Verhandlungen mit SPD über Große Koalition angekündigt
Saarbrücken - Nach nur zwei Jahren ist die erste
Jamaika-Koalition in einem deutschen Bundesland geplatzt: Die
saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer erklärte
das Koalitionsbündnis aus CDU, Grünen und FDP am Freitag für beendet
und machte allein die FDP für das Scheitern verantwortlich. Zugleich
kündigte die CDU-Politikerin Verhandlungen mit der SPD über eine
Große Koalition an. Sollten diese scheitern, werde es Neuwahlen im
kleinsten Flächenland geben. Während sich der Generalsekretär der
Saar-SPD, Reinhold Jost, zunächst ausweichend äußerte, sprachen sich
führende Sozialdemokraten im Bund für Gespräche mit der CDU aus. Auch
die Grünen gaben der FDP die Alleinschuld am Scheitern des
Bündnisses. Die Saar-FDP zeigte sich überrascht und erklärte, sie
habe über die Medien von dem Schritt erfahren.
"Die FDP-Landtagsfraktion, aber auch der Landesverband der
FDP-Saar befinden sich in einem Zustand der Zerrüttung", begründete
Kramp-Karrenbauer ihre Entscheidung. Hinzu kämen die bereits
bekannten staatsanwaltlichen Ermittlungen im Umfeld der FDP sowie
"weitere personelle Unwägbarkeiten und Risiken". Aus ihrer Sicht
seien eine nachhaltige Befriedung und eine Rückkehr der Saar-FDP zu
geordneten Verhältnissen in absehbarer Zeit nicht mehr zu erwarten.
"Damit ist auch eine stabile, verlässliche und vor allem
sachorientierte Regierungsarbeit in dieser Konstellation nicht mehr
vollumfänglich gewährleistet."
"Das Land braucht eine stabile Regierung"
Die saarländische FDP wird seit Wochen von Personalquerelen
erschüttert. Fraktionschef Christian Schmitt trat im vergangenen Jahr
aus der Partei aus und ist seitdem parteiloses Mitglied in der
CDU-Fraktion. Der Parlamentarische Geschäftsführer Christoph Kühn,
der ihm eigentlich folgen wollte, zog seine Kandidatur Ende Dezember
zurück. Er war wegen der umstrittenen Nutzung eines Autos seiner
Fraktion in die Kritik geraten.
"Das Land braucht eine stabile Regierung und stabile
Verhältnisse", sagte die Ministerpräsidentin. Sie habe daher dem
SPD-Landesvorsitzenden Heiko Maas Gespräche für die Aufnahme von
Koalitionsverhandlungen angeboten. Sollte in den Gesprächen mit der
SPD keine tragfähige Grundlage für eine stabile Zusammenarbeit
erkennbar werden, seien Neuwahlen die logische Konsequenz.
Kramp-Karrenbauer betonte, sie habe von den CDU-Gremien Rückendeckung
für diese Entscheidung. Zudem habe sie den Grünen ihre Gründe
erläutert und dabei auch ihr persönliches Bedauern über das Ende der
Jamaika-Koalition deutlich gemacht.
Dagegen beklagte die Saar-FDP, dass sie nicht eingeweiht gewesen
sei. "Wir haben mit Überraschung und Bedauern die Entscheidung der
Ministerpräsidentin am traditionellen Dreikönigstreffen der FDP zur
Kenntnis nehmen müssen", teilte die FDP-Saar mit. Der
Landesvorsitzende Oliver Luksic habe die Entscheidung aus den Medien
oder über Anrufe dazu erfahren.
Grünen-Chef Özdemir erklärte, es sei schon bemerkenswert, dass
die CDU parallel zum FDP-Treffen das Ende der Jamaika-Koalition
erklärt habe. Die Ko-Vorsitzende Claudia Roth sprach im
"Tagesspiegel" von einer "Demütigung des eh schon
arg geschwächten FDP-Parteichefs" Philipp Rösler. Die CDU im Saarland
habe eingesehen, dass mit der FDP kein Staat mehr zu machen sei.
"Eine Erkenntnis, die Angela Merkel im Bund auch endlich dämmern
sollte", sagte Roth.
Die Saar-SPD sprach vom einem Fiasko für die drei
Regierungsparteien. "Es gilt jetzt, diesen Regierungsnotstand zu
beenden", erklärte Generalsekretär Jost. Über die weiteren Schritte
würden die Gremien am Freitag und Samstag beraten. SPD-Landeschef
Maas sollte sich nach einer Sitzung des Präsidiums am frühen Abend
dazu äußern. Die saarländische SPD-Bundestagsabgeordnete Elke Ferner
sprach sich angesichts der schwierigen Haushaltslage im Saarland für
die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der CDU aus. "Wir
steigen aber nicht um jeden Preis in eine Koalition ein", sagte
Ferner der "Welt" (Samstagsausgabe). Wenn sich die CDU nicht
ausreichend bewege, müsse der Landtag neu gewählt werden.
Der Vorsitzende der Linken-Landtagsfraktion, Oskar Lafontaine,
bezeichnete Neuwahlen als saubersten Weg, um einen politischen
Neuanfang zu ermöglichen.
CDU, Grüne und FDP regierten im Saarland seit 2009 zusammen.
Rechnerisch möglich wären nach der Landtagswahl neben einer Großen
Koalition auch eine Regierung aus SPD, Grünen und Linkspartei. Der
saarländische Landtag kommt am 18. Jänner zu seiner nächsten
regulären Sitzung zusammen. (APA/Reuters)