Beim IWF wachsen die Zweifel, dass Griechenland ohne eine umfassende Umschuldung zu retten ist
Hamburg/Berlin - Beim Internationalen Währungsfonds
(IWF) wachsen einem Bericht zufolge die Zweifel, dass Griechenland
ohne eine umfassende Umschuldung zu retten ist. Wie das
Nachrichtenmagazin "Spiegel" meldet, glaubt der IWF nicht, dass
Griechenland auf Basis der bisherigen Sanierungspläne seine Schulden
dauerhaft tragen könne. Der IWF gehört neben der Europäischen
Zentralbank (EZB) und der EU-Kommission zur sogenannten "Troika"
gehört.
Die IWF-Experten wollen laut Bericht im Zuge der nächsten
Troika-Mission, die Mitte Jänner startet, wichtige Eckwerte des
Rettungspakets an die verschlechterte Wirtschaftssituation anpassen.
Laut einem internen IWF-Vermerk solle Griechenland entweder einen
höheren Konsolidierungsbeitrag leisten, die privaten Gläubiger auf
einen höheren Anteil ihrer Forderungen verzichten oder die
Euro-Staaten sich mit einem höheren Beitrag beteiligen. Der IWF
kritisiere zudem, die Fortschritte in Athen beim Eintreiben von
Steuern und die Erlöse aus Privatisierungen lägen unter den
Erwartungen.
Hoffen auf Einigung
Griechenland hofft auf eine Einigung mit den Banken und
Versicherern über einen freiwilligen Schuldenschnitt für das
pleitebedrohte Euro-Land noch im Jänner. Für die Monatsmitte werde
ein Abschluss der Verhandlungen erwartet, hatten Quellen aus dem
Finanzministerium in Athen der Nachrichtenagentur dpa am Freitag
gesagt.
Ob Griechenlands Pleite abgewendet werden kann, hängt entscheidend
von dem Schuldenschnitt ab, zu dem sich die Gläubiger des Landes auf
dem EU-Gipfel Ende Oktober bereiterklärt hatten. Banken und
Versicherer sollen danach einem Forderungsverzicht von 50 Prozent bei
griechischen Staatsanleihen zustimmen, was einem Betrag von 100
Milliarden Euro entspricht.
Allerdings gab es zuletzt Zweifel daran, ob die Höhe des
Schuldenschnitts angesichts der immensen Schuldenprobleme
Griechenlands ausreicht. Zudem ist Finanzkreisen zufolge fraglich, ob
sich alle privaten Gläubiger daran beteiligen.
Nach Angaben des griechischen Finanzministeriums wird die
"Troika" am 16. Jänner für die neue Kontrolle der Bücher und der
Sparfortschritte Athens erwartet. Diesmal gehe es nicht nur um die
nächste Tranche des ersten Hilfspakets für Griechenland. Im
Mittelpunkt werde das neue Hilfspaket in Höhe von 130 Milliarden Euro
von EU und IWF stehen. (APA)