80-jähriger Oscar Mejia für prozessunfähig erklärt
Guatemala-Stadt - Der frühere Militärmachthaber
Guatemalas, Oscar Mejia, entgeht einem Prozess wegen Kriegsverbrechen
und Völkermordes. Die zuständige Richterin Carol Patricia Flores
teilte am Freitag mit, dass sie das Verfahren gegen den 80-Jährigen
wegen Prozessunfähigkeit einstelle. Ärzte hatten Mejia bescheinigt,
er leide unter geistigem und körperlichem Verfall.
Am 10. Oktober war Haftbefehl gegen Mejia ergangen, der von 1983
bis 1986 in dem zentralamerikanischen Land herrschte und dem
Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des
Bürgerkrieges (1960-1996) vorgeworfen werden. Mejia hatte sich 1983
an die Macht geputscht; sein Vorgänger Efrain Rios Montt ist heute
Parlamentsabgeordneter. Die Jahre ihrer Herrschaft gelten als die
blutigste Periode im guatemaltekischen Bürgerkrieg.
Laut einem Bericht der nach dem Ende des Bürgerkrieges
eingesetzten "Wahrheitskommission" wurden in dem 36 Jahre andauernden
Konflikt zwischen Armee und linksgerichteter Guerilla rund 200.000
Menschen getötet oder verschwanden. Im August des vergangenen Jahres
wurden erstmals vier Ex-Militärs wegen eines Massakers an 201
Dorfbewohnern verurteilt, das 1982 begangenen worden war. (APA)