Ideale Lebensräume wandern zu rasch nach Norden
Montpellier/Halle - Der Klimawandel in Europa geht rascher vonstatten, als Vögel und Schmetterlinge mitwandern können. Zu diesem Schluss kommen europäische Forscher im Fachmagazin "Nature Climate Change". Der ideale Lebensraum dieser Tiere hat sich demnach in den vergangenen zwanzig Jahren stark in Richtung Norden verlagert: für Schmetterlinge im Durchschnitt 135, für Vögel 212 Kilometer. Die Schmetterlinge seien jedoch nur rund 114 Kilometer weit in den Norden vorgedrungen, erläutern die Forscher auf Grundlage von 1,5 Millionen Beobachtungsstunden an mehr als 11.000 Orten.
Besonders krass sei die Diskrepanz zwischen idealem und realem Lebensumfeld bei den Tagfaltern. Diese würden nunmehr 239 Kilometer nördlicher als 1990 die besten Bedingungen vorfinden. Auch falle der für die Tiere relevante Klimawandel in verschiedenen Ländern unterschiedlich stark aus: In Tschechien etwa habe sich die Durchschnittstemperatur der Lebensräume von Vogelarten kaum, in Schweden hingegen stark erhöht.
Für die Forscher sind diese Ergebnisse ein erster Beleg dafür, dass der Klimawandel kontinentweit zu einer deutlichen Verschiebung der Lebensräume führen und Tiergruppen auseinanderreißen kann. Denn, so Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung im deutschen Halle: "Viele Vogelarten sind bei ihrer Ernährung auf Raupen bestimmter Schmetterlingsarten angewiesen. (APA, DER STANDARD-Printausgabe, 9.1.2012)