Maya-Nachfahren retten Regenwald

8. Jänner 2012, 18:31
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UN-Preis: Eine Genossenschaft setzt nicht aufs schnelle Geld und pflanzt für jeden gefällten Baum 25 neue

Flores - Der Petén ist Guatemalas Wilder Norden. Einst Hochburg des Mayareiches von Tikal, trennt hier nur eine imaginäre Linie mitten im Urwald Guatemala von Mexiko. Dünn besiedelt und voller Schätze: Erdöl, Edelhölzer, hunderttausende Hektar Farmland. Die Hauptstadt und ihre Gesetze sind weit weg. Ein Paradies für Pioniere und Abenteurer - und für die Mafia, die Drogen, Flüchtlinge und Waffen durch das unwirtliche Hinterland schleust. Auch Städte wachsen rasant, und dafür wird ebenso rasant der Urwald abgeholzt. 40 Prozent des Regenwaldes, dem letzten Lebensraum der Jaguare, sind nach der Schätzung von Umweltorganisationen bereits unwiderruflich verloren.

Dass es auch anders geht, dafür ist Raquel Armando Quixchan ein Beispiel. Der 58-Jährige ist ein Nachfahre der Maya und fühlt sich noch deren ganzheitlicher Weltsicht verbunden. "Wir leben seit Generationen mit und vom Wald", sagt er. "Während Zuwanderer ihn nur als Schlüssel zum schnellen Geld sehen und dann wieder verschwinden." Quixchan ist einer der Gründer von Afisap, einer Genossenschaft, die 2011 für ihre nachhaltige Forstwirtschaft mit dem UN-Umweltpreis ausgezeichnet wurde.

Antrag abgelehnt

"Am Anfang war es schwierig, wir hatten weder Maschinen noch ein eigenes Büro, als wir uns 1997 auf eine staatliche Konzession für die Bewirtschaftung von 52.000 Hektar Wald in der Pufferzone des Maya-Biosphärenreservats bewarben", erinnert sich Quixchan. Mehrfach wurde ihr Antrag deshalb abgelehnt. Doch die Indigena-Bauern ließen nicht locker - bis sie schließlich im Jahr 2000 Erfolg hatten. Heute betreibt Afisap auch eine eigene Baumschule. Für jeden geschlagenen Baum werden bis zu 25 neue gezogen. Nur so kann das Projekt auf Dauer funktionieren. Bis ein Baum groß genug ist, um gefällt zu werden, vergehen 40 Jahre.

In der Zentrale der Genossenschaft in San Andrés herrscht trotz schwüler Hitze Geschäftigkeit. Überall auf dem Gelände sind Holzlatten zum Trocknen aufgestellt - beige, braune, orangerote, fast schwarze. Zwölf verschiedene, kommerziell nutzbare Hölzer wachsen im Petén, darunter Zedern und Mahagoni. Das Holz geht in den Export, die USA, Japan und die Dominikanische Republik sind Hauptabnehmer. 250 Kilometer muss die Fracht über Land transportiert werden bis zum Hafen Santo Tomás del Castillo.

Honig und Naturkaugummi

Im Haupthaus der Genossenschaft werden Besucher mit Honig aus der ebenfalls angeschlossenen Imkerei verköstigt oder können den Naturkaugummi aus Kautschuk probieren. "Toll, was der Wald alles hergibt", sagt Milton Sinturión stolz. Der 39-Jährige ist derzeit Afisap-Präsident und gehört zur jungen Generation, die vor kurzem die Gründergarde abgelöst hat. Bei Afisap verdienen Mitglieder zwischen 63 und 100 Quetzales (sechs bis zehn Euro) täglich. Das Lohnniveau wird jedes Jahr gemeinsam festgelegt. "Wichtig sind auch die anderen Vergünstigungen", betont Sinturión. "Eine Lebens- und Krankenversicherung, Geschenkkörbe zu Weihnachten, Stipendien und Schulmaterialien." So konnte Sinturión Forstwirtschaft studieren.

Die Genossenschaft zählt rund 170 Mitglieder, aber letztlich profitiert das ganze Dorf. Denn ein Teil der Überschüsse, die bei rund 600.000 Quetzales jährlich (58.000 Euro) liegen, geht in Gemeinschaftsprojekte wie die Renovierung der Dorfschule. (Sandra Weiss/DER STANDARD-Printausgabe, 9.1.2012)

  • Leben mit und vom Regenwald. Die Genossenschaft Afisap betreibt nachhaltige 
Forstwirtschaft in Guatemala.
    foto: weiss

    Leben mit und vom Regenwald. Die Genossenschaft Afisap betreibt nachhaltige Forstwirtschaft in Guatemala.

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