Nachdem Italien seinen Bürgern eine Rosskur verschrieben hat, fordert Monti EU-Maßnahmen
Wir haben unsere Pflicht getan. Nun liegt es an Europa zu handeln." Italiens Regierungschef Mario Monti nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Nachdem Italien seinen Bürgern eine Rosskur verschrieben hat, die jeden Haushalt mehr als 2000 Euro kosten wird, erstmals seit Jahren die Steuerflucht ernsthaft bekämpft und die absurden Privilegien der Politiker gekürzt werden sollen, fordert Monti nun Maßnahmen seitens der EU.
Konkret peilt er nicht nur eine Veränderung des Maastricht-Vertrages an. Er will auch die Ausgabe von Eurobonds, die an Infrastrukturprojekte gebunden sein sollen. In Brüssel und Paris konnte er mit seinen Plänen bereits punkten. Am Mittwoch wird Monti Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin treffen, am 20. Jänner kommt es zum ersten Dreiertreffen zwischen Merkel, Monti und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy in Rom. Danach trifft Monti in London den britischen Premier und präsentiert in der City sein Konsolidierungsprogramm.
Italien tritt damit aus seiner Isolation heraus. Der Wandel in Rom wird von den EU-Partnern wahrgenommen. Die Finanzmärkte haben bisher nur halbherzig reagiert. Die Zinsdiskrepanz zwischen deutschen und italienischen Staatsanleihen blieb auch zu Jahresbeginn hoch. In den nächsten Tagen wird Italien erneut Staatsanleihen versteigern - eine Feuerprobe für Monti, die zeigen wird, ob es ihm gelingt, die Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.1.2012)