Lehrer Lendl und Musterschüler Murray

Das Tennis hat ein neues Traumduo. Der legendäre Ivan Lendl trainiert Andy Murray. Die Zusammen­arbeit begann mit dem Titel in Brisbane

Brisbane - Ivan Lendl, dem einst nachgesagt wurde, er lache nur unter Folter (wochenlanges Kitzeln!), saß in Brisbane in der Box von Andy Murray. Und lächelte zwanglos. Vor ein paar Tagen hatten die beiden beschlossen, den Tennissport künftig gemeinsam zu betreiben, der gebürtige Tscheche Lendl als Trainer, der Schotte Murray als Ausführender. Und es scheint sich auszuzahlen. Der 24-jährige Murray, der endlich ein Grand-Slam-Turnier gewinnen möchte (Lendl buchte acht Erfolge dieser Art, nur Wimbledon blieb ihm verwehrt), fertigte im Finale den Ukrainer Alexander Dolgopolow 6:1, 6:3 ab. Brisbane ist ein Vorbereitungsturnier auf die Australian Open, sie beginnen in einer Woche weiter südlich in Melbourne. Murray lobte nach seinem 22. ATP-Titel Lendl: "Ich habe es wirklich genossen, es hat Spaß gemacht. Er wird mir helfen, meine Träume zu erfüllen. Er bringt das nötige Wissen mit."

Eine Frage der Fitness

Der mittlerweile 51-jährige Lendl ("Andy ist ein unglaubliches Talent, er hört zu, ist wissbegierig") galt als der fitteste Spieler, sein diesbezüglicher Nachfolger war Thomas Muster. Aber der ist Murray nicht eingefallen. Die erste Woche der Tennissaison war trotz Murray geprägt von Verletzungen und Aufgaben, die Physiotherapeuten waren überbeschäftigt, auch Dolgopolow wurde mehrmals behandelt.

Derzeit sind unter anderem die amtierende Australian-Open-Siegerin Kim Clijsters (Hüfte), die einstige Weltranglistenerste Serena Williams (Knöchel) und Grand-Slam-Rekordgewinner Roger Federer angeschlagen. Als Erste gab die verletzungsgeplagte Belgierin Clijsters Entwarnung. "Ich habe so etwas wie ein Okay-Gefühl." Williams schwankt noch zwischen Pessimismus und Optimismus. "Ich tue alles für die Heilung."

Powertennis

Der 30-jährige Federer konnte in Doha wegen Rückenproblemen zum Halbfinale gegen den späteren Sieger Jo-Wilfried Tsonga nicht antreten. "Ich wollte keine weiteren Risiken eingehen. Man muss Prioritäten setzen, auf den Körper hören. Mit einer Pause und der richtigen Behandlung denke ich, dass ich mich in ein paar Tagen wieder viel besser fühle."

Für die Topspieler ist die enorme Entwicklung des Spiels hin zum Powertennis ein Hauptgrund für die zunehmende Zahl an Verletzungen. "Deshalb werden wir irgendwann auch früher unsere Karriere beenden als die Spieler vor unserer Zeit", sagte Rafael Nadal. Er nimmt sich den Februar übrigens frei, steht Spaniens Daviscupteam bei der angestrebten Titelverteidigung nicht zur Verfügung. "Das wäre zu viel. Dabei bin ich erst 25 Jahre alt."

Der Weltranglistenvierte Murray ist sogar überzeugt, dass Tennis inzwischen "eine der physisch anspruchsvollsten Sportarten" ist. "Aber Lendl sagt, dass man darüber nicht jammern soll." (red, DER STANDARD Printausgabe, 9. Jänner 2012)

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