Buhrufe gegen Präsident und Bischöfe bei den Feiern
Athen/Istanbul - Griechenlands Staatspräsident Karolos Papoulias ist ein
weiteres Mal von aufgebrachten Gegnern des Sparkurses ausgebuht worden
und hat daraufhin eine Feier zum griechisch-orthodoxen Epiphanie-Fest
verlassen. Erstmals bekamen aber auch die Bischöfe den Zorn der Griechen
zu spüren. "Sag endlich was, Ieronymus!", riefen Gläubige vor einer
Kirche in Piräus, wo der Erzbischof von Athen eine Messe zelebrierte.
Der soll die Beherrschung verloren haben: "Wir sind jahrelang mit Worten
gefüttert worden, wir brauchen Taten."
Papandreou tritt ab
Führende Politiker der sozialistischen Pasok haben mittlerweile
Parteichef Giorgos Papandreou nach mehreren Anläufen zum Rückzug bewegen
können. Papandreou, der im vergangenen November sein Amt als Premier an
den Technokraten Papademos abgegeben hatte, erklärte, er werde bei den
vorgezogenen Neuwahlen nicht mehr als Spitzenkandidat antreten; sein Amt
als Parteivorsitzender will Papandreou aber noch bis Juni behalten.
Wer die Führung der Pasok übernimmt, dürfte sich in den nächsten Tagen
entscheiden. Vier Bewerber stehen fest: Finanzminister Evangelos
Venizelos, Bildungsministerin Anna Diamantopoulou, Gesundheitsminister
Andreas Loverdos und Entwicklungsminister Michalis Chrisochoidis. In
Umfragen lag die Pasok zuletzt nur noch bei 15 Prozent. Bei den Wahlen,
die Ende April stattfinden könnten, würde derzeit die konservative Nea
Dimokratia gewinnen, ohne allerdings eine eigene Mehrheit zu haben.
(mab, DER STANDARD-Printausgabe, 09.01.2012)