ORF-Massenbewerbungen, Teil 1

"Leidenschaftliches Schmusen am ORF-Parkplatz"

9. Jänner 2012, 13:02

Bis 10. Jänner können sich Interessierte wie Robert Seeger jun. noch um den Büroleiter-Job bewerben - Eine Auswahl

Am 23. Dezember gab ORF-General Alexander Wrabetz seine Personalentscheidung per OTS-Aussendung bekannt: Niko Pelinka wird neuer Büroleiter. Am Mittwoch, dem 28. Dezember wurde der Job dann offiziell im Amtsblatt der "Wiener Zeitung" ausgeschrieben. Gesucht wird dort "Redakteur/in (Leitung des Büros GD) (40 Wochenstunden) in Verwendungsgruppe 16 (Gehalt mindestens € 5.270,65 - (inkl. Sonderzahlungen und UDZ) mtl. brutto, höheres Gehalt abhängig von Erfahrung und Ausbildung) für die Generaldirektion." Weiter heißt es: "Bei den Besetzungen werden Gesichtspunkte der Hebung des Frauenanteils besonders berücksichtigt."

Wer googelt, findet zwar unter dem Titel "Personelle Neuerungen im ORF zu Beginn der neuen Geschäftsführungsperiode" auf der Seite des ORF-Kundendiensts bereits die Entscheidung vor. Doch offiziell können sich Interessierte noch bis 10. Jänner bei der ORF-Personalabteilung bewerben. Der Protest an Wrabetz' Personalentscheidung äußert sich auch in Massenbewerbungen, ORF-Redakteursrat Fritz Wendl hat vergangene Woche von "mehr als 3000 Bewerbungen" gehört. Hier eine Auswahl:

Einstieg für den ORF-Sprössling

Ein Bewerbungsschreiben hat Robert Seeger junior verfasst. "Ich bin davon überzeugt, dass ich in einem fairen Bewerbungs-Verfahren eine echte Chance erhalte", schreibt er, um "endlich den Einstieg in den ORF zu schaffen".

Warum er für diesen Job geeignet sei? "Ganz einfach: Ich bin der Sohn eines sehr bekannten ORF-Sportreporters und ehemaligen Stiftungs-Rates - außerdem bin ebenfalls Quereinsteiger aus der Kommunikations-Branche und kann deshalb genauso unbedarft an die neuen Aufgaben gehen."

Spezielle Qualifikationen? "Leidenschaftliches Schmusen am ORF Parkplatz und im angrenzenden Dichterpark als Beweis meiner Hingabe zum Betrieb" und "mit bald 40 Jahren letzter nicht versorgter ORF-Sprössling - und das trotz absichtlich gewählter Namensgleichheit. (Ich werde jetzt schon ohne ORF-Job Seeger jun. genannt)."

"Bestens vernetzt"

"Weiblich, erfahren, unabhängig": So betitelt "Salzburger Nachrichten"-Redakteurin Alexandra Parragh ihre Bewerbung an ORF-Chef Wrabetz.

"Wie Sie meinem beigefügten Lebenslauf entnehmen können, verfüge ich mit meinen 33 Jahren nämlich über Berufserfahrung in gleich mehreren Berufsfeldern, die allesamt auch für die Tätigkeit als Büroleiterin nützlich sein können. Denn ich habe sowohl in der Juristerei als auch im Journalismus gearbeitet. Daher kenne ich mich mit dem ORF-Gesetz, also den rechtlichen Rahmenbedingungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, genauso aus wie mit dem Kerngeschäft, das den ORF ausmacht: guter Berichterstattung." Zudem sei sie "in der Politik bestens vernetzt, wie es für eine gute Büroleiterin des ORF-Generals unerlässlich ist. Immerhin arbeite ich seit mittlerweile fünf Jahren im Innenpolitik-Ressort der 'Salzburger Nachrichten'."

Sie führt auch ihren Job bei der Rechtsanwaltskanzlei Lansky, Ganzger & Partner an, "der Zufall wollte es, dass ich dort auch meinen heutigen Konkurrenten, Niko Pelinka, kennenlernte. Er war damals Schülerpraktikant in der Kanzlei."

"Noch dazu bin ich eine Frau"

"Sie sehen also, ich bin für den Job als Ihre Büroleiterin bestens qualifiziert. Noch dazu bin ich eine Frau", schreibt Parragh weiter. "Wir wissen beide, dass Frauen nach dem neuen ORF-Gesetz bis zum Erreichen der vorgeschriebenen 45-Prozent-Quote bei Besetzungen in der ORF-Geschäftsführung bevorzugt werden müssen."

"Bewerbung um eine Stelle, an der ich nicht interessiert bin"

Auch Patricia Käfer schickt eine Bewerbung an ORF-General Wrabetz: "Dies ist die Bewerbung um eine Stelle, zu der keine Stellenbeschreibung existiert. Dennoch stelle ich mir vor, dass ich qualifiziert bin. Und bin damit nicht die Einzige", schreibt Käfer. Sie arbeitet beim Medienhaus Wien und war zuvor Medienredakteurin der "Presse".

"Etikettenschwindel"

"Möglicherweise aber sind Eigen- und Fremdanspruch an die Qualifizierung für diese Stelle verschieden: Ich, 29, stehe keiner politischen Partei nahe", schreibt Käfer in ihrer Bewerbung. "Zu Beginn dieses Jahrzehnts, 2002, trat ein damals neues ORF-Gesetz in Kraft, das vorgab, den ORF wieder einmal zu 'ent-partei-politisieren'. Der Aufsichtsrat des ORF wurde Stiftungsrat und fortan 'unabhängig' genannt. Etikettenschwindel: Wie im Parlament herrscht im Stiftungsrat Klubzwang, bloß dass die Klubs hier verlogen locker 'Freundeskreise' heißen. Eine Koalition wählt den Generaldirektor und der erfüllt für die Treue der Freunde deren Wünsche."

Käfer: "Vom 'Büroleiter" wird nicht Kompetenz gefordert, sondern Connections. Funktion: Freundeskreise pflegen, auf öffentlich-rechtliche Kosten aller mit Fernsehkasterl." Ihre Bewerbung endet so: "Dies ist die Bewerbung um eine Stelle, an der ich nicht interessiert bin." 

"Anforderungen gewachsen"

Einen kompetenten Bewerber gibt es auch aus der derStandard.at-Redaktion. Oliver Mark, Redakteur von derStandard.at/Etat und derStandard.at/Karriere, hat eine Bewerbung für die Stelle des Büroleiters in der ORF-Generaldirektion abgeschickt. "Ich bin seit Jahren als Redakteur in der Medienbranche tätig und als solcher allen Anforderungen, die mit diesem Job in Verbindung stehen, gewachsen", schreibt er. Er möchte "im Rahmen eines persönlichen Gesprächs" von seinen "fachlichen und menschlichen Qualitäten überzeugen". Auch STANDARD-Medienredakteurin Doris Priesching schickte Post an Wrabetz. (red)

Mehr öffentliche Bewerbungen?

Wer ist noch auf den Zug aufgesprungen und hat seine Bewerbung für den Job des Wrabetz-Büroleiters öffentlich gemacht? Sachdienliche Hinweise bitte hier posten oder an etat@derStandard.at mailen.

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Posting 1 bis 25 von 155
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Werner F, der Inserator
00
10.1.2012, 16:24

Obwohl mir vater robert nerven-seger als kommentator grausam auf die nerven ging schein seeger jun einen gewissen sarkastischen humor zu besitzen. Lies doch mal dden artikel bevor du jammerst.

Allrounderin
021
10.1.2012, 11:20
Bewerbung

Sehr geehrter Herr Generaldirektor,

ich bewerbe mich um die Stelle der Büroleiterin. Sie haben recht gelesen: Büroleiterin. Es gibt ja die geschlechtsneutrale Ausschreibungsvorschrift, und da ich ohne TV aufgewachsen bin, kann ich lesen.
Auch schreiben, dank allgemeiner Schulpflicht.
Mit mir haben Sie auch kein Jugendlichenproblem. Ich bin 60, da können Sie bei der Regierung mit Anstellung einer Pensionsberechtigten punkten. Österreich kenn ich länger als Sie; mich erschüttert nichts mehr.
Die ÖBB kenn ich auch in-und auswendig: Bin am Bahndamm aufgewachsen und habe eine Vorteilscard.
Als Frau kann ich alles leiten - Büro, Kinder, Haushalt und Männer!! Sie können sich also verabschieden. Ich nehm auch Ihren Job!

Knut Ogris
00
13.1.2012, 11:34
Und der Arbeitsplatz wird gefördert!

TheJester
01
12.1.2012, 00:36
made my day, danke!

tramezzino
01
11.1.2012, 12:03

die suchen einen 25 jährigen mit 20-jähriger berufserfahrung. ein monat mitgliedschaft bei der spö zählt aber als ein jahr berufserfahrung, zwecks der chancengleichheit.

skaldjur
03
10.1.2012, 10:45

die gis-zahler hätten es in der hand: AUSTRETEN!!!!????

kuchlmensch
00
10.1.2012, 13:30
GIS

Die GIS wird in nicht allzu ferner Zukunft redundant, weil eine allgemeine Gebühr eingehoben werden wird, unabhängig von TV Oder Radiokonsum . Kein Schmäh.

monkeyboy
00
10.1.2012, 14:27

Ich denke, dass in naher Zukunft die GIS verschwinden wird. Dafür wird im Gegenzug der Preis für die ORF-digital-Karten stark steigen, ohne die kein österreichisches Programm mehr zu empfangen sein wird.

tramezzino
00
11.1.2012, 12:04

die gis kann gar nicht verschwinden. wohin mit all den protektionierten angestellten dort?

duke box
02
11.1.2012, 19:34

werden alle büroleiter-assistenten beim niko.

kuchlmensch
00
10.1.2012, 16:40
Deutsches Modell

So, wie in Deutschland geplant kommt auch bei uns eine verbrauchsunabhängige Gebühr/Steuer wie auch immer das heißen wird.

Jene Grüne Straßenkatze
00
10.1.2012, 11:18
...

Wenn die GIS eine reale Steuerungsmöglichkeit wäre, hätte es das ORF Fernsehen wohl nicht einmal in die 1990er geschafft.

Ferdinand Freybier
00
10.1.2012, 10:40

Köstlicher Beitrag - Danke!

Deß Dr. Gonzo Merck=Wuerdige Meynungen & Merckungen
 
12
10.1.2012, 09:46
bewerbung als büroleiter

sehr geehrte damen und herren,
mit großem interesse vernahm ich, dass sie einen büroleiterposten ausgeschrieben haben, eine stellung, die auf mich zugeschnitten ist.
bereits meine vorfahren waren in dieser stellung zur vollsten zufriedenheit ihrer besitzer/innen tätig. ich bin rot, schick, pflegeleicht, leicht zu handhaben, unverwüstlich, flexibel einsetzbar, benötige wenig platz und stehe das ganze jahr rund um die uhr zur verfügung. mit meinen stabilen sprossen kann ich jedem sprößling zum aufstieg verhelfen. ich bin sehr devot und sehne mich danach, von ihnen benützt zu werden.
mit freundlichen grüßen
raphaela gonzo, die passionierte büroleiter

La Réunion
08
10.1.2012, 09:16
nur zum Vergleich

an der Uni verdient man mit einem neuen Vertrag auf einem Laufbahnposten (tenure track) gerade 3.800,- , verlangt aber Doktorat, hevorragende Forschung und Lehre, etc um ihn zu bekommen!

Das ist die höchste Stellung auf dem Weg zur Habilitation in der österreichischen Wissenschaft ...

tramezzino
00
10.1.2012, 10:26

meine sekretärin (assistentin heisst das jetzt ja seit einigen jahren) bekommt rd. 4.300 brutto. kein studium, dafür funktioniert alles...

Allrounderin
01
10.1.2012, 13:09

..brauchen Sie noch eine Sekretärin oder Assistentin?
Sie werden mit mir hoch zufrieden sein; und ich auch mit dem Gehalt.

tramezzino
00
10.1.2012, 15:00

danke, eine für die abteilung und mich ist vollkommen ausreichend (sie ist schon recht lange im unternehmen). würde die stelle jetzt nachbesetzt werden, würde die gage sehr deutlich darunter liegen.

K. K. Lacke
00
11.1.2012, 10:27
naja für einen schlappen Handschlag und ein paar Goldene Münchhausen-Dollars

würden sie sich jetzt so schnell auch garkeine finden...

Allrounderin
00
10.1.2012, 13:09

..brauchen Sie noch eine Sekretärin oder Assistentin?
Sie werden mit mir hoch zufrieden sein; und ich auch mit dem Gehalt.

Ohne Gurt im Ionensturm
40
10.1.2012, 10:14

Ist eh positiv. so sieben sieben sich die leute die nur auf geld aus sind selbst aus und auf der uni bleiben die, die wirklich was bewegen wollen.

Deß Dr. Gonzo Merck=Wuerdige Meynungen & Merckungen
 
12
10.1.2012, 12:21

die besten bleiben nicht auf der uni, die nützen die hiesigen unis als sprungbrett fürs ausland, gehen in die industrie/wirtschaft bzw. in den ngo-bereich oder machen sich selbstständig.
wer den unibetrieb von innen kennt und keine fixe stelle innehat, tut ihn sich nicht lange freiwillig an, wenn ein innerer antrieb da ist, wissenschaftlich tätig zu sein. denn der österreichische unibetrieb treibt einem jegliche intrinsische motivation gründlich aus. - die auslese ist eine negative.
ich frage mich, ob es wirklich sinnvoll ist, hier mehr geld reinzustecken, wenn die strukturen die alten bleiben.

K. K. Lacke
00
11.1.2012, 10:29
sie armer

meinen sie wirklich dass schlechter bezahlte Jobs automatisch viel lustiger oder erfüllender sind?

wer über solche Probleme motzt, der sudert auf hohem Niveau. Aber auch auf höchstem Niveau ist es eben nur Gesudere.

ah eh
00
10.1.2012, 08:29
Die große ORF-Büroleiter Chance

http://www.facebook.com/dgblc

Frank der Grosse
07
10.1.2012, 08:55

Qualifikation: "Letzter nicht versorgter ORF-Sprössling". Köstlich!! :-))

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