Marcel Hirscher gewinnt den RTL vor Benjamin Raich, der erstmals nach seiner Verletzung wieder aufs Podest steigen darf
Adelboden - Das österreichische Ski-Team räumt derzeit ab. Die
Herren haben am Samstag im Riesentorlauf-Klassiker in Adelboden einen
Doppel-Triumph gefeiert. Marcel Hirscher siegte in einem Krimi vor 29.000
Zuschauern auf dem Chuenisbärgli 0,08 Sekunden vor Benjamin Raich, der den
ersten Stockerlplatz nach seinem Kreuzbandriss bejubelte. In einem
Herzschlagfinale landeten der Italiener Massimiliano Blardone (0,10) und der
US-Amerikaner Ted Ligety (0,14) auf den Plätzen drei und vier.
Hirscher, der sich weiter in Hochform befindet, fuhr bereits
Saisonsieg Nummer vier ein. Damit hat der 22-Jährige seine Führung im
Gesamt-Weltcup ordentlich ausgebaut. Vor dem Slalom in Adelboden am Sonntag
(10.30 und 13.30 Uhr) weist der Salzburger bereits 169 Punkte Vorsprung auf den
ersten Verfolger Aksel Lund Svindal auf. Der Norweger schied am Samstag aus.
Das ÖSV-Team ist im neuen Jahr scheinbar nicht zu stoppen. In den bisher vier
Weltcup-Bewerben 2012 gab es ebenso viele rot-weiß-rote Erfolge. Bei den Damen
gewannen Marlies Schild (Slalom Zagreb) und Elisabeth Görgl (Abfahrt Bad
Kleinkirchheim), bei den Herren schlug Hirscher zweimal zu (Slalom Zagreb,
Riesentorlauf Adelboden).
Wenn die Form stimmt
"Momentan fahre ich schon brutal frech", meinte Hirscher nach seinem
neuerlichen Husarenritt inklusive einiger Schrecksekunden. So verlor der
ÖSV-Jungstar diesmal im ersten Lauf kurz vor dem Ziel den rechten Stock und
kassierte einen heftigen Schlag gegen die rechte Hand. Das steckte Hirscher aber
ebenso cool weg wie die Magenprobleme, die ihn seit Freitag plagen.
Hirscher weiß, dass er im Moment einfach einen Lauf hat. "Ich muss ehrlich
sagen, momentan funktioniert alles sehr, sehr gut. Ich habe eine Riesenfreude
beim Skifahren." Nach der Zieldurchfahrt im Finale brauchte Hirscher zunächst
einige Momente, ehe er seinen Sieg realisierte. "Ich habe einige Schwünge nicht
so gut erwischt und mich eher schlecht gefühlt. Da ist mir das Herz in die Hose
gerutscht." Im Riesentorlauf-Weltcup weist Hirscher nur noch 15 Zähler Rückstand
auf Ligety auf.
Hirscher sorgte für ein kleines Jubiläum, nämlich den zehnten ÖSV-Sieg in
einem Adelboden-Riesentorlauf. Gleich drei davon hat Raich beigesteuert. Und auf
einem seiner absoluten Lieblingsberge gelang dem Tiroler nun nach bisher
durchwachsenem Saisonverlauf der ersehnte Befreiungsschlag. "Meine Freude ist
unglaublich groß. Geholfen hat mir natürlich, dass ich gute Erinnerungen an den
Hang habe und er mir sehr gut liegt."
In seinem Revier
Der 33-Jährige hatte sich am 16. Februar 2011 bei der WM in
Garmisch-Partenkirchen einen Kreuzbandriss im linken Knie zugezogen. Dass er
nicht einmal elf Monate später wieder auf einem Weltcup-Podest stand, ließ den
Doppel-Olympiasieger 2006 strahlen. "Ich habe immer daran geglaubt, dass ich auf
Dauer wieder zurückkomme. Dass es so schnell gegangen ist, ist umso schöner",
betonte Raich.
Romed Baumann rundete als Sechster das starke ÖSV-Ergebnis ab, Punkte gab es
auch für Marcel Mathis (25.). Philipp Schörghofer stapfte hingegen nach seinem
Ausfall im ersten Durchgang schwer enttäuscht aus dem Zielraum. Immerhin nahm
der Salzburger aber die Gewissheit mit, dass er schnell ist, sehr schnell sogar.
Bis zu seinem Out war er besser als Hirscher unterwegs gewesen. "Das ist extrem
ärgerlich, das Podest wäre ganz sicher drinnen gewesen", sagte Schörghofer. Dem
28-Jährigen verschlug es einen Ski so unglücklich, dass er sich auf den Teller
eines Skistocks stieg, hängen blieb und den Abflug nicht mehr verhindern konnte.
Die Hausherren hatten im Kampf ums Podest nichts mitzuplaudern, Carlo Janko
wurde als bester Schweizer Zwölfter. Besonderes Pech hatte Beat Feuz, der im
zweiten Lauf aufgrund eines verirrten Pistenarbeiters abschwingen musste. Feuz
fuhr noch einmal mit dem Sessellift an den Start und belegte am Ende Rang 26.(APA)