:17

mehr ist nicht absolut besser aber weniger als jetzt ist schlechter.

und die in ihrer aussage nicht zuordenbare solarheizungssache sage ich ihnen natürlich nicht. sie haben das aufgebracht, ich kann darin kein argument erkennen.

meinen sie es ist gut oder schlecht wenn der staat solarheizungen subventionieren kann?

Demokrit 007
01
Liebr Herr Apl

Ganz toll. Schreiten wir zur Parxis, wenn geht. Kontaktieren Sie mich bitte per Mail; besten Dank.

Gerhard W.
03
Gute Zeilen!

Wahrscheinlich ist die Quintessenz relativ einfach: Kämpfen gegen die Vereinzelung - in der Gesellschaft, in der Ökonomie und in der Politik. Das bedingungslose Herausstreichen individuellen Glücks bringt genau dieses nicht: nicht in der Wirtschaft, nicht im Zusammenleben und nicht in der Politik. Ganz im Gegenteil...

niemand der 1.
01
10.1.2012, 08:55
vereinzelung durch konsum

die quintessenz "kämpfen gegen vereinzelung" sehe ich auch gegeben. die freie marktwirtschaft mit gewichtung auf konsumzwang erzeugt genau diese vereinzelung. wir nehmen uns durch unseren konsum in unseren unterschieden wahr und tun uns erheblich schwerer das gemeinsame, das für die demokratie so wichtig wäre, zu erkennen. somit stimme ich ihrer meinung zu.

Nutze den Tag
01
Wegweisende Bewegungen gehen mmer nur von Eliten aus.

So waren auch Con Bendit, J.Fischer mit Putztrupp, R.Dutschke, U.Obermaier,..., also z.B. die 68er, reine Eliten. Was hat die Mehrheit doch damals gemosert.

Es ist auch keine Bildungsfrage. Es ist eine reine Charakterfrage Dinge zu bewegen - hoffentlich zum Positiven für die Gesellschaft.

Z4ph0d
04
Politisierung und Demokratisierung ist richtig!

Was wir heute allerdings haben ist eine Ökonomisierung aller Lebensbereiche. Die freie Marktwirtschaft spielt nach rein egoistischen Regeln. Sie ist weder demokratisch noch politisch, korrumpiert und beeinflusst aber die Politik (die eigentlich den Willen des Volkes ausüben sollte). So konnte der Neoliberalismus entstehen. Er ist mehr Symptom als Ursache.

Erst wenn wir eine Alternative zum Kapitalismus schaffen und die Ökonomie in die Politik einbinden (nicht umgekehrt), können wir der Demokratie wirklich neuen Raum geben. In der heutigen politischen Unterwerfung gegenüber den "Märkten" ist kein Platz mehr für Demokratie. Es herrschen nur noch die Zwänge des Marktes. Italien und Griechenland sind da wahrscheinlich erst der Anfang …

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