Steirerin feiert in Bad Kleinkirchheim ihren ersten Weltcup-Abfahrtssieg vor Julia Mancuso und Fabienne Suter
Bad Kleinkirchheim - Elisabeth Görgl hat den Speed-Erfolgslauf der
US-Amerikanerin Lindsey Vonn und zugleich die sieglose Zeit der österreichischen
Abfahrerinnen beendet. Im Zielraum der Klammer-Strecke in Bad Kleinkirchheim
ließ sich die Weltmeisterin nach Bestzeit überglücklich in den Schnee fallen,
denn nun ist sie auch im Weltcup in den schnellen Disziplinen eine Siegerin. Am
Samstag verwies sie um 0,16 Sekunden Julia Mancuso (USA) und 0,50 Fabienne Suter
(SUI) auf die weiteren Podestränge, Vonn wurde Vierte (0,55).
Der Sturm, der das Abschlusstraining verhindert hatte, war weitergezogen.
Dafür brauste der Görgl-Express ungebremst über die extrem unruhige und
anspruchsvolle Piste. Mit Startnummer 22 kam die Steirerin als letzte der
Favoritinnen, schlug erbarmungslos zu und fügte ihrer Weltcup-Bilanz nach zwei
Riesentorlauf- und einem Super-G-Sieg nun einen in der Abfahrt hinzu: "Wichtig
war mir eine gute Fahrt. Sicher ist der Sieg für die Statistik super, aber es
ist ganz schwierig zu gewinnen. Da muss alles zusammenpassen. Ich habe meine
Möglichkeiten ausgeschöpft, das taugt mir. Ich war in meinem Element", sagte die
Doppel-Weltmeisterin von 2011.
Seit Andrea Fischbacher am 28. Februar 2009 in Bansko war keine ÖSV-Läuferin
in einer Weltcup-Abfahrt ganz oben gestanden. Auch in Bad Kleinkirchheim war
Vonn die Rennläuferin, die es zu schlagen galt, doch laborierte diese an
Magenproblemen und hatte viel körperliche Substanz verloren. "Ich habe keine
Energie gehabt, die Kraft war nicht da, mein Gefühl war schlecht. Deshalb bin
ich beim zweiten Tor schon fast ausgeschieden. Danach habe ich gekämpft. Man
kann nicht immer schnell sein, vor allem wenn man krank ist", erklärte Vonn, die
gleich nach dem Start praktisch einen Steher gehabt und zu einer sehenswerten
Aufholjagd angesetzt hatte.
Ansage
Österreichs Damen sind damit seit der Rückkehr aus Übersee und auf den
Weltcup-Stationen Courchevel (Slalom an Marlies Schild), Flachau (Slalom an
Schild), Lienz (Riesentorlauf an Anna Fenninger, Slalom an Schild) sowie Zagreb
(Slalom an Schild) ungeschlagen. Es war der insgesamt siebente Saisonsieg. Im
Gesamtweltcup führt Vonn mit 691 Punkten vor Schild mit 540 und Görgl mit 405.
In der Abfahrt hat Vonn 250 auf dem Konto, Görgl als Zweite 171.
Die Abfahrt forderte viele Ausfälle, u.a auch jenen der Niederösterreicherin
Kathrin Zettel, die bei ihrem Speed-Comeback nach zwei Jahren eine bravouröse
Fahrt zeigte und beim Sturz im Zielhang unverletzt blieb. Görgl indes gelang
eine gute Fahrt ohne grobe Patzer. "Wahnsinn, dass mir das gelungen ist! Ich
habe heute brutal gekämpft und voll attackiert. Solche Abfahrten liegen mir",
sagte die 30-jährige, die bei der WM in Garmisch Partenkichen ähnlich schwierige
Aufgaben zu bewältigen hatte.
Absage
Mit Andrea Fischbacher auf Platz sieben und der Trainingsschnellsten Anna
Fenninger auf zehn passte auch das rot-weiß-rote Teamergebnis. Fischbacher
freute sich, dass der Aufwärtstrend weiterging. "Es ging von oben bis unten zur
Sache, das taugt mir. Es war so schlagig, ich habe einfach die Ski laufen
lassen. Mit meiner Fahrt kann ich zufrieden sein. Im Ziel habe ich dann keinen
Druck mehr auf die Ski bekommen und mich einfach fallen lassen", erzählte die
Super-G-Olympiasiegerin.
"Keine innere Ruhe" gefunden hat Fenninger, die sich zwar über die vielen
Fans beim Heimrennen freute, aber schon bei der Gondelbahn mit ihrer aktuellen
Popularität Bekanntschaft gemacht hatte und infolge bis zum Start die vielen
Zuschauer hautnah spürte. Mehr als ihr lieb war. "Ich war total aufgekratzt. Ich
habe bei meiner Fahrt vieles nicht so erwischt, wie ich es wollte", sagte die
22-Jährige, die sich von der Situation sichtlich überfordert fühlte und im
Zielraum Zuspruch brauchte. (APA)