Kunst- und Kulturförderung

"Nach Maßgabe der jeweils verfügbaren Mittel"

Thomas Trenkler, 8. Jänner 2012, 17:57

Die Kunst- und Kulturförderung in Österreich ist vielfältig und eigentlich unüberschaubar - Generell gilt: Das meiste Geld fließt in die großen Institutionen

Für die freien Künstler bleiben Almosen.

Wien - Die Seele ist bekanntlich ein weites Land. Aber auch die Kunst- und Kulturförderung ist ein solches - zumindest in Österreich. Denn diese erfolgt nicht nur durch die Länder und die Gemeinden, sondern auch durch den Bund. Die Verfassung schreibt ihm zwar keinerlei direkte Verpflichtung zur Pflege oder Förderung von Kunst und Kultur vor, aber die Republik hat sich 1988 mit einem eigenen Förderungsgesetz selbst dazu verpflichtet.

Kunstschaffende können daher in der Regel bei mehreren Stellen um Subventionen ansuchen. Und auch bei mehreren Stellen gleichzeitig erfolgreich sein. Denn oft genug fördert eine Gebietskörperschaft erst dann, wenn auch eine andere eine Zusage erteilt hat.

Die Frage, wie viel Geld österreichweit für Kunst und Kultur ausgegeben wird, lässt sich ob der Vielzahl an Förderstellen und des schwammigen Begriffs gar nicht so leicht beantworten. In Kärnten ist sogar der Ankauf von Gamsbärten für Trachtenhüte Teil der Kulturförderung.

Laut einer Hochrechnung gab die öffentliche Hand 2007 rund 2,3 Milliarden Euro für Kultur aus: Ein knappes Drittel (743 Millionen Euro) kam vom Bund, die Länder (ohne Wien) steuerten 612 Millionen bzw. 26,7 Prozent bei, die Gemeinden 675 Millionen bzw. 29,3 Prozent. Wien - Gemeinde und Land zugleich - investierte 265 Millionen. Dieser Wert (11, 6 Prozent) ist im Vergleich mit der Bevölkerungszahl gar nicht so hoch, was auch in einer Analyse der Wiener Kulturausgaben von Caroline Konrad bestätigt wird: 2009 betrug der Anteil am Gesamtbudget 3,03 Prozent; in Graz lag er 2008 bei 5,04 Prozent. Wien hat eben den enormen Vorteil, dass nahezu alle Kultureinrichtungen des Bundes in der Hauptstadt errichtet wurden - und zur Gänze von der Republik finanziert werden: die Bundestheater und -museen. Und diese benötigen auch das meiste Geld.

2010 betrug das Budget des Kunstministeriums 420,25 Millionen Euro. 146, 77 Millionen wurden für die Bundesmuseen samt Nationalbibliothek aufgewendet, 143,65 Millionen für die Staats- und die Volksoper sowie das Burg- samt Akademietheater. Und 31,06 Millionen flossen in den Denkmalschutz.

Für die eigentliche Kunstförderung stand nur ein Fünftel des Gesamtbudgets zur Verfügung: 87,78 Millionen Euro. Und von diesem Betrag ist der Großteil fix verplant.

Die größten Fördernehmer 2010 waren das Österreichische Filminstitut (16,57 Millionen Euro), das Theater in der Josefstadt (6,5), die Salzburger Festspiele (5,41), das Volkstheater Wien (4,73), die Philharmoniker (2,29) und die Bregenzer Festspiele (2,18). Die zehn am stärksten geförderten Institutionen erhielten 43,13 Millionen Euro - und damit die Hälfte des Förderungsbudgets.

Ähnlich verhält es sich in der Stadt Wien: 2010 standen für die Förderung von Kunst und Kultur 278,5 Millionen Euro zur Verfügung. Für die Vereinigten Bühnen Wien wurden 44,35 Millionen aufgewendet, für das Wien-Museum 14,43, für die Symphoniker 13,08, für den Filmfonds Wien 11, 5, für die Festwochen 10,87, für das Theater in der Josefstadt 7,37 und das Volkstheater 6,96 Millionen Euro. Für die freie Szene blieben gerade einmal 8,63 Millionen - bzw. laut der Analyse von Caroline Konrad 2,5 Prozent der gesamten Kulturausgaben 2009.

Über die Verwendung der Fördergelder geben die Kunst- und Kulturberichte der Stadt Wien wie des Bundes Auskunft. Einerseits nennt man nur Pauschalsummen, eben z. B. 16,57 Millionen Euro für das ÖFI. Dass Gelder in Strukturen versickern, verneint man sowohl im Wiener Kulturamt als auch im Kunstministerium.

Andererseits geht man höchst penibel vor: Beim Bund wird jede Miniförderung aufgelistet. Birgit Weilguny z. B. erhielt 440 Euro für die Übersetzung eines Werkes von Luisa Valenzuela. Für den Kauf eines Notebooks bekam der eine Autor nur 200 Euro, ein anderer aber 1000. Jede Unterstützung sei den armen Poeten gegönnt, aber: In den Förderrichtlinien steht, dass "der Ankauf von Sachgütern nicht gefördert werden" könne.

Der Kunstbericht des Bundes gibt auf geradezu exemplarische Weise Auskunft, wie man wo mit welchem Formular um eine Subvention ansuchen kann. Die Möglichkeiten sind vielfältig, aber generell gilt: "Förderungen erfolgen nach Maßgabe der jeweils verfügbaren Mittel." Sprich: Förderungen gelten als Ermessensausgaben - und in diesem Bereich sind Bindungen möglich bzw. Kürzungen leichter durchsetzbar.

Die Frage, ob es im Bereich der Kunstförderung (noch) Einsparpotenzial gibt, wird von Kunstministerin Claudia Schmied wie von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny kategorisch mit Nein beantwortet. Die freie Szene befürchtet dennoch, dass es zu Einsparungen kommt - vornehmlich zu ihren Lasten. Denn es besteht eben eine Verpflichtung, die großen Kulturtanker zu finanzieren.

Aber auch diese fördern Kunst: Im Burgtheater z.B. fließen vom Gesamtvolumen (60,1 Millionen Euro) nur 13 Prozent in die Struktur und in das Gebäude - und 51 Prozent in das Ensemble bzw. die Produktionen (30,6 Millionen). Direktor Matthias Hartmann verteidigt die Ausgaben: "Die Demokratie, in der wir hier leben, basiert auf der Kultur, die wir schützen müssen. Und dazu gehört nun einmal das Theater wie die Museen, Schwimmbäder und Schulen." Und: "Wenn ich sehe, mit wie vielen Milliarden Banken gerettet werden, erscheint die ganze Diskussion um das Geld absurd." (Thomas Trenkler, DER STANDARD - Printausgabe, 9. Oktober 2012)

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10 Postings
W.v.Grün, Erfinder düsengetriebener Wunderwaffeln
00
10.1.2012, 13:40
Das alles ist schon gut so

Nämlich dass der Löwenanteil der Gelder bei den institutionellen Kultureinrichtungen landet.

Es hat nicht das geringste mit Neid zu tun, wenn ich den Kopf darüber schüttle, dass AutorInnen vom Staat Laptops gekauft bekommen.

Selbständiger
44
aber die Republik hat sich 1988 mit einem eigenen Förderungsgesetz selbst dazu verpflichtet.

nicht die Republik hat sich, sondern die korrupten Politiker und Beamten haben das Volk dazu verpflichtet. Nirgendwo sonst können so viele Miilionen so unbeschwert veruntreut und in die eigenen Taschen umgeleitet werden.

Zusätzlich kann trefflich unfähiges Kaderpersonal versorgt und Stimmen Gekauft werden. Das politische Lumpenpack verschwendet Millionen über Millionen bei den Themen von privaten Hobbies ihrer ar...kriechenden Klientel und versagt auf ganzer Linie bei den wichtigsten Grundversorungen (Gesundheit, Bildung, Sicherheit).

Cle Mens
00
Was haben die Eurofighter und die Rettung der Banken gekostet?

Wollen sie wirklich ernsthaft argumentieren, dass die Ausgaben von Bund und Ländern für Kultur bei Gesundheit, Bildung und Sicherheit fehlen?

Selbständiger
21
10.1.2012, 09:36
Nein, aber dass

Theaterbesuche und sonstiger Kunstschmarrnkram private Hobbies sind und gefälligst selbst und nicht mit meinem Steuergeld bezahlt werden sollen.

o0o0o0o0o0o0o
00
16.1.2012, 11:25
hm, und ich will das mit meinen steuern keine straßen oder tunnels gebaut werden

und trotzdem wird zum beispiel rund um linz eine autobahn gebaut die so viel kostet wie unsere unis gebraucht hätten.

NO : ID
 
31

es gibt nicht´s schlimmeres für einen künstler als als geförderter staatskünstler zu enden. noch dazu soll man dann auch noch möglichst früh das zeitliche segnen, dann gilt man in kakanien was.

die "muse" oder im neusprech "der flow" mögen mich vor solch einem tragischen schicksal bewahren.

und wenn´s ganz dicke kommt, lass ich mich vom ams "fördern" - bevor ich es in flammen aufgehen lasse und das ganze "per-form-ance" nenne.

Cle Mens
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Aus Ihnen spricht Neid.

NO : ID
 
02

sie irren, aus mir sprach blanker hass.

die meisten leute haben schon verlernt zu hassen, glauben sie mir, das tut manchmal richtig gut - so von ganz unten herauf (aus dem bauch) zu hassen.

ich hasse dieses verlogene scheiß land, in denen die institutionen den freunderln dienen und wenn man was auf die füße stellen will, wird einem ein prügel nach dem anderen vor die füße geworfen. ich hasse dieses land weil es in der seele braun gefärbt ist und an der oberfläche so schön zivilisiert tut. ich hasse dieses scheiß land und noch mehr hasse ich diese scheiß kleinkarierten leute in diesem land.

Knut Ogris
00
Einerseits nennt man nur Pauschalsummen, eben z. B. 16,57 Millionen Euro für das ÖFI. Dass Gelder in Strukturen versickern, verneint man

In der Argumentation des Burgtheater Hartmann und dieser obig zitierten Zeile liegt ein bisschen Wahrheit - das Geld versickert nicht - warum aber werden Museen und Theater so hoch subventioniert - und der Film, der im grossen und ganzen mit erfolgsbedingt rückzahlbaren Darlehen" arbeitet, SO WENIG? das ÖFI wurde die letzten Jahre mit zusätzlichen adminitrativen Aufgaben beauftragt, das Geld zumindest fehlt in der Produktion und im Marketing. Gleiches gilt für den FilmFonds Wien, der in Zukunft, ohne Erhöhung vermehrte technische Aufgaben wahrnehmen muss - genauso ist es im BMUKK und der dortigen Filmförderung, die auch die Produktionsförderung zurückfuhr und gleichzeitig andere Aufgaben aus dem gleichen Topf ins Portefeulle aufnehmen mußte

donna corleona
00

Kunstberichte der Stadt Wien (MA7) und des Kulturministeriums (bmukk):

http://www.wien.gv.at/kultur/ab... ht2009.pdf
--> Seite 209

http://www.bmukk.gv.at/medienpoo... b_2010.pdf
--> Seite 15

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