Aktie verliert am Montag weiter an Wert, die Bank will ihr Eigenkapital um 7,5 Milliarden Euro erhöhen
Mailand/Wien - Die italienische Großbank UniCredit - Konzernmutter der österreichischen Bank Austria - will mitten in der Krise eine riesige Kapitalerhöhung erzwingen, ist dabei am Montag aber ausgesprochen schlecht gestartet. Der letzte Woche begonnene neuerliche Kursverfall setzte sich am ersten Tag der Rekapitalisierung fort. Wegen des rapiden Kursrutsches wurden die Papiere erneut vorübergehend ausgesetzt.
Die Hoffnung trog Konzernchef Federico Ghizzoni: Mit der Aktie der größten italienischen Bank ging es auch am Montag zum Start der 7,5 Mrd. Euro schweren Kapitalerhöhung abwärts. Die Papiere sackten um massive 12,84 Prozent auf 2,29 Euro ab, die seit heute ebenfalls gehandelten Bezugsrechte, mit denen Aktionäre zwei neue Aktien für je 1,943 Euro kaufen können, verloren mehr als die Hälfte ihres Wertes.
"Die Aktie wird nach und nach auf den Bezugspreis fallen", sagte Analyst Frederic Teschner von der französischen Bank Natixis. Ghizzoni hatte sich am Wochenende "etwas überrascht" über die negativen Reaktion am Markt auf die Kapitalerhöhung gezeigt, aber Zuversicht für den Verlauf der Kapital-Sammelaktion geäußert.
Gute Miene
Der UniCredit-Chef und auch Italiens Regierungschef Mario Monti machten noch gute Miene zu dem Trend um die größte Kapitalerhöhung einer italienischen Bank. Nach der Rekapitalisierung werde seine Bank Branchenführer in Europa sein, "was Kapital und Liquidität angeht", sagte Ghizzoni letzte Woche. Monti meinte, ohne UniCredit beim Namen zu nennen: "Das war eine Sache, die getan werden musste. In einer Situation wie der jetzigen kann das jedoch Konsequenzen haben wie die, die wir gesehen haben." Das sei temporär, Italiens Bankwesen solide, hatte er zuvor erklärt.
Die UniCredit-Altaktionäre können ihr Bezugsrecht bis 27. Jänner ausüben. Sollten nicht alle neuen Aktien über den Tisch gehen, müssen die mit dem Verkauf beauftragten 27 Investmentbanken die Papiere platzieren oder aber selbst zeichnen. Sie haben schließlich dafür garantiert. Die Bank selbst muss sich also keine Sorge machen, das Geld einzunehmen.
Die Gefahr, dass die Emissionsbanken darauf sitzenbleiben, belaste den Kurs zusätzlich, sagte Teschner: "Die Banken werden kein Interesse haben, die Aktien nach Abschluss der Kapitalerhöhung zu behalten, deshalb werden sie vermutlich Anfang Februar verkaufen."
Zeitungen wie der römische "Il Messaggero" nannten den Börsenrutsch jetzt rational nicht zu erklären und in diesem Ausmaß also unerwartet. Möglich sei es, dass einige Investoren - wie öfter während einer solchen Kapitalaktion - ihre Aktien verkauften, um sich für das Geschäft bei niedrigeren Werten neu zu positionieren. Italiens Börsenaufsicht Consob untersuche, ob es zu "orchestrierten Manövern" mit Regelverletzungen gekommen sei.
Zwei Effekte
Händler und Analysten sehen zwei Effekte: Zum einen fliehen Investoren aus der Aktie, zum anderen würden die Bezugsrechte in der Hoffnung verkauft, sich später günstiger wieder eindecken zu können. Die Kapitalerhöhung wird auch bei anderen Banken in Europa aufmerksam beachtet, die Kapitalbedarf haben. Für sie ist der Misserfolg ein schlechtes Omen. "Jeder Bank würde es in diesem Umfeld schwerfallen, Kapital aufzunehmen", sagte Analyst Teschner. "Alle haben ihnen (UniCredit) gesagt, sie sollten im Mai Kapital aufnehmen, als alle italienischen Banken es taten." An der Börse ist UniCredit nur noch 7,68 Milliarden Euro wert - am Mittwoch waren es noch 12,2 Milliarden.
Frust herrscht auch bei den Sparkassen-Stiftungen, die zu den größten Aktionären von UniCredit gehören, aber nur noch wenig finanziellen Spielraum haben, der Bank unter die Arme zu greifen. Der Chef der Stiftung der Banco di Sicilia sprach von einem "schweren finanziellen Schaden", der sie durch den Kursverfall erlitten habe. Sein Haus werde nicht an der Kapitalerhöhung teilnehmen, und das sähen auch andere der gemeinnützigen Stiftungen so. UniCredit werde neue Investoren brauchen.
Nicht zu ihrem allfälligen Zeichnungsverhalten geäußert hat sich bisher die Wiener AVZ-Stiftung als Mini-Aktionärin der UniCredit. Dagegen hat vorige Woche die FPÖ Wien vorsorglich schon einmal gezündelt. Der Wiener FP-Klubchef Johann Gudenus sprach von "UniCredit-Ramsch-Aktien der Stadt" und warf der Wiener SPÖ vor, weiter Volksvermögen zu verbrennen. (APA/Reuters)