Kritik an Finanzierung der sprachlichen Frühförderung

9. Jänner 2012, 10:11
posten

Salzburg stört, dass Länder Unterstützung des Bundes verdoppeln müssen - Verlangte Mindestziele kaum zu erreichen

Wien - Kritik am Entwurf einer 15a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern zur sprachlichen Frühförderung für Kinder kommt nun aus Salzburg. Das Land ist mit dem Finanzierungsmodell nicht einverstanden und beklagt außerdem, dass man im Vergleich zur vorigen Vereinbarung weniger Geld bekomme. Nicht vollends zufrieden sind auch Kärnten, der Gewerkschaftsbund (ÖGB), die Kinderfreunde und die Caritas.

Länder müssen Geld vom Bund verdoppeln

Ziel ist es laut Entwurf, Kinder zwischen drei und sechs Jahren, die über mangelnde Deutschkenntnisse verfügen und "insbesondere jene mit nicht-deutscher Muttersprache", in Kinderbetreuungseinrichtungen so zu fördern, dass sie mit Eintritt in die Volksschule die Unterrichtssprache nach einheitlichen Deutschstandards möglichst beherrschen. Die Regierung hatte 2011 die Mittel für die sprachliche Frühförderung - von 2008 bis 2010 fünf Millionen Euro jährlich - auslaufen lassen. Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) konnte für 2012 bis 2014 schließlich jährlich fünf Millionen Euro herausschlagen, wobei jeder Euro von den Ländern verdoppelt werden muss.

Salzburg und Kärnten fordern Ende der Kofinanzierung

Genau das stört das Amt der Salzburger Landesregierung, wie aus der Stellungnahme im Begutachtungsverfahren hervorgeht: Es wird gefordert, vom Modell der Kofinanzierung Abstand zu nehmen. Ähnlich das Amt der Kärntner Landesregierung: Die vorgesehene Kofinanzierung zwischen Bund und Land "im Verhältnis eins zu eins hätte zu entfallen, da diese Vorgabe auch bei der vorangegangenen Sprachförderung nicht vorgesehen war. Dem Land sollte daher ein flexibler Einsatz seiner Mittel weiterhin möglich sein."

"Gravierende Verschlechterung"

Salzburg ortet überhaupt zu wenig Geld: Was die Höhe der auf Salzburg entfallenden Mittel anbelange, "ist im Vergleich zur Vorgängervereinbarung sowie zu den Ergebnissen der bisher geführten Gespräche festzustellen, dass die Fördermittel des Bundes deutlich reduziert werden". Dies bedeute "eine gravierende Verschlechterung", für Salzburg würden im Vergleich zur Vorgängervereinbarung um rund ein Viertel weniger Mittel bereitgestellt, obwohl nunmehr nicht nur fünfjährige Kinder gefördert werden sollen. Die Kinderfreunde betonen, dass mit den bereitgestellten Mitteln "eine umfassende und wirkungsvolle Sprachförderung nicht möglich" sei.

Kritik an Streichung der Mittel bei keinem Erfolg

Außerdem weist Salzburg darauf hin, dass die Messbarkeit des Erfolgs der Fördermaßnahmen problematisch sei. Laut Entwurf habe das Land den für das jeweilige Kalenderjahr vom Bund angewiesenen Betrag zurück zu erstatten, wenn ein negatives Evaluierungsergebnis vorliegt. Im pädagogischen Bereich könne aber keine Erfolgsgarantie abgegeben werden, "es ist durchaus möglich, dass sich die Sprache der Kinder trotz Förderung nicht verbessert". Es sei daher "auch nicht akzeptabel, die Fördermittel nach erfolgter Förderung zurückzuzahlen". Auch dem ÖGB ist unklar, wie "ein Erfolg" der Sprachförderung gemessen werden soll. Dies stelle eine "beträchtliche Herausforderung und einen Mehraufwand" für die Pädagogen dar.

Die zuständige Salzburger Landesrätin Tina Widamnn (ÖVP) hat in einer Stellungnnahme die Kritik in der Stellungnahme relativiert. "Ich als ressortzuständige Landesrätin begrüße das Vorhaben, wir brauchen das ganz, ganz dringend", sagt die Landesrätin. Freilich sei es nicht erfreulich, wenn in Zeiten der Sparpakete die Fördermittel des Bundes geringer ausfallen als früher, und sicher wäre es einfacher, wenn Salzburg nicht kofinanzieren müsste. "Aber mir ist trotzdem der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach", so Widmann.

"Ziele kaum zu erreichen"

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft Steiermark wies darauf hin, dass die Intention, die geforderten Mindestziele in einem Kindergartenjahr zu erreichen, "kaum zu bewältigen" sei und nicht zuletzt sowohl Kinder als auch Kindergartenpädagogen massiv unter Druck setzen würde. Für die Caritas ist nicht geklärt, "in welcher Form der zu erwartende zusätzliche Zeitaufwand der Pädagoginnen abgegolten wird".

Kritik an der Rolle des Österreichischen Integrationsfonds in der Evaluierung kommt nicht nur aus Salzburg, sondern auch vom ÖGB und den Kinderfreunden. Die Caritas zeigt sich ebenfalls verwundert, dass das Unterrichtsministerium nicht in die Evaluierung eingebunden sei. (APA)

  • Die Mittel für die sprachliche Frühförderung sind gesunken, kritisiert die Salzburger Landesregierung.
    foto: standard/cremer

    Die Mittel für die sprachliche Frühförderung sind gesunken, kritisiert die Salzburger Landesregierung.

Share if you care.